Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Hoher Wasserverbrauch: Trockenheit oder Corona-Folge?

Private Pools und Planschbecken könnten beim erhöhten Wasserverbrauch eine Rolle spielen.
Private Pools und Planschbecken könnten beim erhöhten Wasserverbrauch eine Rolle spielen.

Während der starken Corona-Einschränkungen haben die Wasserversorger ein Phänomen beobachtet: Der Wasserverbrauch in Bad Dürkheim und Umgebung ist deutlich gestiegen. Gibt es da einen Zusammenhang?

Die Wachenheimer Stadtwerke zum Beispiel haben ihre Kunden bis Ende Mai mit rund 25.000 Kubikmeter mehr Frischwasser beliefert als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Das ist ein Plus von 19 Prozent. Das sei wohl dem warmen Wetter und dem Umstand geschuldet, dass jetzt viele Leute ihre Gärten bewässern und im Homeoffice arbeiten, vermutet Werkleiter Dieter Panzer. Zudem seien ihm vor den Baumärkten Warteschlangen aufgefallen, da sich der ein oder andere einen kleinen Privatpool zugelegt habe.

Der technische Leiter der Stadtwerke, Meik Erich, sieht beim Blick auf die Verbrauchszahlen hingegen einen eindeutigen Corona-Effekt. „Im März 2019 lag der Verbrauch bei 21.108 Kubikmetern, dieses Jahr bei 26.242 Kubikmetern“, berichtet er. Der April 2020 habe mit 29.924 Kubikmetern ebenfalls den Vorjahresmonat mit 25.006 Kubikmetern klar übertroffen. Noch gravierender falle der Unterschied im Mai aus: 38.705 Kubikmeter gegenüber 24.360 Kubikmeter. Und gerade dieser beachtliche Anstieg lasse sich nicht allein mit der Trockenheit erklären. „Selbst in dem wirklich heißen Sommer 2018 waren es nur 28.376 Kubikmeter. Bei dem aktuellen Wert ist also viel Corona dabei“, ist Erich sicher.

Nahe an der Kapazitätsgrenze

Macht sich die Corona-Krise auch beim Wasserverbrauch in Ellerstadt, Friedelsheim und Gönnheim bemerkbar? Frischwasser bekommen die drei Ortsgemeinden von der Friedelsheimer Gruppe. Zum spezifischen Bedarf in diesen Dörfern kann Werkleiter Wilfried Weber zwar keine Angaben machen, sehr wohl aber zur Wasserlieferung im gesamten Versorgungsgebiet. Das umfasst außer der Verbandsgemeinde Wachenheim die Gemeinden Hochdorf-Assenheim, Rödersheim-Gronau, Meckenheim, Niederkirchen, Lambsheim, Birkenheide, Fußgönheim und Maxdorf. „Der Verbrauch ist im April und Mai gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen“, berichtet Weber. Allerdings liege das nicht allein an der Pandemie. Denn der Verbrauch hänge ab April stets stark vom Wetter ab, und just während des Lockdowns habe große Trockenheit geherrscht.

Nahe an der KapazitätsgrenzeIn der Folge habe die Friedelsheimer Gruppe bereits im April so viel Wasser an ihre Kunden geliefert wie im August 2019. Im weniger wetterabhängigen März hingegen habe sich der Corona-Effekt mit einem Plus von fünf Prozent bemerkbar gemacht. „Dass die Leute das Wasser zu Hause statt auf der Arbeit verbrauchen hat den Ausfall durch die geschlossenen Schwimmbäder mehr als kompensiert“, sagt Weber. Bis zu 11.500 Kubikmeter Frischwasser täglich könne der Verband in Spitzenzeiten liefern. „Da waren wir schon ziemlich nah dran“, erklärt er. Und noch etwas ist seinem Team und ihm aufgefallen: „Wir haben den Eindruck, dass sich viele Menschen jetzt Planschbecken oder sogar Swimmingpools gekauft haben.“

Der Verbrauch ist deutlich höher als im Vorjahr

Klar, mit dem Frühlingsbeginn steigt auch in Bad Dürkheim der Wasserverbrauch. Denn blühende Gärten gibt es nur, wenn deren Besitzer die Natur mit der lebensspendenden Flüssigkeit unterstützen – vor allem in Trockenperioden. Zugleich möchten Pool-Eigentümer die kleinen Privatschwimmbäder nutzen, wenn die Temperaturen allmählich in eine angenehme Höhe steigen. Doch steigt der Verbrauch wie in Wachenheim zusätzlich in Folge der Corona-Pandemie? Ob es direkt damit etwas zu tun hat, weiß Peter Kistenmacher, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Dürkheim, nicht. Doch was er mit Sicherheit sagen kann, ist, dass der Wasserverbrauch im April 2020 acht Prozent höher ausgefallen ist als im April 2019. Im Mai übertrifft der Wert den Vorjahresmonat um 14 Prozent. „Diese beiden Monate waren ja die Zeit des Lockdowns“, sagt er. Im März hingegen haben die Stadtwerke-Kunden gegenüber vergangenem Jahr zehn Prozent weniger Wasser verbraucht – obwohl die Coronavirus-Einschränkungen zumindest in der zweiten Monatshälfte da auch schon gegolten haben. „Diesen Wert kann ich mir nicht erklären“, gibt er zu.

Die Verbandsgemeindewerke Freinsheim haben einen deutlich höheren Wasserverbrauch verzeichnet als noch vergangenes Jahr. „Ende Mai 2020 hatten wir bereits dieselbe Menge erreicht wie 2019 erst Ende August“, berichtet Werkleiter Stefan Dachsteiner. Ihm zufolge haben die Kunden bis zum 31. Mai dieses Jahr 30.000 Kubikmeter mehr Frischwasser verbraucht als bis zum 31. Mai 2019. Mit rund 98.000 Kubikmetern habe allein der Mai dieses Jahres den August vorigen Jahres übertroffen und liege fast auf dem Niveau des Junis und Julis 2019. Ob der Anstieg mit der Corona-Krise zu tun habe, wisse er nicht. So sei zwar zu beobachten, dass die Leute in Erwartung des Sommers und in der Annahme, dass sie wohl nicht in Urlaub fahren können, vermehrt Planschbecken und Gartenpools gekauft und auch befüllt hätten. Doch zugleich fehlten die Touristen. Daher hat er eine andere Vermutung, was der Grund für den höheren Frischwasserverbrauch ist: „Ich tippe eher auf die lange Trockenphase“, sagt Dachsteiner.

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