Bad Dürkheim
Keine Kultur-Euphorie nach Corona-Lockerungen
„Wir sind von der Entwicklung etwas überrumpelt worden“, gesteht Felix Hammann, einer der Aktiven des Badehaisel-Vereins. Zwar war auf dem Gelände des Badehaisels beim Wachenheimer Burgtalweiher am vergangenen Samstag das erste Konzert in diesem Jahr. „Aber ansonsten stehen noch keine Termine fest“, sagt Hammann. Ein Programm mit hochkarätigen Künstlern, wie man es von dem Verein kennt, wird es im zweiten Pandemie-Jahr nicht geben.
„Wir fahren auf Sicht“, sagt Hammann, denn niemand wisse, wie es mit der Pandemie weitergeht. Im Badehaisel werden auf absehbare Zeit keine Veranstaltungen möglich sein. „Nach den derzeitigen Regeln dürften zu einem Konzert nur etwa 15 Besucher kommen“, sagt Hammann.
In den nächsten Wochen sind einige Veranstaltungen im Freien geplant. „Wir werden uns dabei auf regionale Künstler beschränken“, sagt Hammann. Unter den derzeitigen Bedingungen könne man keine Künstler verpflichten, die von weit her kommen. Man wolle ihnen nicht kurzfristig absagen müssen, wenn wieder Einschränkungen kommen sollten. Ein mittel- oder gar langfristiges Programm werde vorläufig nicht geplant, sagt Hammann.
Losgehen soll es wieder mit der Offenen Bühne, bei der inzwischen vor allem Jazz gespielt wird. Der hat schließlich im Badehaisel eine lange Tradition. Die Offene Bühne soll wieder am zweiten und vierten Mittwoch des Monats sein.
Kukie: Mal sehen, was möglich ist
Wie schon im vergangenen Sommer wird außerdem am 1. Juli die traditionelle Blues-Session des Vereins Kunst und Kultur in Ellerstadt (KuKiE) im Badehaisel zu Gast sein.
„Wir haben die El Ville Bluesband für Juli wieder ins Exil geschickt“, sagt Sam Sommer, Vorsitzender von KuKiE. Die El Ville Bluesband ist eigentlich die Hausband der Weinstube Ultes, dem langjährigen Domizil von KuKiE und seit 2012 Gastgeber der monatlichen Blues-Sessions.
Wie Sommer berichtet, wollen sich die Aktiven von KuKiE in dieser Woche erstmals seit langem treffen, „um zu sehen, was möglich ist“. Viel werde es wohl nicht sein, befürchtet Sommer. Die Weinstube sei zu klein für Veranstaltungen mit Abstandsregeln „und andere Räume haben wir nicht“, bedauert Sommer.
Musikgesellschaft: Leute freuen sich
Der Bezirk Bad Dürkheim der Pfälzischen Musikgesellschaft hatte optimistisch für das ganze Jahr ein Programm geplant. Drei Konzerte mussten verschoben werden. „Wir haben gehofft, dass zumindest die Konzerte möglich sind, die wir für Sommer im Freien vorgesehen haben und das ist jetzt auch der Fall“, freut sich Gabriele Weiß-Wehmeyer, Vorsitzende des Bezirks. Nicht nur sie freut sich, „die Leute freuen sich darauf, dass wieder etwas stattfindet“, sagt die erfahrene Musikerin und Organisatorin. So sei das erste geplante Konzert bereits zur Hälfte ausverkauft. „Ba-Rock – von Bach bis Led Zeppelin“ ist der Titel eines Konzerts am 7. Juli, bei dem Musiker des Pfalztheaters spielen. Die Veranstaltung auf der Limburg ist Teil des Limburg-Sommers. Für August und September steht jeweils ein Konzert im Alten Weingut Am Maxbrunnen in Bad Dürkheim auf dem Programm. „Wir waren da im vergangenen Jahr zum ersten Mal, das kam so gut an, dass wir gedacht haben, da gehen wir im Sommer wieder hin“, sagt Weiß-Wehmeyer. Für 22. August wird zu einer „Blue-Wind-Journey“, eine Reise durch musikalische Welten, mit Musik und Worten eingeladen. Am 5. September soll musikalisch in eine „Italienische Nacht“ entführt werden. Weiß-Wehmeyer hofft, dass auch die beiden für Herbst vorgesehenen Konzerte möglich sein werden.
Derzeit bereitet sie den Karel-Kunc-Wettbewerb vor. „Der soll dieses Jahr stattfinden, das Eröffnungskonzert wird am 8. Oktober sein“, ist Weiß-Wehmeyer optimistisch.
Serenade: „Ganz optimistisch“
„Wir sind mitten in der Planung“, berichtet Eckhard Hilgemann, Vorsitzender des Freundeskreises Wachenheimer Serenade. „Im Moment sieht es ganz gut aus“, freut sich Hilgemann. Wenn es so bleibe oder vielleicht noch besser wird, wolle der Freundeskreis bis Ende des Jahres fünf Konzerte anbieten. „Ich bin ganz optimistisch, dass es klappen wird und die Konzerte möglich sind“, zeigt sich Hilgemann positiv.
Vorgesehen seien ein Konzert im Juli im Hof der Sektkellerei und ein Konzert im August im Park der Sektkellerei. Wo die weiteren Konzerte sein werden, stehe noch nicht fest. „Wir wollen unsere bisherigen Spielorte beibehalten“, sagt Hilgemann. „Wann geht es weiter“, diese Frage höre er immer wieder von Mitgliedern des Freundeskreises und von Stammbesuchern, erzählt Hilgemann.
Kulturverein: Nur kleines Programm
Der Kulturverein Wachenheim hat seine für 2021 geplanten Konzerte alle auf das kommende Jahr verschoben. Der Verein könne sich Konzerte mit bekannten Künstlern nur leisten, wenn alle Besucherplätze besetzt werden können, erklärt Martin Pfeiffer, Vorsitzender des Kulturvereins. Er glaube nicht, dass das in diesem Jahr möglich sein wird. Zudem würden die Termine von einigen dieser Konzerte bereits zum zweiten Mal verschoben, man wolle sie nicht noch öfter verschieben, denn das sei frustrierend für alle Beteiligten. Ansonsten ist für dieses Jahr nur ein kleines Programm vorgesehen. „Wir haben uns nicht getraut“, gesteht Pfeiffer. Vorgesehen seien ein Vortrag des in Wachenheim lebenden John Hutchinson über Mark Twain sowie eine Lesung, bei der aber Genaueres noch nicht feststehe. Ab 31. Oktober soll in der Ludwigskapelle eine Kunstausstellung von Atelierblau aus Worms zu sehen sein. Außerdem hofft Pfeiffer, dass die für Herbst geplante Studienreise nach Venetien mit einem Besuch des Teatro la Venice klappen wird. Der Kultur-Stammtisch des Kulturvereins, bei dem immer ein Thema im Mittelpunkt steht, wurde einige Male online abgehalten, das sei aber nur ein schwacher Ersatz gewesen, so Pfeiffer.
Im vergangenen Monat war der Stammtisch erstmals wieder „live“ im Hof der Sektkellerei. „Das Interesse war groß“, berichtet Pfeiffer. Am kommenden Freitag, 16 Uhr, ist der nächste Kultur-Stammtisch. Außerdem verschickt Pfeiffer regelmäßig Briefe mit Kunstbetrachtungen an Mitglieder.