Kultur ohne Kontakt RHEINPFALZ Plus Artikel Kulturvereine sorgen sich um Künstler

Reges Treiben vor dem Badehaisel. Ein Bild aus vergangenen Tagen.
Reges Treiben vor dem Badehaisel. Ein Bild aus vergangenen Tagen.

Finanzielle Probleme haben die Kulturvereine in der Region wegen Corona nicht. Auf die Pandemie-Beschränkungen reagieren sie in der VG Wachenheim sehr unterschiedlich. Während einige in der Hoffnung auf bessere Zeiten Programme erstellt haben, herrscht bei anderen erst einmal Stillstand. In einer losen Reihe geht es um den Kulturbetrieb im Lockdown.

„Im Moment herrscht etwas Lähmung“, beschreibt Sam Sommer, Vorsitzender des Vereins Kunst und Kultur in EIlerstadt (KuKiE), die derzeitige Stimmung. „Streaming und digital ist nicht so unsere Sache“, sagt er. Die Aktiven hätten sich zwar überlegt, ob man wie andere Vereine Streaming-Konzerte anbieten soll. „Wir waren uns aber einig, dass das nur eine halbe Sache ist. Wir wollen die Kommunikation mit dem Publikum“, sagt Sommer. Blues sei die Spezialität von KuKiE, und da gehöre das Live-Gefühl dazu. Zudem habe der Verein nicht die Technik und sonstige Infrastruktur für digitale Veranstaltungen.

Auch mit pandemiegerechten Veranstaltungsräumen sehe es schlecht aus, sagt Sommer. Die Weinstube Ultes, das KuKiE-Stammlokal, sei zu klein, und im Freien gebe es keinen Ort, an dem eine Veranstaltung unter wirtschaftlichen Bedingungen möglich ist. Im Sommer 2020 habe KuKiE deshalb ein Blues-Konzert an das Wachenheimer Badehaisel abgegeben.

Zumindest kleinere Veranstaltungen wolle man so bald wie möglich wieder anbieten. Wann das sein wird, könne keiner sagen. „Größere Veranstaltungen, wie unser Blues-Festival, liegen auf Eis“, sagt Sommer und befürchtet, dass sie dort wohl noch einige Zeit liegen werden. „Unser Publikum und unsere Mitglieder warten mit uns“, weiß Sommer durch Mitteilungen, etwa per E-Mail. „Wir haben von einigen regelmäßigen Besuchern gehört, dass ihnen jetzt erst klar geworden ist, wie wichtig unsere Veranstaltungen für sie sind“, erzählt der Vorsitzende. Die Treue der Mitglieder habe der Verein honoriert, indem nur die Hälfte des Beitrags verlangt wurde. KukiE könne sich das leisten, denn feste Kosten habe man kaum. Etwas anderes macht Sommer hingegen Sorgen: Er spielt selbst Schlagzeug und hat dadurch Kontakt zu vielen Künstlern. „Viele haben seit fast einem Jahr nichts mehr verdient und fragen sich, ob es für sie in Zukunft überhaupt noch weitergeht“, erzählt er.

Nur Absichten, keine Pläne

„Wir würden gern wieder Konzerte anbieten und haben Kontakte zu vielen Ensembles, die sich über eine Verpflichtung freuen würden“, sagt Eckhard Hilgemann, Vorsitzender des Freundeskreises Wachenheimer Serenade. „Eine Planung gibt es aber nicht, nur Absichten“, sagt er. „Denn alles, was wir planen, könnte morgen schon obsolet sein.“ Er geht nicht davon aus, dass vor Sommer kulturelle Veranstaltungen möglich sein werden. Im vergangenen Jahr hatte der Freundeskreis, mit Ausnahme eines Konzerts zum Jahresanfang, alles abgesagt. Finanzielle Probleme hat der Freundeskreis deshalb nicht, denn Veranstalter der Konzerte ist die Stadt Wachenheim. „Ein Vereinsleben findet nicht statt“, verweist Hilgemann auf einen anderen Aspekt. Doch würden die Aktiven über Telefon und soziale Medien Kontakt halten. Bisher habe niemand die Fördergemeinschaft verlassen. „Alle hoffen, dass sie bald wieder zu unseren Veranstaltungen kommen können“, sagt Hilgemann.

Auf der Homepage des Kulturvereins Wachenheim steht eine Programmübersicht für das ganze Jahr mit Konzerten, Vorträgen, Kabarett, Ausstellungsbesuchen, Studienreisen. Bei einigen Terminen steht inzwischen der Satz „auf einen späteren Zeitpunkt verschoben“. „Wir sagen nichts komplett ab“, betont Vorsitzender Martin Pfeiffer. Allerdings seien zu Beginn der Pandemie die Veranstaltungen nur um zwei bis drei Monate verschoben worden, inzwischen lasse man den Zeitpunkt offen. „Wir haben unseren Optimismus nicht verloren“, betont er. Außerdem hätten die Künstler, wenn Veranstaltungen nicht abgesagt werden, zumindest eine Perspektive.

„Wir leiden zwar darunter, dass wir keine Veranstaltungen machen können, aber das ist überhaupt nichts im Vergleich zu der Situation der Künstler, deren Existenz betroffen ist“, betont Pfeiffer. „Wir überlegen immer wieder, was wir tun können, um sie zu unterstützen“, sagt er. Dafür wurde auch schon etwas getan. Im Oktober bot der Verein mit dem Kunstverein Bad Dürkheim jungen Künstlern die Möglichkeit, ihre Bilder bei einer Ausstellung zu zeigen. „Uns war klar, dass wir da finanziell einen Verlust machen. Doch wir haben das als Corona-Förderung gesehen“, erklärt er. Auch sich selbst hat der Kulturverein „etwas gegönnt“. 2020 hatte er 40. Jubiläum, die dazu vorgesehenen Veranstaltungen waren nicht möglich. „Aber wir haben uns eine Festschrift gegönnt, das hat schon ein Loch in unsere Kasse gerissen“, sagt Pfeiffer. Da die Kulturstammtische nicht erlaubt sind, werden nun Rundbriefe verschickt. „Die Resonanz ist positiv“, berichtet er. Erstmals steht nun ein digitaler Stammtisch an.

„Es hat keinen Sinn, etwas erst zu planen und dann abzusagen“, findet Felix Hammann vom Wachenheimer Badehaisel-Verein. Vielleicht würden im Sommer wieder einige kleinere Veranstaltungen im Freien angeboten. Im relativ kleinen Badehaisel werde vorläufig „gar nichts gehen“. Finanziell habe der Verein keine Probleme, da er außer einer kleinen Pacht an die Stadt Wachenheim und einigen Versicherungen keine festen Kosten habe. „Wegen der schwierigen Situation der Gastronomie haben wir unserem Pächter im vergangenen Jahr die Miete erlassen und überlegen, das auch dieses Jahr zu tun“, sagt Hammann.

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