Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchen: Wärmende Sitzpolster für die Gläubigen

Pfarrerin Julia Heller und Jürgen Bohl testen die sensorgesteuerten Heizkissen in der protestantischen Kirche in Wachenheim.
Pfarrerin Julia Heller und Jürgen Bohl testen die sensorgesteuerten Heizkissen in der protestantischen Kirche in Wachenheim.

Die Energiekrise wirkt sich auch auf die Gottesdienste in der Region aus. Denn die großen Innenräume der Kirchengebäude zu heizen, verschlingt Unmengen an Energie und kostet inzwischen viel Geld. Wir haben uns umgehört, wie die Verantwortlichen damit umgehen und welche Lösungen sie entwickelt haben.

Die hohen Energiekosten zwingen nahezu jeden dazu, darüber nachzudenken, wie er Energie einsparen kann, beispielsweise – jetzt im Winter der größte Brocken - beim Heizen. Um die großen, hohen Räume einer Kirche warm zu bekommen, muss viel Energie eingesetzt werden. Doch wie gehen die Kirchengemeinden damit um?

Das Thema hat die Verantwortlichen in Wachenheim in den letzten Wochen ordentlich auf Trab gehalten. Die protestantische Kirche in Wachenheim wurde bislang mit einer gasbetriebenen Umluftheizung gewärmt. „ Wir müssen einen 16 Meter hohen Raum beheizen, das ist jetzt viel zu teuer“, macht Pfarrerin Julia Heller deutlich.

Der monatliche Abschlag habe zuletzt bei 1000 Euro gelegen. Das habe allerdings am veränderten Heizverhalten wegen Corona gelegen. Einmal hochheizen – so hat es die Gemeinde überschlagen – kostete über 400 Euro. Und das war noch mit dem alten Gaspreis gerechnet.

Wärme von unten

So hat man sich, im ständigen Austausch mit der Landeskirche, dazu entschlossen, „richtig viel Geld“ – nämlich 35.000 Euro – in die Hand zu nehmen und elektrisch betriebene Heizsitzpolster anzuschaffen. Sie wurden gerade angeschlossen und bringen die Wärme direkt zu den Menschen. Ein Sensor steuert, dass auch nur die Polster beheizt werden, auf denen jemand sitzt. Die Kirche kalt zu lassen, war „keine Option“, so Heller.

Die neue Art, den Menschen in der Kirche Wärme zu spenden, reduziert die Kosten für eine Stunde Heizen auf sechs Euro. Von der Stadt Wachenheim bezieht man mit Blick auf die Nachhaltigkeit „grünen Strom“. Dann gibt es in Wachenheim noch die Tradition der Winterkirche. Im Januar/Februar rücken die Gläubigen zusammen und ziehen für Gottesdienste ins kleinere Gemeindehaus um, das spart ebenfalls Heizenergie. Die Kirche als Raum für persönliche Andacht bleibe weiterhin geöffnet, so die Pfarrerin. Für die neue Heizung bittet man jetzt um Spenden. Von den Landfrauen kam die erste: 500 Euro.

„Einfacher Kniff“ im Pfarrhaus

Die protestantische Kirche in Freinsheim hat laut Pfarrer Martin Christoph Palm seit ihrer technischen Sanierung vor vier Jahren bereits eine solche Sitzpolsterheizung, und zwar in Ergänzung der vorhandenen energieintensiven Warmluftheizung. Mit ihr wird die Raumtemperatur in der Kirche beständig auf zehn Grad gehalten, ergänzt bei den Gottesdiensten durch die Wärme spendenden Sitzpolster. „Damit sind wir bisher ganz gut durchgekommen, sagt Pfarrer Palm. Vor der Sitzpolsterheizung habe man die Kirche auf 18 Grad aufgeheizt, die Besucher hätten in der zugigen Kirche trotzdem gefroren. Das Gemeindehaus und das Pfarrhaus werden auf 19 Grad erwärmt. Mit einem einfachen Kniff habe man die Heizkosten im Pfarrhaus halbiert, indem das Wasser einmal am Tag für eine Stunde erwärmt wird. Die Familie sei darauf eingestellt und halte sich daran, so Palm.

Vom Bistum Speyer kommt die Empfehlung, maximal eine Kirche pro Pfarrei zum Gottesdienst zu heizen, möglichst viele Veranstaltungen hier zu konzentrieren und die Temperatur dabei auf elf bis zwölf Grad zu begrenzen. Wenig oder nicht genutzte Kirchen sollen regelmäßig kontrolliert werden, um Schäden auszuschließen. Grundsätzlich seien Energie und Nachhaltigkeit Themen, die die Verantwortlichen in den Gremien sehr beschäftigen erklärt Pfarrer Thomas Diener von der Pfarrei Hl. Theresia vom Kinde Jesu in Bad Dürkheim, zu der acht Gemeinden gehören. Das wird im Moment vor allem durch niedrigere Temperaturen in den Kirchen, den Büros und den Pfarrheimen deutlich. Man bittet die Gottesdienstbesucher, sich auf niedrigere Raumtemperaturen einzustellen und entsprechend anzuziehen. Einige Gemeinden stellen in den Kirchen Decken zur Verfügung. In Weisenheim am Sand liegen Angebote vor, die Heizung durch Fernbedienung und zeitlich planbare Heizzeiten energiesparend einzustellen. Bei allen Überlegungen zum Energiesparen machen die Orgeln in den Kirchen Sorgen. Denn sie sollen nicht allzu großen Energieschwankungen ausgesetzt sein, erläutert der Pfarrer.

Umzug ins Gemeindehaus

Früh im Blick gehabt hat man dieses Thema in der protestantischen Kirche Ellerstadt. Hier ist Carl-Ludwig Krüger Umweltbeauftragter. Man habe schon vor den hohen Energiepreisen nicht nur das Energiesparen im Blick gehabt, sondern auch die Senkung der Emissionen, so Krüger. Deswegen installierte man in der Ellerstadter Kirche die wenig Strom verbrauchende Sitzkissenheizung, bevor die hohen Energiepreise einen solchen Schritt nahelegten. Zwei Euro kostet der Betrieb der Sitzkissenheizung pro Stunde. Im Moment ist die Grundtemperatur in der Kirche auf sieben Grad eingestellt.

Ab dem neuen Jahr bis Palmsonntag zieht die Winterkirche ins Gemeindehaus um, das seit vergangenem Jahr eine Wärmepumpe hat. „Wir sind energetisch auf dem neuesten Stand“, ist Krüger stolz. In Friedelsheim und Ellerstadt werden die herkömmlichen Sitzbankheizungen etwa eine halbe Stunde vor einem Gottesdienst angefahren auf maximal 16 Grad, sagt Pfarrer Simon Krug. „So kleine Kirchen haben nicht so einfach das Geld, eine neue Heizung anzuschaffen“, sagt der für die drei Gemeinden zuständige Pfarrer.

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