Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kreis Bad Dürkheim: Was die Bewerber zur Kandidatur für Migrationsbeirat bewegt

Der Migrationsbeirat bietet auch Bürgern, die nicht aus der EU stammen, die Möglichkeit, sich am politischen Geschehen zu beteil
Der Migrationsbeirat bietet auch Bürgern, die nicht aus der EU stammen, die Möglichkeit, sich am politischen Geschehen zu beteiligen. Foto: dpa

Bad Dürkheim: Noch bis Sonntag wird im Kreis ein neuer Migrationsbeirat gewählt. Viele der bisherigen Mitglieder stehen aus privaten Gründen nicht mehr zur Verfügung, manche gehörten dem Gremium schon lange an. Wir haben mit einigen Kandidaten gesprochen und sie gefragt, warum sie sich in den Beirat wählen lassen wollen.

Gewählt werden zehn der 15 Beiratsmitglieder. Für fünf Sitze benennen die Fraktionen des Kreistags Vertreter. 15 Kandidaten haben sich zur Wahl gestellt. Abgestimmt werden kann nur per Briefwahl. Wahlberechtigt sind alle Männer und Frauen ab 16 Jahre, die im Landkreis Bad Dürkheim leben und keine deutsche oder die doppelte Staatsbürgerschaft haben, sowie Bürger des Landkreises, die eingebürgert sind oder bei denen mindestens ein Elternteil Migrant ist.

„Der Beirat ist die einzige Möglichkeit der politischen Teilhabe für Menschen, die keine EU-Bürger sind“, sagt Bernd Frietsch, seit rund einem Jahr dessen Vorsitzender. Die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung sei gut und der Beirat könne einiges erreichen, betont Frietsch. Zwar stoße man immer wieder an Grenzen, weil für Migranten Bundesgesetze gelten, die der Kreis nicht ändern könne, aber der Beirat könne versuchen Einfluss darauf zu nehmen, wie der Kreis diese Bundesgesetze umsetzt.

Für die Wahl zum Beirat konnten Wahllisten aufgestellt werden und Einzelbewerber antreten. Im Kreis hätten sich ausschließlich Einzelbewerber gemeldet, berichtet Frietsch. Viele bisherige Mitglieder standen vor allem aus privaten Gründen nicht mehr zur Verfügung.

„Möchte etwas zurückgeben“

Anna Breier, eine der stellvertretenden Vorsitzenden des Beirats, habe ihn gefragt, ob er kandidieren möchte, berichtet Ziad Obaid, der in Wachenheim wohnt. Der Syrer möchte dazu beitragen, dass Migranten „die Regelungen in Deutschland besser verstehen“. „Ich möchte von dem, was ich an Unterstützung bekommen habe, etwas zurückgeben“, sagt Bashir Mohammadi aus Mertesheim. Der Afghane lebt seit sieben Jahren in Deutschland, hat eine Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker absolviert und macht nun seinen Meister. Der Beirat könne ein Bindeglied zwischen Migranten und Behörden sein und bei Problemen vermitteln, so Mohammadi.

Leyla Mohammadi, die in Grünstadt wohnt, will sich vor allem für Migrantinnen einsetzen. In ihrem Heimatland Afghanistan hätten Frauen keine Rechte, bei vielen Familien setze sich das in Deutschland fort. „Ich möchte die Frauen stärken und unterstützen, aber die Männer wollen das nicht“, so Mohammadi. Auch für Kinder sei es wichtig, dass die Mütter deutsch sprechen und ihre Rechte kennen.

Die in Bad Dürkheim lebende Anna Breier kandidiert erneut für den Beirat. Sie habe in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, „ein umfangreiches Netzwerk mit mehrsprachigen Personen aufzubauen“, so Breier. Durch ihre Tätigkeit als Deutschlehrerin in den Integrationskursen der Kreisvolkshochschule habe sie viele Kontakte zu Flüchtlingen und Migranten, kenne deren Probleme und könne Kontakte, etwa zu Behörden, Schulen oder Kindergärten herstellen.

„Flüchtlingen eine Stimme geben“

Silke Stevermuer ist Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Freinsheim. In dieser Funktion habe sie immer wieder Kontakt zu Frietsch und dem Beirat gehabt und „dessen Arbeit kennen- und schätzen gelernt“. Sie wolle diese Arbeit unterstützen und dazu beitragen, „den Flüchtlingen eine Stimme zu geben, so dass ihre Vorstellungen und Probleme bei Politikern gehört werden“.

Der Beirat sei eine Möglichkeit „an der man etwas Einfluss nehmen kann und Informationen bekommt, was von den Behörden geplant ist“, sagt die Erpolzheimerin Andrea Scheuermann, die ebenfalls in der Flüchtlingshilfe Freinsheim aktiv ist.

Wähler können ihre Stimmzettel per Post zur Kreisverwaltung schicken oder dort abgeben. Am Sonntag ist die Kreisverwaltung von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Wähler könnten auch bis 16 Uhr ihre Stimmzettel in den Briefkasten der Kreisverwaltung werfen, so Sina Müller, Sprecherin des Kreises.

Die Kandidaten

Hannan Abdalo (Grünstadt, Syrer), Nour Mohammad Abido (Grünstadt, Syrer), Anna Breier (Bad Dürkheim, Deutsche), Solange Buch (Neuleiningen, Ruanda), Etienne Farge (Grünstadt, Franzose und Deutscher), Bernd Frietsch (Kleinkarlbach, Deutscher), Hussam Helal (Freinsheim, Syrer), Bashir Mohammadi (Mertesheim, Afghane), Leyla Mohammadi (Grünstadt, Afghanin), Ziad Obaid (Wachenheim, Syrer), Ali Sahingöz (Grünstadt, Türke), Andrea Scheuermann (Erpolzheim, Deutsche), (Silke Stevermuer, Freinsheim, Deutsche), Inci Uzun (Haßloch, Deutsche), Mehmet Yildiz (Weisenheim am Berg, Deutscher)

x