Bad Dürkheim Konzert als Jubiläumsgeschenk

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Wachenheims Partnerstadt Schwetzingen hatte sich zum Stadtjubiläum etwas Besonderes ausgedacht: Sie schenkte Wachenheim ein Festkonzert mit dem Ensemble „Between the Times“. Das stellte am Samstagabend in der Wachenheimer Ludwigskapelle unter dem Titel „Octagon“ spielerisch und voller Experimentierfreude eine interessante Verbindung zwischen der Musik des Mittelalters und modernem Jazz vor und wurde dafür mit viel Applaus bedacht.

Organisiert hatte diesen außergewöhnlichen Abend der Kulturverein Wachenheim. Der Name „Octagon“ erinnert an die Zeit des Staufers Friedrich II., der im 13. Jahrhundert unter anderem in Apulien das „Castel del Monte“ mit achteckigem Grundriss erbauen ließ. Diese architektonische Meisterleistung regt die Fantasie ebenso an wie die Musik des Mittelalters. Wie sie wirklich geklungen hat, ist nicht sicher nachzuvollziehen. Doch so, wie das Duo „Between the Times“ mit dem Schwetzinger Jazz-Saxophonisten Knut Rössler und dem Heidelberger Lautenisten Johannes Vogt sie interpretiert, könnte sie geklungen haben. Ihre musikalische Spurensuche ist aber keine bloße Reise in die Vergangenheit. Die Musiker verbinden das Alte gekonnt mit dem Neuen, kombinieren herkömmliche, meist aus dem Orient stammende Tonfolgen mit modernem Jazz. Das ergibt eine Mischung, die den Zuhörern, die reinen „Wohlklang“ und Harmonien erwarten, anfangs durchaus befremdlich erscheinen mag, auch „etwas abgehoben“, „sehr elegisch“ oder „elitär“. Das Wohlgefallen an dieser Art der Musik steigerte sich freilich, gemessen am Beifall, von Stück zu Stück. Einen wichtigen Anteil daran hatte die Sopranistin Constanze Backes mit Gesangsvorträgen. Sie ist eine Meisterin der alten Musik und strahlt ihre Liebe und Begeisterung dafür in vielen kleinen Gesten, ihrer Mimik und vor allem ihrer klaren, sehr wandlungsfähigen Stimme aus. Es war schon ein Genuss ihr zuzuhören, als sie vor den Gesangsdarbietungen die Inhalte der Lieder mit ihren mittelhochdeutschen, altfranzösischen, katalanischen und lateinischen Texten, erläuterte. Eben diese Kombination aus Stimme, der Laute als Begleiterin und dem Saxophon als, zumindest bei einigen der Lieder, zweiter „Gesangsstimme“ machte den Reiz und Zauber dieser Musik aus. Dabei kann Johannes Vogt die Laute wie im Barock auch als Generalbass erklingen lassen, für den modernen Part sorgte Knut Rössler - sensibel und facettenreich mit strahlend hellen, aber auch heiseren und rauen Tönen, die zum Teil so leise klangen wie Blätter im Wind. So vielfältig wie die Klänge sind die Themen der Lieder. Da klagt ein Mädchen darüber, dass der Ritter sie hat sitzenlassen – mit zwei Kindern und ein paar Dublonen. Immer wieder ist die Liebe des Sängers zu einer für ihn unerreichbaren Dame Gegenstand des Minnegesangs. Und wo sie denn einmal zu einem Stelldichein bereit wäre, wissen die Neider oder „Kläffer“ das zu verhindern. Auch die Frauen leiden unter Sehnsucht und unerfüllter Liebe, so wie die okzitanische Gräfin und „Troubairitz“, das bedeutet Minnedichterin Beatriz de Dia in ihrem Lied „A chantar“. Der deutsche Minnesänger Walther von der Vogelweide bittet in seinem „König-Friedrich-Ton“ den König eindringlich um ein Lehen, das ihm ein Auskommen im Alter sichern soll. Hildegard von Bingens „Caritas abundat in omnia“ ist eine ausdrucksstarke Interpretation der sakralen Musik. Ein sehnsuchtsvoller Brief von Isolde an Tristan dagegen trägt schon opernhafte Züge und leitet mit einem schönen, von der Laute begleiteten Liebesduett aus Claudio Monteverdis „Die Krönung der Poppea“ über zum Beginn des Barocks. Die Poppea sang Constanze Backes, den Part des Nero übernahm das Saxophon. |hjm

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