Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kölner Blockflöten-Ensemble Flautando spielt bei Wachenheimer Serenaden

Etwa 30 verschiedene Flöten hatte das Kölner Ensemble mitgebracht.
Etwa 30 verschiedene Flöten hatte das Kölner Ensemble mitgebracht.

Trotz eisiger Kälte kamen am Samstagabend zahlreiche Musikliebhaber in die Protestantische Kirche in Wachenheim. Im Rahmen der Wachenheimer Serenaden stimmte das Quartett des Kölner Ensembles Flautando die Zuhörer musikalisch auf Weihnachten ein.

Auf gewärmten Bankauflagen ließ es sich gut aushalten. Eine Kirche ist erfahrungsgemäß schwer zu heizen. Die Zuhörer waren warm eingepackt, konnten aber wegen der Sitzheizung ihre Mäntel ablegen. Diesen Vorzug hatten die Musikerinnen allerdings nicht. Die vier Blockflötistinnen erschienen in Wintermänteln, mit Pulswärmern, Pelzkragen und Fellmanschetten. Beheizte Stühle gibt es auf dem Podium nicht. Klamme Finger, kalte Instrumente, in die der warme Atem fließt, erschwerten die Arbeit. Umso erstaunlicher war dieses vielseitige, hochvirtuose Konzert.

30 verschiedene Blockflöten

Flautando – damit bezeichnet man flötenähnliche Klänge – ist leicht irreführend. Denn es sind Flötentöne, die die Zuhörer zu hören bekamen, und nicht nur flötenartige. Etwa 30 Blockflöten hatte das Kölner Ensemble mitgebracht, von der kleinen Sopranino- bis zur langen, kantigen Subbassflöte. Die Instrumente waren dabei nicht einer festen Musikerin zugeordnet: die vier Frauen wechselten die Flöten nicht nur nach jedem Lied, sondern auch innerhalb der Stücke.

Mischung aus Weihnachtsliedern und Barockmusik

Susanna Borsch, Susanne Hochscheid, Ursula Thelen und Kerstin de Witt haben sich an der Kölner Musikhochschule kennengelernt. Mehr als 30 Jahre spielen sie schon zusammen. Das heißt aber nicht, dass sie durch zu viel Gewohnheit etwas ausgeleiert klingen. Ganz im Gegenteil, die vieljährige Praxis hat zu großem Erfindungsreichtum und zu Perfektion geführt. Das Programm bot eine Mischung aus Weihnachtsliedern aus Britannien, den USA und Schweden sowie Barockmusik. Concerti von Antonio Vivaldi, Arcangelo Corelli waren zu hören, aber auch eine Sinfonia von Johann Sebastian Bach.

Festgesang zu Ehren Gutenbergs

Der Titel des Konzerts „Hark, the herald angels sing“ geht auf Felix Mendelsohn Bartholdy zurück. Er hat es aber nicht, wie Susanne Hochscheid erklärte, als Weihnachtslied geschrieben, sondern es war ursprünglich ein Festgesang zu Ehren von Johannes Gutenberg, dem Erfinder der Buchdruckkunst. Bis heute ist dies eines der bekanntesten englischsprachigen Weihnachtslieder.

Wolfgang Amadeus Mozarts Variationen „Ah, vous dirai-je, Maman“ ist ebenfalls nicht als Weihnachtslied geschrieben, es ist aber eines darin zu erkennen, nämlich „Heute kommt der Weihnachtsmann“. Diese einfache Kindermelodie wurde umspielt, umrankt, durch verschiedenste Höhen und Tiefen der verschiedenen Blockflöten in unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Lautstärken geführt, dass man nur so staunen konnte. Dasselbe gilt für das ganze Konzert.

Eigenes Arrangement als Zugabe

Hinzu kommt: die Weihnachtslieder wurden nicht nur gespielt, sondern auch gesungen. Zwischendurch setzte Ursula Thelen die Blockflöte, die sie jeweils spielte, kurz ab und ließ ihren Sopran erklingen, griff dann wieder zur Flöte, oft zu einer anderen, und spielte weiter. Die Besorgnis, nur Blockflöten zu hören, könne etwas monoton werden, war bei dieser Breite des musikalischen Angebots völlig unbegründet. Das Publikum zeigte sich sehr angetan und erklatschte sich eine Zugabe.

Die Flötistinnen sind gewohnt, Stücke umzuschreiben. Literatur, die für Blockflötenquartett mit verschiedensten Flöten geschrieben ist, dürfte rar sein. Also müssen die Musikerinnen ihre Kreativität nutzen und die Musik ihren Instrumenten und Vorlieben anpassen. So war die Zugabe ein eigenes Arrangement eines mittelalterlichen Spielmannstanzes, ein Saltarello. Er stammt aus dem Italien des 14. Jahrhunderts. Der Saltarello klang etwas mittelalterlich, vielleicht ein wenig nach Folklore, dann aber wieder hochmodern – ein faszinierendes, sehr eigenwilliges Klangerlebnis.

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