Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchenchöre und Kammerorchester aus Bad Dürkheim als Kulturbotschafter in Partnerstadt Paray-le-Monial

Höhepunkt der viertägigen Reise war das Konzert von Kammerorchester, Kirchenchor an St. Ludwig und Kantorei an der Schlosskirche
Höhepunkt der viertägigen Reise war das Konzert von Kammerorchester, Kirchenchor an St. Ludwig und Kantorei an der Schlosskirche mit dem gastgebenden Ensemble »Vocal de Paray« im Congress- und Kulturzentrum in Paray. Hier auf dem Foto dirigiert Guy Cousin die Messe Nr. 2 in G-Dur von Franz Schubert.

Ordentlich neuen Schwung haben rund 60 Bad Dürkheimer Chor- und Orchestermusiker der deutsch-französische Freundschaft bei ihrer viertägigen Konzertreise nach Paray-le-Monial gegeben, die schon für 2020 geplant war, aber aus naheliegenden Gründen verschoben werden musste. Besonders mit einem gemeinsamen Auftritt von Kammerorchester, Kirchenchor an St. Ludwig und Kantorei an der Schlosskirche mit dem gastgebenden Ensemble „Vocal de Paray“ setzten die Pfälzer in der burgundischen Partnerstadt kulturelle Akzente.

Der zu einem voluminösen Klangkörper vereinte deutsch-französische Chor plus Orchester mit einem Großaufgebot von 90 Mitwirkenden auf der Bühne wurde für die rund 400 Besucher im Congress- und Kulturzentrum in Paray zu einem eindrucksvollen Erlebnis, bei dem die Faszination und verbindende Kraft der Musik deutlich zu spüren waren. Von Kommunikationsproblemen keine Spur, plötzlich gab es nur noch eine Sprache. Und die hatte unendlich viele Facetten und Ausdrucksformen.

Drei Dirigenten im Wechsel

Gleich drei Dirigenten wechselten sich am Pult ab: Bezirkskantorin Charlotte Noreiks und Chorleiter Michael Orth – auch als Vertreter der verhinderten Gabriele Weiß-Wehmeyer, Chefin des Kammerorchesters und unermüdliche Triebfeder des Kulturaustauschs – sowie Guy Cousin, der betont locker und mit französischem Charme die Fäden zusammenhielt. Das bestens harmonierende Trio hatte die hochmotivierten Ensembles mit viel Geduld und Detailarbeit auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet. Die täglich mehrstündigen intensiven Proben trugen deutlich hörbar Früchte.

Einen Auftakt nach Maß erwischte das diszipliniert und gut disponierte Kammerorchester bei der Sinfonie in Es-Dur von Johann Christian Bach (1735-1782). Dezente Hörnereinwürfe im ersten Satz kontrastierten mit munteren Läufen im Andante und dynamischen Steigerungen im Allegro assai. Vom Hochbarock war der Sprung zur britischen Postmoderne und John Rutter (Jahrgang 1945) nicht weit. Den Chören aus der Kurstadt gelang es, die eingängig-sakralen Melodiebögen von „Look at the World“ und „A Clare Benediction“ gefühlvoll zu gestalten.

Stilistisch sehr breit aufgestellt waren die Beiträge der französischen Choristen. Nach dem munteren A-capella-Vortrag des Spirituals „Let my people go“ stellten sie sich bei dem vierstimmigen Madrigal von Gabriel Fauré (1845-1924) einer bravourös gemeisterten gesanglichen Herausforderung. Innig und mit Herzblut intonierten sie die große Motette „Dominus Regnavit“ von Jean-Joseph Cassanéa de Mondonville (1711-1772), einem bedeutenden Vertreter geistlicher Tonschöpfungen.

„Grand enthousiasme“ im Saal

Auch solistisch hatte das Programm einiges zu bieten. Beim Oboenkonzert in d-Moll von Alessandro Marcello (1673-1747) durfte Sabine Oepen – aufmerksam begleitet vom Kammerorchester Bad Dürkheim – ihre virtuosen Tugenden und makellosen technischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Mit lauten Bravorufen wurde ihre künstlerische Leistung honoriert. Nicht minder überzeugend präsentierte sich die Sopranistin Mila Küssner mit den romantisch anmutenden Kunstliedern „An die Musik“ und „Seligkeit“ von Franz Schubert (1797-1828).

Bleiben wir bei dem österreichischen Meister und seiner im Jahre 1815 entstandenen Messe Nr. 2 in G-Dur, einem der heute meistaufgeführten kirchenmusikalischen Werke. Die überwiegend homophon und liedhaft gesetzte Komposition schien den Instrumentalisten und Vokalensembles, die von den Solisten Mila Küssner (Sopran), Michael Orth (Tenor) und Alexander von Massow (Bass) unterstützt wurden, wie auf den Leib geschrieben. Mit majestätischem Impetus erklang das Gloria, kraftvoll das als Kanon angelegte Benedictus, strahlend das Ossana-Fugato.

Mit „grand enthousiasme“ lässt sich die Stimmung im Saal am treffendsten beschreiben. Und bei dem als Zugabe gespielten „Amazing Grace“ – unterlegt mit einem anrührenden Oboensolo – ging es nicht ohne Gänsehaut ab. Die deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion machte allen Beteiligten Lust auf mehr. Spätestens in drei Jahren, wenn das 60-jährige Bestehen der Jumelage gefeiert wird, könnte es ein Da capo in Bad Dürkheim geben. Die Vorfreude war beim herzlichen Abschied von den Franzosen, die sich als Gastgeber mächtig ins Zeug gelegt hatten, bereits zu spüren.

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