Bad Dürkheim Intensive Klänge im Kirchenschiff

Präziser, strahlender, froher hätte Mendelssohns Italienische Sinfonie kaum einsetzen können. Bis zum Schluss war das Konzert, zu dem sich am Sonntag der katholische Kirchenchor an St. Ludwig, die evangelische Kantorei an der Schlosskirche, das Heidelberger Kantatenorchester und zwei Gesangssolisten unter Leitung von Jürgen E. Müller zusammenfanden, klangprächtig, feingliedrig durchgestaltet, intensiv im Ausdruck.
Ein wirklich intensives Erlebnis für ein aufmerksames Publikum, das die Ludwigskirche bis fast auf den letzten Platz im Kirchenschiff füllte. Außerdem im Programm: Puccinis Messa di Gloria. In Mendelssohns Sinfonie, die das Heidelberger Orchester klanglich prachtvoll, rein intoniert und in schöner Übereinstimmung mit dem Dirigenten verwirklichte, wollte Müller beides: sprudelnd-leichte Lebendigkeit ebenso wie Entschiedenheit der Artikulation und strahlkräftig-starkes Fortestellen. So sind seine Tempi nicht allzu virtuos, was aber, je länger man zuhört, um so richtiger scheint, den tiefen Ernst, der hinter der Schönheit des zweiten Satzes steckt, eindringlich spüren lässt. Hier fasziniert, wie Müller zügiges Spiel und Ruhe gegeneinander austariert: Das Resultat ist eine ernste, nachsinnende Musik, gleichsam unter dem milden Leuchten der Abendsonne: dicht, klangintensiv und ergreifend, sacht im Pizzicato verklingend. Im dritten Satz (immerhin: Con moto moderato) ließ sich durchaus darüber nachsinnen, ob dem Thema ein solches, von langer Tradition vermitteltes, getragenes romantisches Legato angemessen ist, aber auch hier war Zeit, Details zu bewundern, die in rascheren Interpretationen untergehen. Der abschließende Saltarello leuchtete herrlich, und es gab nur Grund zur Freude über eine so abgerundet durchgeformte, klangschöne Interpretation. Puccinis Messa di Gloria, einem Jugendwerk, mit wenigen Worten gerecht zu werden, ist kaum möglich. Die Messe enthüllt eine sehr große, sicher noch nicht bewältigte musikalische Fantasie, Lust an bombastischen Klangexplosionen (denen Chor und Orchester einschränkungslos gerecht wurden) und Passagen von schöner Innigkeit. Hohe Streicherkantilenen leiten, nicht unsentimental, das Kyrie ein, und die beiden Chöre, die ihre Partien ohne Unsicherheiten beherrschen, singen getragen das „Herr, erbarme dich“, lassen es zu ausufernd intensiven Klangflächen von bewundernswerter Schönheit wachsen, in die ganz archaisch-traditionell, von Pauken und Trompeten verstärkt, das „Christus erbarme dich“ erschallt. Großartig gesungen ist auch der Einstieg ins weit ausladende, hochpathetische Gloria, das stellenweise wie Militärmusik daherkommt. Hier meistert der Chor immer wieder komplexe klangliche Situationen kraftvoll und strahlend, das Orchester glänzt, und erstmals kommt einer der Solisten zum Zug. Alexander Z. Pinderak braucht Kraft und Strahlkraft für dieses Solo, und er hat sie. Später wird ihm mit dem Bass Thomas Herberich ein gleichwertiger Partner zur Seite gestellt. Beide singen mit Strahlkraft und Ernst und schaffen es gut, im weiten Kirchenschiff durchzudringen. Ungemein innig gestalten sie das im Gegensatz zum Gloria gar nicht lärmende, sondern sehr innige und leise Agnus Dei, welches nach tosendem Applaus noch einmal wiederholt wird – nachdem Jürgen E. Müller ernst an den 20. Juli 1944 und das Ende der DDR erinnert hat, das die Kantorei mit dieser Puccini-Messe bei einer Konzertreise nach Polen erlebte.