Bad Dürkheim
Immer mehr illegale Downhill-Strecken
„Das Bauen geht aktuell weiter“, sagt Robert Kirchner, Revierleiter des Forstamts Bad Dürkheim. Zu seinem Revier Wallberg gehören die Wälder der Stadt Wachenheim und der Gemeinde Niederkirchen. Es sind Gebiete am Haardtrand, die wegen ihrer guten Erreichbarkeit bei Freizeitsportlern besonders beliebt sind. Hier haben Mountainbike-Fahrer abseits der Waldwege mehrere kilometerlange Abfahrten angelegt.
Als Beispiel zeigt Kirchner einen illegalen Trail in der Abteilung „Am Gebrannten“. Vor fünf Wochen wurde er angelegt, obwohl 100 Meter weiter schon eine rechtswidrig gebaute Abfahrt besteht. In steiler Hanglage folgt die Gruppe der in den Waldboden eingegrabenen Fahrrinne. Sichtlich führt das Befahren zur Bodenerosion. Die Strecke schlängelt sich den Hang hinauf mit aufgeschütteten Steilkurven, Bodenwellen mit eingebauten Stämmen, vorbei an teils abgeschnittenen Bäumen. Auch andere Pflanzen wurden hier direkt beschädigt.
Große Beteiligung
Dass die Thematik illegaler Trails viele Menschen anspricht, zeigt die große Beteiligung beim Waldbegang. Auch wird schnell klar, wie unterschiedlich die Interessen sind. Die Jägerschaft ist vertreten, mehrere Behörden, vor allem aber Vereine und Gruppen der Radfahrer, etwa die Pfalzbiker, das Team Pfälzer Land und der RV Edelweiß.
Auf dem nächsten Waldweg angekommen, sammelt sich die Gruppe zur Gesprächsrunde. Jemand fragt, welche Nachteile solche Strecken konkret für die Natur bedeuten. Jäger antworten, dass die weit höhere Geschwindigkeit, mit der Mountainbiker im Vergleich zu Fußgängern unterwegs sind, die Wildtiere immer wieder aufschrecke. Ein Jäger berichtet: „Ich erlebe sogar, dass nachts mit Scheinwerfern im Wald gefahren wird. Das stresst das Wild komplett.“
Einstimmig äußern sich Anwesende, dass illegal vorgenommene Baumaßnahmen abseits der Waldwege nicht zu akzeptieren sind – nehmen die Verursacher doch unrechtmäßige Eingriffe auf fremdem Grund und Boden vor, wie Revierleiter Kirchner betont. Mitarbeiter des Forstamts und Jäger haben wiederholt die Anlagen zurückgebaut und Infoschilder aufgestellt. Doch die Schilder wurden beseitigt und die Abfahrten neu gebaut. Selbst das Dulden eines Teils der Strecken half nicht – stattdessen kamen weitere Strecken dazu.
Legale Angebote in der Umgebung fehlen
Einer der anwesenden Radsportler berichtet, dass solche angelegten Bergabfahrten Mountainbiker, die eigentlich auf Wegen unterwegs sind, zum Querfeldeinfahren verleiten: „Das Klientel, das da runterfährt, ist größer als angenommen.“ Von den organisierten Radsportlern erhofft sich Förster Kirchner Unterstützung: „Wir müssen die Trails eindämmen“, so sein Appell, „bitte nutzen Sie Ihre Kontakte und wirken Sie auf die Bautrupps ein.“
Ihrerseits kritisieren die Mountainbiker, dass das legale Angebot für Downhill in der näheren Umgebung fehle. Eine Legalisierung bestimmter Strecken und ihre Unterhaltung in geeigneten Korridoren könnten parallel zum Rückbau anderer Trails erfolgen, so die Idee, für die sich auch Förster Kirchner offen zeigt.
Ein Mountainbiker sagte ihm zu, Kontakt zu Downhillern aufzunehmen. Die Verbindungen klappen offenbar. Nach dreistündiger Wanderung ist die Gruppe eben auf den Parkplatz zurückgekommen, als von hier erste Downhiller in umgekehrte Richtung starten.