Bad Dürkheim Jeden Tag eine Unfallflucht
Die Anzahl der Verkehrsunfälle in und um Bad Dürkheim steigt seit Jahren.
Wolfgang Herber ist als Kriminalbeamter ein nüchterner Zeitgenosse. Auch das Ende der Beamtenlaufbahn, das sich mit seiner letzten Präsentation der lokalen Verkehrsentwicklung ankündigt, schmückt er nicht mit raumgreifenden Erklärungen über den leichten, aber steten Anstieg der Verkehrsunfälle aus. „Es ist wie es ist“, könnte man aus seinen Worten schließen. Eine Ausnahme macht er dann aber doch: „Im März sinkt die Unfallquote regelmäßig. Vor allem an der Rotsteig oberhalb von Wachenheim“, sagt er. Nicht ohne – nun doch erklärend – anzufügen, dass wegen der Krötenwanderung die enge Straße für Fahrzeuge dann abends geschlossen sei. Wo kein Fahrzeug, da kein Unfall, so die logische Schlussfolgerung. Viel zu häufig gibt es dagegen den umgekehrten Fall: Ein Unfall, aber keine Spur vom Fahrzeug mit dem Verursacher. 364 Fahrer, also im Schnitt jeden Tag einer, flüchteten im vergangenen Jahr, nachdem sie einen Schaden verursacht hatten. Das ist „unheimlich viel“, wie der Inspektionsleiter angesichts von 1435 Unfällen insgesamt sagt. Rund 41 Prozent der Täter konnten jedoch später überführt werden. Wer in Bad Dürkheim über Schäden spricht, der spricht in der überwiegenden Anzahl der Fälle nicht von Personenschäden. 1213 Mal ging nur Blech und keine Knochen kaputt, 202 Mal (2015: 179) waren Menschen betroffen, von denen der Löwenanteil lediglich leicht verletzt war. Nur 36 Unfallbeteiligte verletzten sich schwer. Keine tiefe Schuld traf den Autofahrer, der im Januar vergangenen Jahres die Frau überfuhr, die auf der B37 zwischen Altenbacher Straße und Bruchkreuzung verwirrt und verirrt unterwegs war – abends im Dunkeln, in der Mitte der Straße. Eingeleitete Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung würden in solchen Fällen regelmäßig eingestellt, so Herber. Über den generell stetigen Anstieg der Unfallzahlen spekuliert Herber nicht. Breitere Autos, eine älter werdende Bevölkerung oder die Zunahme von Fahrassistenzsystemen könnten Erklärungen sein. Fundiert belegen lässt sich das mit den Daten der Polizei aber nicht. Klare Zahlen gibt es dafür bei den Ursachen für Unfälle: Es ist die Unterschreitung des Abstandes zum vorausfahrenden Auto und zur Seite. Alkohol war in 37 Fällen (2015: 20 Fälle) der Grund dafür, dass es geknallt hat. Bemerkenswert: Es gab nicht einen erfassten Unfall, bei dem einer der Beteiligten irgendwelche Drogen zu sich genommen hatte. 91 Mal kam es zum Unfall, weil einer der Beteiligten zu schnell gefahren ist. Dabei verletzten sich elf Beteiligte schwerer. Mit der höheren Geschwindigkeit steigt schließlich das Risiko, betont Herber. Nicht zugenommen hat die Anzahl der an Unfällen beteiligten Kinder. 19 Mal war das der Fall, nur einmal geschah das auf dem Schulweg. Anders präsentieren sich die Zahlen bei den Senioren. An 385 Unfällen waren Personen beteiligt, die älter als 65 Jahre waren. Das sind 59 Fälle mehr als im Jahr 2015. Diesen einen typischen Unfall gibt es im Bereich der Polizeiinspektion nicht. Was die Beamten aber feststellen, ist etwas, das vielleicht für die gesamte Gesellschaft gilt: „Rücksicht ist out“.