Bad Dürkheim Interview mit Kemal Goga: „Es gibt genug komische Frauen“

Komikerin Mirja Boes war bislang die einzige Frau in der dreijährigen Festivalgeschichte, die eine eigene Show in der Salierhall
Komikerin Mirja Boes war bislang die einzige Frau in der dreijährigen Festivalgeschichte, die eine eigene Show in der Salierhalle gespielt hat. Dass es nicht mehr waren, liege an der Terminabsprache, findet Kemal Goga. Der 36-jährige Moderator der SWR3-Morningshow interviewt die Comedians vor jedem ihrer Auftritte auf der Schlossplatzbühne, wo unser Bild entstanden ist.

Noch rund vier Monate bis zum vierten Comedy-Festival in Bad Dürkheim – Erstmals Frauenpower-Show

Bisher standen beim Comedy-Festival die Frauen nur ganz selten auch auf der großen Salierhallenbühne. Ich glaube, nur Mirja Boes im vergangenen Jahr. Woran lag’s? Gibt’s nicht genügend komische Frauen?

Es gibt genug komische Frauen. Wir freuen uns, dass Deutschland so viele Comediennes anzubieten hat wie Carolin Kebekus, Lisa Feller, Christine Prayon, Monika Gruber, Hazel Brugger oder Mirja Boes. Das ist oft eine Terminfrage. Wir sind froh, dass es letztes Jahr mit Mirja Boes geklappt hat. Aber bei den männlichen Kollegen ist es genauso. Es hat oft etwas mit den Terminen der Künstler zu tun. In diesem Jahr wird es gleich mehrere Frauen in der Salierhalle geben: zusammen in einer Mixed Show. War das als spezieller Frauenabend geplant? Nö, das ist einfach eine Mixed Show. Wir haben sie angefragt und alle hatten Zeit. Als wir alle unter ein Dach gekriegt haben, waren wir um so glücklicher. So machen wir jetzt einen Abend mit geballter Comedy-Frauenpower, moderiert von einer SWR3-Kollegin ebenfalls mit viel Power: Sabrina Kemmer. Die Frauen brauchen also gar keinen Extraschub? Es gibt weniger aktive Frauen in dem Business. Man sucht die Frauen. Wenn sie keine Zeit haben, dann ist das schade. Man muss sie aber nicht fördern, sie stehen auf ihren eigenen Beinen. Wie erklären Sie es sich, dass es in der Comedyszene weniger Frauen als Männer gibt? Ich glaube, der Markt wächst stetig. Irgendwann wird es Fünfzig-Fünfzig sein. Immer mehr Frauen sind auf den Bühnen und touren auch. Können Sie etwas zu den Künstlerinnen sagen, die bei der Mixed Show dabei sind? Suchtpotenzial machen superlustige Lieder. Ich schmeiß mich da immer wieder weg. Lizzy Aumeier ist seit über 20 Jahren dabei, macht Kabarett und Musik – eine superschlagfertige Frau. Tahnee ist noch ein junges Ding, nimmt keinen Blatt vor den Mund, macht viele Dialekte, ist superlustig. Genauso freue ich mich aber auch auf die Kerle. Wir haben Bernhard Hoëcker beim Festival, der aus der Pfalz kommt. Da bin ich gespannt, ob er einen Heimvorteil genießen wird, und ob im Publikum Familie und Freunde aus Neustadt sitzen werden. Ich freue mich gleichermaßen auf alle. Sie moderieren von Anfang an die „New Comedy“ auf dem Festival, also die Shows, bei denen der Nachwuchs auftritt. Dabei waren beispielsweise Faisal Kawusi und Felix Lobrecht, die danach richtig bekannt geworden sind. Wenn die Komiker bei Ihnen auf der Bühne stehen, können Sie dann schon sagen: Aus dem wird mal was? Ja, auf jeden Fall. Sebastian Lehmann ist auch so einer. Später hat er seine eigenen Bücher herausgebracht, mittlerweile arbeiten wir sehr eng mit ihm zusammen bei SWR3. Mit vielen Comedians beim Festival gibt es eine rege Zusammenarbeit. Und es sind auch in diesem Jahr einige bei der „New Comedy“ dabei, bei denen es bestimmt kometenartig nach oben geht – auch Frauen. Ich werde aber noch keine Namen nennen. (lacht) Es gibt ein bisschen was Neues beim Festival. Was genau? Wir haben das Rahmenprogramm erweitert. Jeder Besucher, egal ob mit oder ohne Eintrittskarte, soll dieses Festival erleben können. Unter anderem mit der Comedy-A-Capella-Band John Beton and the Five Holeblocks. Das ist unser Kollege Sebastian Müller aus unserer SWR3-Sendung „PopUp“ mit seinen Jungs. Die machen eine Wahnsinnsshow. Wir werden wieder die Live Lyrics haben. Es gibt wieder jede Menge Programm. Wir haben außerdem erstmals auch Shows „Open Air“ im Kurpark vor der Brunnenhalle. Das Festival scheint sehr gut anzukommen, viele Menschen sind in der Stadt unterwegs. Gibt es bei Ihnen Überlegungen zu wachsen? Örtlich oder zeitlich? Ich bin ehrlich, nach den drei Tagen bin ich schon ganz schön ausgepowert (lacht). In den letzten Jahren hatten wir mit „Comedy macht Schule“ aber schon einen Startschuss vor dem eigentlichen Festivalbeginn. Selbstverständlich gibt es Pläne, dass das Festival räumlich wächst. Aber immer mit seinem Kern in Bad Dürkheim. Bleibt Ihnen auch ein bisschen Zeit für Freizeit, um sich die Gegend anzusehen? Ich freue mich jedes Jahr wahnsinnig darauf, nach Bad Dürkheim zu kommen. Ich genieße Spaziergänge in den Weinbergen. Ab und zu geht es in die Weinstube, um eine Schorle zu trinken. Ich habe mittlerweile auch diese Vier-Finger-Regel gelernt. Wir bekommen das natürlich auch von den Künstlerinnen und Künstlern zu hören. Ich freue mich wahnsinnig, die Bühne auf dem Schlossplatz bespielen und bespaßen zu dürfen. Eigentlich würde ich mir wünschen, dass ich mittendrin im Publikum sitze, auf Augenhöhe der Besucher. Das ist so eine heimelige Atmosphäre. Wenn einer mal Durst hat, dann wird sofort das Dubbeglas rübergereicht von einem der ansässigen Winzer. Oder man bekommt gleich die ganze Flasche. (lacht )

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