Ellerstadt / Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kukie: Endlich wieder Musik – wenn auch auswärts

Ein Brite aus Frankfurt: Glen Turner legt vor dem Badehaisel in Wachenheim einen tollen Auftritt hin.
Ein Brite aus Frankfurt: Glen Turner legt vor dem Badehaisel in Wachenheim einen tollen Auftritt hin.

Weil er in Ellerstadt derzeit keine Konzerte anbieten kann, hat der Verein Kukie am Donnerstag Station in Wachenheim gemacht. Glen Turner gab ein grandioses Konzert unter freiem Himmel.

Sam Sommer ist Schlagzeuger der Ellerstadter Elville Blues Band (EBB) und Vorsitzender des Vereins KuKiE (Kunst und Kultur in Ellerstadt). In beiden Funktionen trifft ihn die Corona-Krise hart. Mit der EBB hat er seit Februar nur selten öffentlich gespielt. Größere Aktivitäten des KuKiE, wie Konzertveranstaltungen oder das „Mission in Blues“-Festival, sind derzeit nicht möglich. Eine Änderung der Situation sei zumindest in diesem Jahr nicht zu erwarten, so Sommer. Es gebe zwar Ideen, beispielsweise für Lesungen, ob sich dies umsetzen lässt, sei aber noch nicht entschieden.

Umso mehr hat sich Sommer über das Angebot des Wachenheimer „Badehaisel“-Vereins gefreut. Er hat nun einige Konzerte der Elville Blues Band, wie man sie von der Weinstube Ultes her kennt, übernommen. Das ist den „Badehaislern“ möglich, weil sie einen Open-Air-Spielort am Wachenheimer Burgtalweiher haben.

Am Donnerstag fand nun die erste Kooperation dieser Art statt. Die Elville Blues Band setzt sich neben Sommer aus Sängerin Marion La Marché, Gitarrist Tom Schaffert, Keyboarder Tom Karb und Bassist Rolf Breyer zusammen, der den verhinderten Stammtieftöner Bonnie Batzler vertrat. Gast war der englische Gitarrist und Sänger Glen Turner. Der Zuspruch für die Veranstaltung war groß, und schon bald waren alle abstandsgerecht aufgestellten Stühle vor der Bühne besetzt. Marion La Marché konnte auf ihre unnachahmlich humorvolle Art und Weise ein paar Begrüßungsworte an das Publikum richten, bevor es mit dem Stevie Wonder-Song „Higher Ground“ ziemlich funky losging. Im Anschluss bot die EBB noch zwei recht obskure Interpretationen von „Superstition“ in der Macy-Gray-Version und „Old Man“ aus dem Neil Young-Album „Harvest“, hier aber in der seltenen Fassung von Lizz Wright präsentiert.

Jugendfreund von Joe Cocker

Erst danach bat das Quintett Glen Turner auf die Bühne. Zunächst sang La Marché mit „Love Sneakin’ Up On You“ noch gemeinsam ein Bonnie-Raitt-Cover mit ihm, bevor sie die Bühne verließ und dem ehemaligen Mitstreiter der Gruppe „The Who“ mit ihren Instrumentalisten alleine ließ. Der 68-jährige, ein Jugendfreund von Joe Cocker, der wie er aus Sheffield stammt, gab zuerst mit dem J. J. Cale-Klassiker „Call Me The Breeze“ seine musikalische Visitenkarte ab. Dieser Song gehört einfach zu einem Turner-Auftritt, hunderte Male hat er ihn schon gespielt. Trotzdem ist es faszinierend zu hören, wie viel Leben der in Frankfurt lebende Brite dem Song immer wieder einzuhauchen in der Lage ist. Wenn Turner auf der Bühne steht, wird schnell klar, dass er ein Teamplayer ist. Zwar wäre er durchaus in der Lage, seine Fans mit ständig neuen Soli allein aufs Beste zu unterhalten. Aber es liegt überhaupt nicht in seiner Absicht, ständig sein Ego ins Rampenlicht zu hieven. Stattdessen forderte er ständig Karb und Schaffert zu musikalischen Alleingängen auf. Die machten ihre Sache wie stets hervorragend, wobei Schaffert besonders zu „When My Trains Pull In“ dem Originalinterpreten des Stücks, Gary Clarke jr., durchaus das Wasser reichen konnte. Tom Karb bewies seine Klasse als feinfühliger Hammond-Organist bei dem Procol-Harum-Klassiker „A Whiter Shade Of Pale“. Dass dieser Song den Weg auf die Spielliste fand, war Glen Turner zu verdanken, der mit dem Komponisten des Stücks, Gary Brooker, befreundet ist und in seiner Heimat bei privaten Sessions mit ihm gejammt hat. Hier zeigte sich, dass Turner nicht nur ein Ausnahmegitarrist, sondern auch ein hervorragender Sänger ist. Ein wenig musste er sich gesanglich aber trotzdem Marion La Marché beugen, die wieder einmal alle Register ihres Könnens zog. Zum absoluten Höhepunkt der Veranstaltung aber wurde der berühmte Doors-„Roadhouse Blues“, bei dessen ellenlanger Darbietung Turner und die gesamte Band über sich hinauswuchsen.

Weiter geht es am Badehaisel am Sonntag mit einem Konzert des Jazz-, World-, Chanson-, Latin-, und Groovemusik-Ensembles Netnar Tsinim um den Perkussionisten Erwin Ditzner. Aufgrund der begrenzten Platzzahl müssen Karten online über www.badehaisel.de oder telefonisch unter der Nummer 0151 50784788 bestellt werden.

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