Bad Dürkheim
Kinder-Kunst-Parcours: Probelauf mit kleinen Experten
Das mit „Kinder-Kunst-Parcours“ überschriebene Heft hat Valentina Jaffé in enger Abstimmung mit den Lions gestaltet. Die aus Bad Dürkheim stammende 30-jährige Künstlerin probiert den kulturellen Führer heute mit acht Hortkindern, Hortleiterin Jutta Heim und Betreuerin Thea Schug aus. Für den Lions Club sind Thomas Giel und Matthias Denhoff dabei.
Die Idee entstand vor etwa sieben Jahren, als die Kinder von Giel, Grünen-Stadtratsmitglied und Präsident des Lions Clubs Bad Dürkheim, selbst Hortkinder waren. Der Plan reifte und wurde nun mit Jaffé und den Lions in die Tat umgesetzt. Es freut Giel deshalb umso mehr, dass es nun ausgerechnet die Hortkinder sind, die mit der Künstlerin auf Tour gehen.
Das Suchbild löst munteres Gewusel aus
Zehn Kunstwerke warten im Kinder-Kunst-Parcours darauf, erkundet zu werden. Zu jedem gibt es Fragen und kleine, oft spielerisch umzusetzende Aufgaben – weil Kunst eben viel mehr ist als nur Hinsehen. „Ich wollte verschiedene Kunstwerke zeigen, Statuen, Brunnen, Wandbild“, verrät Jaffé. Und wo könnte ein solcher Weg besser starten als am Wurstmarkt-Brunnen? „Laufe auf dem Rand des Brunnens entlang“, fordert der Kinder-Kunst-Parcours auf oder fragt: „Wie viele Figuren zählst du?“ Und mit einem Suchbild geht ein munteres Gewusel um den plätschernden Brunnen los, bis die Fotos aus dem Heft gefunden sind.
Wenig später schlendern Kinder, Künstlerin & Co. fröhlich plappernd durch den Kurpark bis zum Windspiel. An dem lässt sich bestens erklären, was kinetische Kunst ist: Kunst, die sich bewegt. Was es wohl mit den Farben – Gelb und Blau – der Windräder auf sich hat? „Sonne und Himmel“ rufen die Kinder und dürfen danach Teil des Kunstwerks werden. Jedes soll sich eines der vielen Rädchen aussuchen, die sich mal langsamer, mal schneller im Wind bewegen – und sich dann in dem Tempo im Kreis drehen. Zum Glück ist es nicht so windig, schwindelig wird also keinem. Aber gelacht wird dabei viel, bevor es weitergeht zum Summstein, in dessen Ausbuchtungen sich Schall beim Summen und Brummen auf bemerkenswerte Art verfängt.
Die komplette Tour in den Herbstferien
Vorbei am „Winzer“ führt der Weg zum abstrakten Kunstwerk der Nymphe an der Isenach, die zuerst durch ihr ausladendes Hinterteil auf sich aufmerksam macht, der aber dann sogar ein Gedicht gewidmet wird, bei dem die Kinder Assoziationen zur Nymphe in den Raum werfen, mit einem „Vielleicht“ davor oder danach.
„Kunst in ihrer Vielfalt erforschen“, das ist es, was Valentina Jaffé mit dem Kinder-Kunst-Parcours möchte. Sie beantwortet geduldig alle Fragen, fängt die Neun- und Zehnjährigen verbal wieder ein, wenn sie abgelenkt sind. Hortleiterin Jutta Heim sieht zufrieden zu und versichert: „Ich finde es großartig, dass das Projekt jetzt Wirklichkeit geworden ist. Es ermöglicht den Kindern ein eigenständiges Erkunden von Kunst.“ Eine größere Gruppe der Hortkinder wird in den Herbstferien den ganzen Rundweg ablaufen, von dem heute nur einige Stationen auf dem Testplan standen.
400 Exemplare des Hefts gedruckt
An denen hatten die Kids aber ihren Spaß. „Wir haben Kunst gesehen und nicht nur ,schön!’ gesagt, sondern sie uns genau angeschaut“, erzählt Aaron, was ihm gefallen hat. Nicolas fand „es cool, dass wir nicht nur vorbeigelaufen sind, sondern hingesehen haben“. Auch Kerim und Oliver sind sich einig, dass das ein schöner Ausflug war. Jara haben auch die Orte an sich gut gefallen, an denen die Kunstwerke standen.
Im Rathaus freute man sich über die Initiative der Lions. „Damit können wir Kindern zeigen, was es in Bad Dürkheim alles gibt. Es bringt Kinder und Kunst zusammen“, sagte Bürgermeister Christoph Glogger (SPD). Und der aktuelle Kinder-Kunst-Parcours bleibt möglicherweise nicht der letzte, verrät Christian Handrich, Leiter des Kulturbüros. Es gibt unter anderem Ideen, eine eigene Ausgabe für das Stadtmuseum zu erstellen.
Geht es nach Giel, soll am liebsten jeder Grundschüler in Bad Dürkheim einmal den Kinder-Kunst-Parcours absolviert haben. 400 Exemplare sind bereits verteilt worden, zukünftig soll es ihn auch bei der Tourist-Info geben. Das Heft ist zudem digital abrufbar. In gedruckter Form hat es aber den großen Vorteil, dass man reinschreiben, drin herummalen und es selbst gestalten kann. Sozusagen Kinder-Kunst im Kinder-Kunst-Parcours.