Wachenheim / Bad Dürkheim
Kein Anstieg bei Kirchenaustritten in der Region
30 Euro kostet es in Rheinland-Pfalz, die Kirche zu verlassen. Gültig ist der Austritt dann bereits am kommenden Tag. Seit der Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens im Januar haben viele Katholiken dieses Geld gerne in die Hand genommen, um ihrer Kirche den Rücken zu kehren. Mancherorts sind gar die Termine zum Kirchenaustritt ausgebucht.
Keine Begründung notwendig
In der Region ist davon allerdings noch nicht viel zu spüren. Derzeit treten in der Verbandsgemeinde Wachenheim nicht mehr Menschen aus als sonst, teilt die Büroleiterin der Verbandsgemeinde, Ulla Kaiser, mit. 15 waren es in beiden Konfessionen in diesem Jahr, 17 im vergangenen Jahr. „Eigentlich gleich“, kommentiert Kaiser die Zahlen. „Wenige begründen den Kirchenaustritt“, sagt sie. Wer seine Religionsgemeinschaft verlassen will, der muss zwar persönlich vorsprechen, aber keine Begründung liefern.
Kirchenmitglieder nehmen übrigens nicht nur wegen Skandalen den Hut. Laut Kaiser treten um den Jahreswechsel tendenziell mehr Menschen aus als sonst. Denn um diese Zeit wird vielen bewusst, was sie an Kirchensteuern zahlen.
Keine Auffälligkeiten nach Alter und Geschlecht
Dabei seien bei den Austritten keine Auffälligkeiten nach Alter und Geschlecht zu bemerken, so Kaiser. Selbst nach Konfession ließen sich wenige Tendenzen ausmachen.
Eine große Auffälligkeit bei den Zahlen gibt es allerdings. Im Jahr 2021 sind doppelt so viele Menschen ausgetreten wie im Jahr davor. 175 Menschen verließen 2021 die beiden Kirchen: 77 wendeten sich von der katholischen und 78 von der evangelischen Kirche ab. 2020 waren lediglich 74 Menschen aus beiden Kirchen ausgetreten. Ein bundesweiter „Trend“, der sich offenbar auch in der Verbandsgemeinde Wachenheim gespiegelt hat.
29 Austritte im Januar
Direkte Reaktionen auf die neuerlichen Kirchenskandale lassen sich auch an den aktuellen Zahlen in Bad Dürkheim nicht ablesen. 29 Menschen haben im ersten Monat dieses Jahres die beiden Kirchen verlassen. 16 Menschen kehrten der katholischen, 13 der evangelischen Kirche den Rücken. Zum Vergleich: Im Januar 2021 sind laut Stadt-Pressesprecherin Petra Wurm beim Standesamt Bad Dürkheim 25 Kirchenaustritte registriert worden. In 14 Fällen handelte es sich demnach um einen Austritt aus der katholischen Kirche, in elf Fällen um einen Austritt aus der evangelischen Kirche. Das Alter spielt dabei keine Rolle, die Austritte sind auf alle Altersgruppen in etwa gleich verteilt.
Über die Verbandsgemeinde Freinsheim liegen keine Zahlen vor. Das dortige Standesamt sei wegen Corona derzeit unterbesetzt, teilt der Sprecher der VG mit.