Wachenheim
Jubiläum: Chefin der „Eule“ blickt auf die Anfänge zurück
„Wertschätzung für die Lebensmittel, die wir konsumieren und für diejenigen, die sie produzieren“ – das ist für Angela Stern ein wichtiges Leitmotiv und Ansporn für ihre tägliche Arbeit. Wo früher auf dem elterlichen Winzerhof noch Reben veredelt wurden, werden seit mehr als 25 Jahren gesunde Nahrungsmittel aus biologisch-dynamischem und biologisch- organischem Anbau und artgerechter Tierhaltung verkauft.
„Meine Eltern hatten damals vor, die Weinberge etwas aufzugeben und haben die Idee verwirklicht, einen Laden zu eröffnen, da meine Mutter dort bereits ein Gesundheitszentrum betrieben hat“, erinnert sich Stern. Sie selbst habe zwar einen kaufmännischen Background, habe ihrer Mutter aber immer bei den angebotenen Koch- und Backkursen im Bereich der Vollwerternährung mitgeholfen und sei so in diesen Bereich „hineingewachsen“.
Start als Aussiedlerhof
Aus dem Bewusstsein für eine gesunde Ernährung und dem Umgang mit den anderen Lebensmitteln habe man dann beschlossen, diese im eigenen Geschäft zu verkaufen. Nachdem Bruder Christian den Laden ein Jahr führte hat er die Verantwortung dann an Schwester Angela übergeben. Aufgrund des Familiennamens Euler, lag es nahe, unter dem Namen „Die Eule“ zu firmieren. „Anfänglich war es nicht so einfach, in Wachenheim Fuß zu fassen, die Kunden kamen eher von auswärts“, berichtet Stern. Die Wachenheimer seien eher skeptisch gewesen und hätten sich gefragt, was die da draußen denn machen würden. „Wir waren ja damals ein Aussiedlerhof, die jetzige Bebauung gab es noch nicht, fing aber so langsam an“, erzählt sie.
„Viel miteinander erlebt“
Jetzt befindet sich die Eule inmitten des von vielen Wachenheimern immer noch als „Neubaugebiet“ bezeichneten Stadtgebietes. Der Laden sei dann stetig gewachsen und auch von den Wachenheimern angenommen worden. „Das ist jetzt wie eine große Familie, an dem Laden hängt mein Herzblut“, gesteht Angela Stern und ergänzt, dass man zusammengewachsen sei, sich persönlich kenne und viel miteinander erlebt habe. „Erst standen da einige mit den dicken Bäuchen, später kamen dann die Kinder bei mir einkaufen“, berichtet die Geschäftsinhaberin lachend.
Das Bewusstsein für die Naturkost sei erst langsam gewachsen, jetzt aber in den Köpfen angekommen. Mit ihren drei Mitarbeiterinnen, die sie in dem 120 Quadratmeter großen Geschäft unterstützen, konnte auch der erste Lockdown im Frühjahr bewältigt werden. „Wir haben etwa zwei Monate lang einen Fahrdienst gebildet und die Ware zu den Leuten nach Hause geliefert“, so Stern.
In den vergangenen Tagen sei die Nachfrage nach Lebensmitteln deutlich gestiegen. Wegen des neuerlichen Lockdowns und der Feiertage würde mehr Menschen kochen und backen, vermutet Stern. Im Teil-Lockdown zuvor seien die Kunden etwas entspannter gewesen als im Frühjahr und hätten sich wieder mehr in den Laden getraut. Wer Bedenken hat, kann sich die Produkte hinten durch die Tür reichen lassen.
Natürliche Lebensgrundlagen erhalten
Im Laden selbst kann der Kunde aus einem breit gefächerten regionalen Obst- und Gemüseangebot von Demeter und Bioland wählen. Das Fleisch stammt in erster Linie aus Demeter-Betrieben aus Süddeutschland. Molkereiprodukte, Brot- und Backwaren, Käse, Tiefkühlkost, Trockenwaren, Wurst und Fisch, aber auch Wein und andere Getränke runden das Angebot in der Eule ab. Getreide, Waschmittel, Seife und Lotionen könne auch lose und unverpackt bezogen werden.
Für Angela Stern, die mittlerweile in Grünstadt lebt, ist es wichtig, alles dafür zu tun, die natürlichen Lebensgrundlagen für kommende Generationen zu erhalten. Wer sich mit diesem Gedanken identifizieren kann, könne auch im Laden mitarbeiten. „Wer für die Sache brennt, dafür lebt und den Job aus Überzeugung machen möchte, ist jederzeit willkommen“, erklärt die Geschäftsführerin.