Bad Dürkheim / Wachenheim
Kunstausstellung: Zerteilt und zerbrechlich
„Wo immer ich gehe, folgt mir ein Hund namens Ego“ lautet der Titel der Präsentation, die gemeinsam vom Kunstverein Bad Dürkheim und Kulturverein Wachenheim veranstaltet wird. Beide Vereine wollen jungen Künstlern ein Forum bieten. Die elf Studierenden kommen aus mittleren bis höheren Semestern, sodass sich das von Nietzsche beschriebene „Ego“ hier in Künstlern äußert, die ihre Formensprache schon beachtenswert übermitteln.
In Werken aus Glas, Metall, Holz und Papier zeigt sich die bildliche Sprache entsprechend vielfältig: Sie wirkt zart und filigran, dann wieder kräftig und entschlossen, mal erscheint sie behutsam suchend oder aber sicher und fest umreißend.
Ein ganz eigenes Spannungsfeld erschafft die titellose Holzskulptur von Manuel Dück: Der junge Bildhauer hat zwei Eichenbalken durch die Behandlung mit Dampf biegsam gemacht. Mit Hilfe von Pressung und Leimung sind sie an ihren Enden zusammengefügt und stehen so gegeneinander gebogen. Eingearbeitete Zapfen aus Buche reihen sich regelmäßig aneinander und verstärken noch die gewölbte Form.
Filigrane Stücke
Erfinderisches Experimentieren zeigt auch Maximilian Bernhard, der unterschiedliche Materialien verbindet. In Metall gearbeitete Gestelle dienen zwar als Sockel von Objekten aus Ton oder Gips, sind aber gleichzeitig künstlerisch bearbeitete Teile des Werks. Jørgen May erprobt dagegen das Altern und Reagieren von Holz anhand eines Tannenstumpfes. Was einmal eine komplette Skulptur war, hat er in Einzelstücke zerteilt. Jetzt erblickt der Betrachter das Fragment einer knienden Frau: Ihre versunkene Ruhe wird von dunklen Moos-Strukturen überwachsen und der unvollständige Charakter steigert ihre Intensität.
Aus Glaspulver stellt Gözde Bulakeri filigrane Stücke her. Sie bringt die in unterschiedlichen Farben erzeugten Scheiben in wechselnden Lagen zusammen und verändert so ihre Wirkung. Mit dem zerbrechlichen Medium arbeiten auch Michele Janata und Jiyoung Kim und variieren ebenfalls die Wirkung: Dichroitisches Glas, auch Farbeffektglas genannt, reflektiert bestimmte Wellenbereiche, sodass je nach Ort des Betrachters andere Farben erscheinen. Die wellige Struktur wurde mit Vollsäure ins Material geätzt.
Am Sonntag Performance
Außerordentlich fein gearbeitete Strukturen zeigen die Druckgrafiken von Wenzel Maria Binder und die Zeichnungen von Hsuan-Wei Chen mit ihren abstrahierenden, blasenartigen Formen. Eher dokumentarischen Charakter hat die Zusammenstellung von Kyunghee Han aus Einzelheften eines renommierten Kunstmagazins.
Die vielen Hände, die für die Ausstellungen tätig waren, könnten sich in der Arbeit „Hand“ von Nozomi Tanabe widerspiegeln. Sie fühlt sich zum einen in den Raum ein und will zum anderen die Zeit sichtbar machen. Das tut sie in ihrem „24 Stunden-Präparat“, das geknüpfte Nylonschnüre in immer neuen Variationen aufreiht. Wie ausgestellte Objekte und der umgebende Raum aufeinander reagieren, erprobt auch Soma Mizutani: Auf seine Performance mit vielen Mitwirkenden, ihren Stimmen, Händen und Gedanken, dürfen die Besucher der Eröffnung am kommenden Sonntag in der Burgkirche gespannt sein.
Termine
- Vernissage (Anmeldung erforderlich) am 11.Oktober um 11 Uhr in der Dürkheimer Burgkirche, geöffnet bis 1. November, donnerstags von 17 bis 19 Uhr, samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr.
- Die Ausstellung in der Wachenheimer Ludwigskapelle wird am 25. Oktober um 11.15 Uhr eröffnet und ist bis zum 15. November zu sehen, freitags von 17 bis 19 Uhr, samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr.