Bad Dürkheim „Ich habe Blut geleckt“
Mit seinem ersten Kinofilm „Verpiss Dich, Schneewittchen!“ kommt der Mannheimer Comedian Bülent Ceylan heute nach Frankenthal. Wir sprachen mit Ceylan über den Unterschied von Bühne und Filmstudio und den Traum vom großen Erfolg. Erst nach einigen Fehlversuchen wird das Telefongespräch in Bülent Ceylans Hamburger Hotelzimmer durchgestellt. Dort meldet er sich aber dann direkt selbst.
Des geht nimmer. Man will halt noch seine Privatsphäre haben. Es gibt ja welche, die auch sonntags anrufen würden. Früher war man noch ganz froh, wenn man überhaupt ein Interview geben darf. Mit der RHEINPFALZ hatte ich damals sogar mein erstes großes Interview. Ihr Kinofilm wurde in Köln, Hamburg und München gedreht. Und was ist mit Mannheim? Der Film wurde durch die Film- und Medienstiftung NRW, den Filmfernsehfonds Bayern und den Deutschen Filmförderfonds gefördert, Baden-Württemberg hat sich nicht beteiligt. Daher haben wir in Köln, Hamburg und München gedreht. Und deshalb startet unsere Kinotour nächsten Mittwoch auch in Nordrhein-Westfalen, mit einem großen Auftaktevent in Köln. Aber weil die Mannheimer ja nix dafür können, gibt es dort am Donnerstag abends eine Fanpremiere. Der Bub ist Monnemer, da muss in Mannheim groß gefeiert werden. Am gleichen Tag sind Sie nachmittags in Frankenthal. Da sind schon zwei oder drei Säle gebucht, oder? Genau. Ich bin echt happy, das läuft supergut. Bühnenerfahrung haben Sie jede Menge, aber wie haben Sie sich auf Ihre erste Kinorolle vorbereitet? Ich hatte mit Nick Dong-Sik aus Köln einer hammerguten Schauspielcoach. So ein super Typ. Der Film ist ein Film für die ganze Familie, der einen zum Lachen bringen soll. Aber es gibt schon ein, zwei Momente, wo Emotionen wichtig sind. Das ist nicht ganz einfach für einen Komiker. Das habe ich richtig trainiert, und da hat mir der Nick viel geholfen. Was meinen Sie zum Beispiel? Im Film muss man eine Szene zehn-, 20-mal spielen. Da jedes Mal wieder frisch und voller Energie zu sein, den Text richtig zu denken, nicht nur abzuspulen. Das ist anstrengend, macht aber riesen Spaß, wenn es klappt. Sie spielen an der Seite von Josefine Preuß, Paul Faßnacht, Özgür Karadeniz und Kida Khodr Ramadan. Das sind alles super Schauspieler, das hat richtig Spaß gemacht. Es war mir wichtig, dass richtig gute Leute mitmachen, von denen ich noch was lernen kann. Auch der Regisseur Cüneyt Kaya ist ein aufstrebender junger, türkischer Regisseur. Er hat ein gutes Gefühl für Humor. Und dann sind noch ein paar Komiker dabei wie Olaf Schubert und Chris Tall. Tom Gerhardt hat auch einen Kurzauftritt – das war echt eine Ehre, dass der mitmacht. Ich kann den Film nur jedem empfehlen. Wie kam es überhaupt zu dem Film? Schon 2012 hat mich der Produzent Oliver Berben von Constantin angesprochen, er wollte gerne einen Film machen, der auf mich zugeschnitten ist. Mein eigener Kinofilm. Das war dann ein langer Weg dahin. 2016 haben wir endlich gedreht. Herbst 2017 sollte der Film ins Kino, aber da hatte „Fack ju Göhte 3“ Premiere. Man wollte sich dann nicht selbst Konkurrenz machen. Das heißt, Ihr Film ist so eine Liga wie „Fack ju Göhte“? Nein, nein, nein. Von der Zuschauerzahl hoffe ich das natürlich. Aber „Fuck ju Göhte“ ist jetzt nicht so mein Film. Er ist bestimmt für junge Leute geil, super gemacht und trifft einen Nerv. Ich wollte aber einen Film machen mit einer Story, wo man echt geil lachen kann, wo es Emotionen gibt – ein echter Familienfilm halt. Wenn Sie sich entscheiden müssten: Kino oder Comedy. Was wär’s dann? Die Menschen zum Lachen bringen ist immer das Schönste. Live auf der Bühne bekommt man eben direkt das Feedback, das ist das Beste, was es gibt. Das hast Du im Film nicht. Das siehst Du erst, wenn alles fertig ist. Setzen Sie sich dann in Frankenthal in den Zuschauerraum, um die Reaktionen mitzubekommen? In Mannheim und Köln schau ich den Film an, in den anderen Städten bin ich auf Tour. Da gibt es dann eine Begrüßung, auch Autogramme und vielleicht ein paar Späßchen. Aber wir haben drei, vier Stationen am Tag. In dem Film geht es um eine Band. Wie viel von der Musik machen Sie selbst? Alles, was gesungen wird, ist von mir. Die Gitarre ist teilweise von mir, das richtig gut eingespielte macht ein anderer. Das ist ein bisschen getürkt. Ist das Ihre Musik? Es ist ein bisschen softer im Film. Eher so Hard-Rock-Pop, wir wollten die Leute ja nicht erschrecken. Privat höre ich auch härtere Sachen. Sammy, der im Hamam putzt, träumt von einer Bühnenkarriere. Können Sie sich in seine Geschichte gut reindenken? Es ist ja ein bisschen meine Geschichte. Ich habe auch klein angefangen und zehn Jahre gebraucht, um bundesweit wahrgenommen zu werden. Ist das nun nur ein einmaliger Ausflug ins Kino? Hoffentlich nicht. Ich habe Blut geleckt. Termin —„Verpiss Dich, Schneewittchen!“ heute ab 16 Uhr mit Bülent Ceylan im Lux-Kino Frankenthal. —Karten gibt es im an der Kinokasse in der August-Bebel-Straße und im Internet unter www.lux-kinos.de. Neu im Kino