Mit Krone und Wurzel RHEINPFALZ Plus Artikel Immergrün und voller Mythen

Eine mächtige Erscheinung ist die Eibe im Wachenheimer Stadtkern.
Eine mächtige Erscheinung ist die Eibe im Wachenheimer Stadtkern.

Nach der Überlieferung schützen Eiben vor bösen Mächten. Im Pfarrgarten der protestantischen Kirche von Wachenheim steht ein Jahrhunderte altes Exemplar der sagenumwobenen Baumart.

„Vor den Eiben/ die Zauber nicht bleiben.“ Mit solchen Versen machte man sich einst einen Reim darauf, wie die Eibe durch ihre Kraft Haus und Hof schützen sollte. Sagenumwoben sind die immergrünen Bäume seit frühester Zeit. Sie wurden von den Kelten als heilige Verbindung zur Ewigkeit verehrt. In der Antike hatte die Eibe ihren Platz am Weg in die Unterwelt. Im späteren Volksglauben galt sie als so einflussreich, dass sie Hexen und bösen Zauber fernhalten würde.

Danach hätte der Baum im Wachenheimer Pfarrgarten schon viele positive Wirkungen im Laufe seines langen Lebens entfaltet. 13 Meter hoch er gewachsen, sein Stammumfang beträgt zweieinhalb Meter. In gleicher Höhe, nämlich in Brusthöhe, hat Anwohner Jürgen Bohl einen Durchmesser von 80 Zentimetern ermittelt.

Die mehrere Jahrhunderte alte Eibe erreicht also beachtliche Maße und ist vital, obwohl die Bebauung sehr nah an sie herangekommen ist. Eiben vertragen viel Schatten, und sie wachsen langsamer als andere heimische Nadelbäume.

Ihr Holz, zäh und elastisch zugleich, war im Mittelalter begehrt für den Bogenbau. Um Waffen herzustellen, aber auch für den Bau von Musikinstrumenten wie Lauten, wurden Eiben in großen Mengen abgeholzt. Heute kommt die Baumart eher in Gärten und Parks vor. Die schnittverträgliche Eibe ist beispielsweise im Dürkheimer Kurpark auch in Heckenform zu finden.

Die Nadeln der Eibe sind giftig

In fast allen Teilen enthalten Eiben das herzlähmende Alkaloid-Gemisch Taxin. Alkaloide stellen die bedeutendste Klasse pflanzlicher Giftstoffe dar. Doch das schützt Eiben nicht davor, von Rehwild und Rotwild verbissen zu werden. Die Tiere fressen nur gewisse Mengen – angeblich auch wegen der berauschenden Wirkung. Denn auch für Rehe sind Eibennadeln nicht unschädlich. Die Annahme, dass sie die Nadeln ohne Einschränkung fressen könnten, ist also falsch.

Auch für weidende Säugetiere, vor allem für Pferde, bedeuten Eibennadeln eine Gefahr. Deswegen wurden unzählige Eibenbäume gerodet. Für den Menschen können die Nadeln tödlich sein. Die meisten Vergiftungsfälle verlaufen jedoch glimpflich.

Im Gegensatz zu anderen heimischen Nadelbäumen bilden Eiben keine Zapfen. Auch sind sie zweihäusig, es gibt also männliche und weibliche Bäume. Deswegen werden sie von einigen Systematikern zwischen den Laub- und Nadelbäumen eingeordnet. Nach der Befruchtung und Entwicklung der Blüten leuchten an weiblichen Exemplaren rote Scheinbeeren. Ihr fleischiger Mantel umhüllt den Samen und bildet den einzigen nicht giftigen Bestandteil der Pflanze.

„Ein Funkeln / Im Dunkeln“

Die süßlichen Samenmäntel werden von Tieren wie Siebenschläfer und Waldmaus gefressen. In der Vogelwelt sind Hülle oder Samennuss begehrt. Zu den Samenfressern gehören Dompfaff, Kernbeißer, Kleiber und Buntspecht. Vögel wie Drosseln fressen dagegen den Fruchtbecher. Sie scheiden die giftigen Samen keimfähig wieder aus und sorgen für die Verbreitung.

Mit weichen, tiefgrün glänzenden Nadeln wirken Eiben oft dunkel, fast düster. Doch werden sie von der Sonne beschienen, versteht man, warum Hildegard von Bingen in ihnen sogar Fröhlichkeit symbolisiert sah. Geheimnisvoll beschrieb Fontane den Baum als „Ein Funkeln/ Im Dunkeln./ Wie Götzenzeit, wie Heidentraum/ Blickt ins Fenster der Eibenbaum.“

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