Bad Dürkheim / Ludwigshafen / Kaiserslautern
Igel und Mähroboter: Wenn Gartenhelfer zur tödliche Gefahr werden
Mähroboter werden immer beliebter. Sie sparen Zeit und erledigen das Rasenmähen ganz von allein. Für Igel sind die Geräte jedoch eine tödliche Gefahr, besonders, wenn sie in der Nacht zum Einsatz kommen. Denn anstatt vor den gefährlichen Mähern zu flüchten, rollen sich die Tiere bei Gefahr zu einer Kugel zusammen und erstarren für einige Minuten. Oft erleiden die Tiere durch die scharfen Messer massive Verletzungen. Besonders Jungtiere, die jetzt im Sommer geboren werden, sind dabei gefährdet, allein schon wegen ihrer geringeren Körpergröße.
Sylvia Schwambach aus Wachenheim hat das im eigenen Garten erlebt, und das, obwohl sie keinen Rasenmähroboter besitzt. „Ich saß mit einer Freundin auf der Terrasse, als ein Igel in der prallen Mittagssonne an uns vorbeistapfte. Da dachte ich mir schon, dass etwas nicht stimmt“, erinnert sich die 58-jährige Tierfreundin, die schon seit Jahren Igelhäuser im Garten hat.
Igelstationen überlastet
„Wer einen Igel im Garten findet, sollte nicht sofort eingreifen“, warnt Tobias Kühne von der Igelhilfe in Ludwigshafen. In seinem Verein kümmern er und seine Frau sich um verletzte und notleidende Igel. Momentan seien alle Igelstationen restlos überlastet, nicht nur wegen mechanisch verursachter Verletzungen. Nicht jeder gesichtete Igel benötige automatisch Hilfe. Auf der Homepage des Vereins sind wichtige Merkmale hilfsbedürftiger Igel aufgelistet. Wenn Tiere zum Beispiel orientierungslos im Kreis laufen, sich bei Berührung nicht zusammenrollen und apathisch wirken, sei Hilfe geboten. „Oder wenn man eine offensichtliche Verletzung feststellt, zum Beispiel von einem Mähroboter“, sagt Kühne.
Dies sei bei dem Igel, der bei Sylvia Schwambach über die Terrasse gelaufen ist, der Fall gewesen. „Die eine Gesichtshälfte war schwer verletzt und die Wunde bereits mit Mückenlarven übersäht“, erinnert sie sich. Das Tier habe sich wohl schon mehrere Tage durch die Gärten geschleppt. Sie habe Kontakt zur Igelhilfe Ludwigshafen und Kaiserslautern aufgenommen und sei dann zu einem Tierarzt gefahren, um dem kleinen Kerl zu helfen.
Oft bleiben die verletzten Tiere jedoch unbemerkt, weiß Karsten Tide von der Igelhilfe in Kaiserslautern. „Igel sind Wildtiere und stoßen keine Schmerzenslaute aus, um nicht von Fressfeinden entdeckt zu werden. Sie ziehen sich ins Unterholz zurück, leiden still und verenden dort meist qualvoll.“ Aber auch bei Verletzungen warnen die Experten: Das Tier muss nicht sofort eingepackt werden. „Gerade jetzt liegen vielleicht Igeljunge im Nest. Man sollte zuerst die nähere Umgebung absuchen“, sagt Kühne.
Laut Tide ist es außerdem falsch verstandene Tierliebe, den Igel in urbanen Gegenden einzusammeln und dann beispielsweise im Wald auszusetzen. „Das kann fatal sein. Schließlich sind Igel auch an den städtischen Raum gewöhnt. Hier hat er sein Revier, sein Nest und seine Futterstellen. Ihn da rauszureißen, kann im schlimmsten Fall tödlich enden.“ Viele Verletzungen dagegen seien für die Tiere nicht unbedingt tödlich. „Solange die Nase nicht betroffen ist, hat das Tier gute Chancen. So ein Igel kann auch mal ohne ein Beinchen oder blind leben“, meint Tide. In jedem Fall sollten dennoch die Wunden gereinigt und behandelt werden.
Nicht jedes Futter sinnvoll
Für den kleinen Igel aus Sylvia Schwambachs Garten kam jedoch jede Hilfe zu spät. „Die Verletzungen waren zu schlimm, er musste eingeschläfert werden“, erzählt sie. Damit so ein Unglück in ihrem Umfeld nicht noch einmal passiert, hat sie angefangen, ihre Nachbarn und Freunde zu sensibilisieren. „Immer erst die Büsche und hohen Wiesen kontrollieren, bevor man maschinell dran geht. So kann man Igel und andere Kleintiere schnell ausmachen“, sagt die 58-Jährige. Der Naturschutzbund (Nabu) rät zusätzlich davon ab, Mähroboter in der Dämmerung oder im Dunkeln einzusetzen, denn das ist die Aktivitätsphase der Igel. Übrigens: Der bei teureren Modellen eingebaute Igelschutz ist keine große Hilfe. „Der taugt meist nichts. Das kann man gern mal mit Stofftieren ausprobieren. Gerade kleinere Igel werden davon schonungslos niedergemäht“, sagt Tide.
Wer Igeln helfen möchte, da sind sich die Experten einig, sollte seinen Garten möglichst naturnah gestalten und nicht zu häufig mähen, heimische Sträucher und Stauden anlegen und eine wilde Ecke stehen lassen. Reisighaufen oder ein selbstgebautes Igelhaus bieten außerdem Unterschlupf für den Winter.
Den Igel selektiv zu füttern, sei allerdings kontraproduktiv. Das locke eventuell unerwünschte Tiere in den Garten, wie Ratten oder Marder. „Im Sommer können die Tiere schon mal zugefüttert werden“, sagt Tide. Kühne empfiehlt außerdem Futter aus der heimischen Küche.
„Ungewürztes Rührei oder angebratenes Rinderhack mit einer Prise Haferflocken sind super. Oder proteinreiches Katzenfutter. Ganz schlecht ist fertiges Igelfutter, da sind meist nur Abfälle enthalten.“ In jedem Fall sollte auch eine Schüssel Wasser an heißen Tagen bereitstehen. „Keine Milch“, warnt Kühne außerdem. Denn die Tiere seien laktoseintolerant.
Sylvia Schwambach füttert außerdem ab und zu getrocknete Mehlwürmer und hat noch einen weiteren Tipp für Igelliebhaber: „Ich habe in meinen Zäunen eine kleine Öffnung, dass der Igel gemütlich rein und raus schlüpfen kann.“ Nach dem Erlebnis mit dem Igel ist für sie wieder aufs neue klar geworden: Ein Mähroboter kommt ihr nicht ins Haus.
Info
Nähere Infos zur Igelhilfe und Notfallnummern gibt es im Netz unter www.pro-igel.de oder www.igelhilfe-ludwigshafen.de