Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Jazzig, fast-rockig und mit afrikanischer Note

Markus Vollmer (gelbes Hemd) bei einem tollen Auftritt mit der Elville Blues Band
Markus Vollmer (gelbes Hemd) bei einem tollen Auftritt mit der Elville Blues Band

Der Wachenheimer Verein Badehaisel stellt sein Freigelände am Burgtalweiher bereit, die Ellerstadter Elville Blues Band liefert Musik mit einem Gastinterpreten und Publikum. Diese Abmachung hat am Donnerstag erneut bestens funktioniert. Diesmal zu Gast: der Singer-/Songwriter Markus Vollmer.

Das Programm der Musiker setzte sich aus eigenwilligen Coverversionen und selbstgeschriebenem Material von Vollmer zusammen. Die Elville Blues Band eröffnete den Abend zunächst noch alleine und groovte die Zuhörer ein wenig ein, dann erst bat das Quintett den Wahl-Mannheimer Vollmer auf die Bühne. Bei den Ellerstadtern stand diesmal neben Sängerin Marion La Marché, Gitarrist Tom Schaffert, Keyboarder Tom Karb und Schlagzeuger Sam Sommer der Bassist Claus Bubik als Ersatz für den aus familiären Gründen verhinderten Stammbassisten Michael „Bo“ Batzler auf der Bühne.

Mit „Spooky“ von Mike Sharpe und Harry Middlebrooks jr. sowie Robert Crays „Your Good Thing Is About To End“ machte die Truppe anfangs noch ihrem Namen als Bluesband alle Ehre, bevor Sängerin La Marché und ihre Mitstreiter den Gospelklassiker „Motherless Child“ mit außergewöhnlichem Arrangement und einem furiosen Schlussteil in eine mitreißende (Fast-)Rocknummer verwandelten.

Anregung aus Swasiland

Beinahe unauffällig mischte sich anschließend Vollmer unter die Musiker und bereicherte den von Claus Bubik gesungenen Lou-Reed-Hit „Walk On The Wild Side“ mit schönem Slide-Gitarrespiel. Danach aber gehörte ihm endlich die ganze Aufmerksamkeit. La Marché zog sich für eine Weile zurück und überließ ihm ihren Platz am Mikrofon. Der Gitarrist und Sänger bedankte sich mit zwei Titeln seines aktuellen Albums „Brothers Of Cintsa“, „Better Man“ und „This Man“.

Die 2019 veröffentlichte Langspielplatte hätte eigentlich nur eine Drei-Song-EP werden sollen. Als die allerdings bereits nach der Hälfte der gebuchten Studiozeit aufgenommen war, entschloss sich Vollmer, der auch als Mitglied der Band von Gregor Meyle auf sich aufmerksam macht und dem Ensemble der TV-Show „Sing meinen Song“ angehört, auf die Schnelle noch drei weitere Songideen auszufeilen und mit ein paar schon existierenden Liedern zu einem kompletten Longplayer zusammenzufügen. Die Anregung für das Titelstück holte er sich bei einem Afrikaurlaub, als er in Swasiland eine Einheimische singen hörte und ein paar Akkorde auf seiner Gitarre dazu spielte. Zu Hause entwickelte er schließlich einen Song daraus.

Auch Fremdkompositionen meisterhaft

Zu Höhepunkten seines Vortrags machte er in Wachenheim aber „A Distant Planet“ aus seiner vorherigen CD „So Far“ und das zur Akustikgitarrenbegleitung gesungene „No Lies“, das seiner Auffassung nach gerade jetzt während der Regierungszeit Trumps besondere Bedeutung hat. Zu dem US-amerikanischen Präsidenten hat er zwar kein gutes Verhältnis, gesanglich aber kommen nur wenige deutsche Singer-/Songwriter so „amerikanisch“ rüber wie Vollmer. Seine Aussprache, die abstrakte Bilder hervorrufenden Inhalte seiner Texte, die lässig verträumte Atmosphäre seiner Melodien, seine oft auf Countrybasis aufbauenden Kompositionen – all das lässt nicht sofort darauf schließen, dass der Interpret in Aschaffenburg geboren und aufgewachsen ist.

Dass er aber durchaus auch in der Lage ist, sich in anderen Stilarten zu behaupten, bewies Vollmer in der zweiten Hälfte seiner Show, als er nicht mehr Selbstgeschriebenes in den Mittelpunkt stellte, sondern sich, hervorragend unterstützt von den Instrumentalisten der Elville Blues Band, verstärkt Fremdkompositionen zuwandte – darunter dem funky „Cissy Strut“ der Meters oder Nummern seines Vorbilds Eric Clapton, unter anderem „Hard Times“. Einen weiteren Höhepunkt zu dem großartigen Konzertabend steuerte letztlich die jetzt wieder miteingestiegene Marion La Marché mit einer temperamentvollen Version von „I Put A Spell On You“ des im Jahr 2000 verstorbenen Screamin’ Jay Hawkins bei.

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