Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Künstler-Duo schickt französische Grüße über den Burgtalweiher

Julie André und Laurent Leroi verbreiten mit musikalischen Postkartengrüßen Urlaubsstimmung.
Julie André und Laurent Leroi verbreiten mit musikalischen Postkartengrüßen Urlaubsstimmung.

Beim ersten Konzert am Wachenheimer Badehaisel nach der Coronapause zelebrierten Akkordeonist Laurent Leroi und Sängerin Julie André am Samstag beschwingte Musik vor einer malerischen Kulisse am Burgtalweiher.

Es war fast wie „früher“: Das Außengelände des Badehaisels, drumherum frühsommerliches Waldgrün, im Hintergrund der Burgtalweiher mit seiner Fontäne, war nett hergerichtet für einen entspannten Abend. Etwa 80 Besucher – erlaubt waren fünf pro Tisch – hatten es sich nach Gästelisten-Abgleich und kurzem Eincheck-Prozedere unter den weißen und blauen Sonnenschirmen gemütlich gemacht. Zum Start in die Outdoor-Saison hatten die Macher der Kulturkneipe ganz auf französisches Flair gesetzt und mit dem Ludwigshafener Akkordeonisten Laurent Leroi und Sängerin Julie André zwei gestandene Künstler verpflichtet, die mit Leidenschaft und Gefühl am Werk waren.

Die beiden lieferten den perfekten Sound zur aktuellen Situation: Lieder über Fernweh, Sehnsucht, Melancholie und die kleinen Dinge des Lebens. Leroi, gebürtiger Straßburger und ehemaliger Straßenmusiker, ist sonst als Virtuose am Knopfakkordeon in unterschiedlichen Bands aktiv. Die Zeit ohne Auftritte hat er genutzt, um sein erstes Soloalbum zu produzieren. Es trägt den Titel „Souvenirs“ und enthält Stücke, die der Künstler in 30 Jahren auf seinen Reisen gesammelt hat. Er entlockte seiner „Quetschkommod“ einmal wilde, feurige Klänge aus Brasilien, ließ die weiten Wüstenlandschaften Marokkos und Algeriens vor dem inneren Auge erstehen und steigerte sich in den Furor einer italienischen Tarantella.

Musikalische Postkartengrüße wecken Sehnsucht

Laurent Lerois musikalische Postkartengrüße aus Urlaubsländern bedienen die derzeitige Sehnsucht nach Weite und Ferne und zielen mitten ins Herz. „Das Gefühl ist das Wichtigste“, erklärt der Vollblutmusiker in der Pause und bekennt, er sei nach sieben Monaten Spielpause schon „ein bissel scheckig“ gewesen vor seinem Auftritt. Sein letztes Konzert hatte Leroi im November im Badehaisel, und so habe sich mit dem Neustart ebendort am Samstag für ihn der Kreis geschlossen.

Mit Sängerin Julie André hatte er eine kongeniale Partnerin. Die gebürtige Engländerin mit französischer Seele erlebte eine bewegte Jugend im Zirkusmilieu: Der Vater war ungarischer Artist, die Mutter eine deutsche Ballerina. Seit den 1990er-Jahren tritt die Wahl-Französin mit Interpretationen klassischer Chansons von Piaf, Gréco und Brel auf. Mit samtiger Stimme und dunklem Timbre interpretierte sie Klassiker wie „La Mer“, besang in „Sous Le Ciel De Paris“ das Flair der Metropole und nahm in „Sur La Plage“ die Zuhörer mit ins mondäne St. Tropez.

Chansons voller Leichtigkeit und Lebensfreude

Das Duo verbindet eine langjährige Zusammenarbeit. Während des Lockdowns hat Julie André einige Kompositionen Lerois mit Texten versehen. Entstanden sind dabei so originelle Stücke wie „Suomi Mon Amour“, ein finnischer Tango mit ungarischem Refrain, „Air De Vacances“, eine Hymne auf Südfrankreich, und mit „Il Est 5 Heures“ eine Hommage auf das im Morgengrauen erwachende Paris.

Leicht beschwingt und heiter bis melancholisch kommen Julie Andrés Interpretationen daher. Leidenschaft und Zartheit liegen in ihrer Stimme. Mit charmanten Plaudereien schafft sie zwischen den Liedern eine ganz besondere Atmosphäre. Kleine Geschichten mitten aus dem Leben, eingegossen in ein poetisches Universum, Chansons voller Sehnsucht, Leichtigkeit und Lebensfreude.

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