Bad Dürkheim
Küferei: Standort in Bad Dürkheim geschlossen
Aus der Küferei Gies wird „Fasswerk GmbH“: Dass Michael Gies seinen Betrieb einmal an einen seiner Mitarbeiter übergeben würde, war bereits im Sommer 2018 beschlossene Sache. „Wenn ich in Rente gehe, endet die Familienregentschaft und ich werde die Küferei an Marcus Vetter übergeben“, hatte Gies damals angekündigt.
Dieser Schritt wurde nun im Sommer vollzogen und eine über 160-jährige Familientradition endete in der fünften Generation. Der Familienbetrieb, der 1861 gegründet wurde, gehört zu Deutschlands Größten seiner Art. Die Kunden kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, vornehmlich natürlich aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, aber auch aus Kalifornien aus den USA. Mit den Böttchermeistern Michael Fleischmann (38) und Marcus Vetter (35), die beide auch ihren Betriebswirt „draufgesattelt“ haben, übernehmen zwei ehemalige Auszubildende von Michael Gies die Geschäfte.
Umzug nach Hinterweidenthal
Die lange Familientradition der Küferei Gies soll zwar fortgesetzt werden, aber aufgrund der beengten Verhältnisse in der Weinstraße Süd und der unmittelbaren Nachbarschaft zum Wohngebiet haben sich die beiden Geschäftsführer dazu entschlossen, umzuziehen. Sie haben den Firmensitz in das Industriegebiet 14 in Hinterweidenthal nahe Pirmasens verlegt. Der größte Teil des Maschinen- und Fuhrparks sowie das umfangreiche Holzlager und die Werkzeuge seien bereits auf das neue Firmengelände verlegt worden, so Gies. „Wir haben überlegt, ob der Standort in Bad Dürkheim weiter Sinn macht, denn es gab schon Klagen aus der Nachbarschaft, die sich über Geruchsbelästigungen, die Arbeit in den Abendstunden oder am Samstag beschwert haben“, sagt Michael Gies.
Letztendlich habe er keine Einwände gegen den Umzug seiner alten Firma gehabt. Auch, weil die neuen Geschäftsführer die Produktionskapazitäten erweitern wollten, was auf dem alten Gelände nicht möglich gewesen wäre. Vetter und Fleischmann könnten auf einen großen Kundenstamm zurückgreifen und die Auftragsbücher seien bereits gut gefüllt, so dass bis Anfang 2023 kaum noch freie Kapazitäten vorhanden seien, so Gies. Über die Zukunft des alten Firmengeländes in der Weinstraße Süd sei noch nicht entschieden worden. Er mache sich darüber noch Gedanken.
Sechsstelligen Betrag investiert
„Wir befinden uns ab sofort auf dem Gelände der Firma Energieholz Fleischmann, mit der wir uns auch die Sägehalle teilen“, erklärt Markus Vetter, der mit seinem Geschäftspartner bereits einen „mittleren sechsstelligen Betrag“ in das neue Unternehmen investiert hat. „Da wir weiter expandieren wollen, mussten wir den Standort in Bad Dürkheim leider aufgeben“, sagt Vetter. Dabei seien auch die Ergebnisse einer Standortanalyse der Handwerkskammer eingeflossen, die dem Standort in Bad Dürkheim auf lange Sicht keine Zukunft gegeben habe.
Für die restlichen fünf Monate des laufenden Geschäftsjahres rechnet Vetter mit einem Umsatz von 275.000 Euro. Neben der Produktion von Holzfässern aus pfälzer, schwäbischer und österreichischer Eiche in verschiedenen Größen, werde auch Fassholz verkauft. Auch „Fasswerk GmbH“ist von der derzeitigen Personalnot im Handwerk betroffen. Auch sie suchen noch ein bis zwei Mitarbeiter aus der Holzbranche, etwa Zimmerleute oder Schreiner.