Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kreis Bad Dürkheim: Bagger rollen an für Breitbandausbau

Sind die besonders schlecht versorgten „Weißen Flecken“ im Landkreis ans schnelle Internet angeschlossen, sollen danach in einem
Sind die besonders schlecht versorgten »Weißen Flecken« im Landkreis ans schnelle Internet angeschlossen, sollen danach in einem Folgeprojekt auch die »Grauen Flecken« folgen. Wann ist allerdings noch unklar.

Der erste Spatenstich für den Breitbandausbau ist für Donnerstag, 23. Juli, geplant. Darüber hat Raimund Rinder, beim Kreis zuständig für die Koordination des Breitband-Projekts, den Kreistag am Mittwoch informiert. Wegen der Corona-Pandemie tagte das Gremium in der Halle des Werner-Heisenberg-Gymnasiums.

Die CDU-Kreistagsfraktion hatte in einem Antrag um den aktuellen Sachstand in Sachen Breitbandausbau gebeten, da die Corona-Krise „uns nochmals drastisch vor Augen geführt hat, wie dringend notwendig eine gut ausgebaute Breitband-Infrastruktur ist“. Rinder legte dar, wie es um das größte Infrastrukturprojekt des Landkreises mit einem von Bund und Land geförderten Investitionsvolumen von 50 Millionen Euro und Anschlussprojekten derzeit steht.

Im großen Projekt, dem sogenannten Kreiscluster, sollen 9000 Adressen mit 11.000 Haushalten, die aktuell eine Datengeschwindigkeit von weniger als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) haben, auf ein Gigabit, also 1000 Megabit pro Sekunde ausgebaut werden. Den Zuschlag dafür hat das saarländische Telekommunikationsunternehmen Inexio bekommen. Im Norden des Kreises übernimmt im Auftrag von Inexio die Firma Deutsche Netz aus Spelle die Tiefbauarbeiten, im Süden Fiber Works aus Mannheim. Der erste Spatenstich ist in Lindenberg mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) geplant. Da es aber drei Ausbaubereiche gibt, sind laut Rinder drei Spatenstiche vorgesehen.

Bis zu 15 Bautrupps unterwegs

Wann genau wo mit dem Bau begonnen werden kann, hängt noch von der Feinplanung ab. Die Tiefbauunternehmen sehen sich derzeit die Gegebenheiten vor Ort an. Da die geplanten Trassen Bahnstrecken, Bundesstraßen und Gewässer kreuzen, müssen auch die Deutsche Bahn, der Landesbetrieb Mobilität (LBM) und die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) mit ins Boot. „Je nach dem wird in den Gemeinden in einem Zeitraum zwischen jetzt und Mitte nächsten Jahres mit den Bauarbeiten begonnen“, erklärt Rinder. Gleichzeitig sind dann zwischen zehn und 15 Bautrupps unterwegs, um die Glasfaserkabel zu verlegen.

Zum geförderten Cluster kommen noch eigenwirtschaftliche Ausbauprojekte von Inexio sowie der Deutschen Glasfaser (DGF), mit der Inexio vor Kurzem fusioniert ist. Beim eigenwirtschaftlichen Ausbau hatte es im Leiningerland Verwirrungen gegeben, ob nun die DGF oder Inexio Vertragspartner werde. Das hat unternehmensinterne Gründe, die jedoch die im Cluster geförderten Adresse nicht betreffen. Inexio-Sprecher Thomas Schommer betont dazu: „Inexio hat die Ausschreibung gewonnen, Inexio baut aus, die Menschen machen Verträge mit Inexio.“ Auch wenn nicht auszuschließen sei, dass sich innerhalb des neu fusionierten Unternehmens noch Strukturen ändern.

Ebenfalls mit der schnellen Datenleitung versorgt werden sollen alle Schulen des Kreises, was mit dem Clusterausbau erledigt wird. Auch Gewerbegebiete werden unter bestimmten Bedingungen erschlossen. Diese liegen im Dürkheimer Bruch und in Hardenburg sowie in Hettenleidelheim, Quirnheim, Weisenheim am Sand und Weisenheim am Berg. Die Ausschreibung soll laut Rinder nächste Woche starten, Ziel ist es, die Arbeiten Ende 2022 abgeschlossen zu haben.

Nach den „weißen“ kommen die „grauen“ Flecken

Nach dem Kreiscluster steht das nächste Großprojekt an: Nachdem die „Weißen Flecken“ mit weniger als 30 Mbit/s ans schnelle Netz gebracht wurden, sollen nun auch Bereiche, die aktuell mit mehr als 30 Mbit versorgt sind gigabitfähig werden – die „Grauen Flecken“ entlang der Datenautobahn, sozusagen. Das heißt, der flächendeckende Gigabit-Ausbau bis Ende 2025 ist Ziel des Bundes, der sich aber noch mit der Europäischen Union auseinandersetzen muss. Denn die will einen vom Bund abgelehnten Zwischenschritt mit 30 bis 100 Mbit/s als Ausbauprojekt. Markus Wolf (CDU) betonte, man sei mit dem Kreiscluster „auf dem richtigen Weg“, müsse dann aber die weiteren Schritte mit dem Ausbau der „Grauen Flecken“ gehen. Gerade Corona habe mit Homeoffice und Homeschooling gezeigt, wie wichtig dieses Infrastrukturprojekt sei.

Diskutiert wurde im Gremium über die Information der Bürger und Gemeinden. Johannes Stähly (FWG) kritisierte, dass die Gemeinden Rücklagen für den Ausbau gebildet hätten, „aber nicht wissen, wie es weitergeht“. Laut Rinder seien die Verbandsgemeinden unter anderem auch über Bauzeitpläne informiert worden. Es werde versucht, die Bürger rund vier Wochen vor Baubeginn zu benachrichtigen.

Eigentlich hätte einer Postwurfsendung von Inexio an alle Haushalte, die wohl für Verwirrung gesorgt hat, noch ein persönliches Anschreiben an alle A-Adressen, die gefördert ausgebaut werden, und B-Adressen, die an der Ausbautrasse liegen und deshalb auch günstig an die schnelle Leitung kommen können, folgen sollen. Das ist laut Rinder noch nicht erfolgt, soll aber schnellstmöglich nachgeholt werden. Laut Inexio habe man im Leiningerland zunächst die Pläne von Inexio und DGF intern abgestimmt, um Dopplungen zu vermeiden. Das sorgte mit für die Verzögerung. „Das Anschreiben soll nächste Woche raus“, betont Rinder.

Um einen möglichst reibungslosen Arbeitsablauf zu gewährleisten, ist es wichtig, dass Eigentümer einem sogenannten Hausanschlussvertrag zustimmen. Nur dann dürfen die Bauarbeiter auf dem Grundstück arbeiten. „Hier gab es bisher sehr wenig Rückmeldungen“, sagte Rinder. Das soll sich mit dem Brief und dem startenden Direktvertrieb von Inexio bessern. Zudem soll es webbasierte und sobald Corona es erlaubt vor Ort in den Gemeinden Informationsveranstaltungen geben.

Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) betonte, Inexio arbeite zwar eigenverantwortlich, wenn es aber Probleme gebe, werden Beschwerden gesammelt und auch mit Inexio besprochen. Zudem soll es so einfach wie möglich gemacht werden, dass Bürger an Informationen rund um den Breitbandausbau kommen.

Im Netz

Infos rund um den Breitbandausbau stehen unter www.kreis-bad-duerkheim.de/kv_bad_duerkheim/Landkreis/Breitbandausbau; www.inexio.net/bad-duerkheim.

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