Bad Dürkheim Historischer Gang durch Stadtmauer-Pforte
Das Wachenheimer Doppeljubiläum hat ein neues Fest hervorgebracht: Am Sonntag war das „holzviertelfest“ ein großer Anziehungspunkt. Das befürchtete Verkehrschaos insbesondere in der Bahnhofstraße ist ausgeblieben.
„Schauen Sie sich alles an, kreisen Sie, es lohnt sich heute“, ermutigte Wachenheims Bürgermeister Torsten Bechtel die Besucher, als er am Sonntag um 11.30 Uhr das Holzviertelfest eröffnete. Bewusst hatte er als Ort die mit Stroh ausgelegte Mühlgasse gewählt, weil „die Mühlgässler ihren liebenswerten Herbstmarkt seit vielen Jahren ausrichten. Sie repräsentieren für mich die vielen Vereine und Initiativen in Wachenheim, die sich um so vieles kümmern und so viel organisieren.“ Für die Mühlgasse hatte die intensive Beschäftigung mit der Ortsgeschichte im Jubiläumsjahr einen weiteren Grund zum Feiern zutage gefördert: Sie wurde 1416 erstmals urkundlich erwähnt. Eva Labonte-Steinmetz hatte zu diesem Anlass historische Ansichten der Mühlgasse zu einer kleinen Ausstellung zusammengetragen. An der Stadtmauer in der Holzgasse moderierte Bechtel außerdem einen ganz besonderen Moment für Besucher und Wachenheimer an: „Gleich erleben Sie etwas, das noch nicht viele Wachenheimer erlebt haben. Heute öffnen wir für dieses Fest die Pforte zwischen Holzgasse und Kirchenwingert“, sagte er und zog das alte Holztor auf. Tatsächlich, so bekundeten einige ältere Wachenheimer, hatten sie noch nie die Gelegenheit, diese „Abkürzung“ zum Pfortenstück zu benutzen. Gemessen an seiner Einwohnerzahl war Wachenheim am Sonntag sicher die Stadt mit der größten Kuchendichte der Pfalz. Denn neben der üppigen Kuchentheke beim Apfelhof Zimmermann bogen sich auch im Holzviertel die Tische unter all den Torten und Kuchen in der Mühl- und auch in der Holzgasse, wo die Landfrauen zur Tafel baten. Große Vielfalt auch bei den herzhaften Genüssen: Vor der Stadtmauer boten Neuwachenheimer am Stand des Heimatvereins Speisen aus Syrien und Aserbaidschan an. In Pierre Amblards Bauerngarten gab es Kürbissuppe aus der ersten Ernte und in der Mühlgasse brutzelten Saumagen, Bratwurst und Kürbisgemüse. Ein Regenguss gegen 17 Uhr leerte die Gasse jedoch etwas früher als geplant. Auch kulturell ging es bunt zu: In der Mühlgasse zeigten Bauchtänzerinnen ihr Können, eine Ausstellung im Diebesturm ließ auch einen Blick in dieses ansonsten nicht zugängliche Bauwerk zu, vor der Stadtmauer präsentierten sich der Forstverband Mittelhaardt, die Jugendfeuerwehr und die Pfadfinder. Im Pfortenstück spielte am Nachmittag die Bigband des Werner-Heisenberg-Gymnasiums. Am frühen Abend begeisterte die georgische Sängerin Kristina Pilishvili, an der Gitarre begleitet von Achim Wagner, mit Liedern aus ihrer Heimat die Besucher, ab 20 Uhr heizte die Wachenheimer Band „Freshwater“ bis in die Nacht dem Publikum ein. Nach Einbruch der Dunkelheit veränderte die Veranstaltung ihren Charakter. Kerzen entlang des Stadtmauerpfads wiesen den Weg zum Bauerngarten, wo die mittelalterlich gewandeten Mühlgässler den Tag bei einem Glas Sekt ausklingen ließen. Dass inzwischen die Besucher von weiter weg den Heimweg angetreten hatten, machte man am Ausschank des Heimatvereins daran fest, dass keine kleine Rieslingschorle mehr verlangt wurde. Die verbliebenen Wachenheimer trotzten den sinkenden Temperaturen und genossen den ungewöhnlichen Höhepunkt des Abends: Eine auf die Stadtmauer projizierte Animation zur Geschichte der Stadt. Dabei war die Mauer nicht nur Projektionsfläche. Ihre Steine wurden immer wieder Teil der verblüffenden Bilder. |awg