Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Historisch: Die hoheitliche Traubenkur von 1860

Weilte vier Wochen im Kurort Dürkheim: König Max II. von Bayern. Franz Seraph Hanfstaengl dokumentierte den Besuch mit einem Fot
Weilte vier Wochen im Kurort Dürkheim: König Max II. von Bayern. Franz Seraph Hanfstaengl dokumentierte den Besuch mit einem Foto.

Dürkheim im Herbst 1860: Die Traubenkur läuft erfolgversprechend an, die Weinlese soll am 21. Oktober beginnen. Die Erwartungen sind groß, die Qualität des neuen Jahrgangs verspricht so hoch zu werden wie beim wohlbekannten 1856er. Doch ein anderes Ereignis erregt noch mehr Aufmerksamkeit: Der bayerische König Maximilian II. hat sich persönlich zur Traubenkur angekündigt.

„Die Zahl der Curgäste ist bereits beträchtlich“, vermeldete der „Eilbote“ aus dem Bezirk, „und täglich treffen neue Partien ein. Die Trauben haben seit Beginn des Octobers sehr an Güte zugenommen und liefern selbst in diesem weniger günstigen Jahre den Beweis, daß Dürkheim mit Recht den ersten Rand unter den Traubencurorten Deutschlands für sich beanspruchen darf“.

Zu dieser Meldung am 13. Oktober 1860 passte die Notiz wenige Zeilen darunter in der Rubrik „Was gibt es Neues?“ bestens, um Dürkheims Renommee als Kurort noch mehr aufzuwerten, wonach die Ankunft von König Max II. noch am selben Tag erfolgen sollte. Dem Vernehmen nach hatte der königliche Marstall bereits zwölf Pferde für den Monarchen und dessen adelige Begleiter vorausgeschickt. Der König hatte auf dem Weg in die Pfalz noch in Lohr am Main an einer Jagd auf Hoch-Schwarzwild in den Wäldern des Spessarts teilgenommen, bevor er seine Reise über Darmstadt fortsetzte, um sich anschließend der Traubenkur zu unterziehen. Als Max II. Mitte November wieder abreiste, hatte er vier Wochen in Dürkheim zugebracht.

Obwohl die Traubenkur der Anlass für den Besuch des Königs war, nahm er nebenbei noch eine Fülle von Verpflichtungen wahr. So demonstrierte die Dürkheimer Feuerwehr am 20. Oktober bei einer Löschübung ihr Können und erntete damit das uneingeschränkte Lob seiner Majestät, der der Übung von der Wohnung des Forstmeisters Kauschinger aus beiwohnte.

Ein Ball zu Ehren des Königs

Am selben Abend gab die Stadt zu Ehren des hohen Gasts einen Ball, den König Max mit Fräulein Barth, der Tochter des Adjunkten (Beigeordneten) eröffnete. Er tanzte im Anschluss noch dreimal und zog sich gegen 23 Uhr zurück. Der „Eilbote“ resümierte: „Auch die Hofcavaliere [die Begleiter des Königs] nahmen am Tanze Theil. Der König unterhielt sich mit mehreren Anwesenden und gewann auch hier die Herzen durch sein freundliches, leutseliges Wesen. Se. Majestät werden wohl noch gegen 14 Tage hier bleiben und, wie man hier hofft, noch öfter zur Traubencur wiederkehren“.

König Max II. nutzte die Herbsttage in der Kantonsstadt auch dazu, nach Koblenz zu reisen. Nach seiner Rückkehr empfing er Anfang November den jüngsten Sohn (von acht Kindern) des Dürkheimer Winzers Martin Kirsch. Acht Jahre zuvor hatte der König die Patenschaft für das Kind übernommen, dem die Eltern aus Dankbarkeit den Vornamen Max gegeben hatten. Nun kam es zur persönlichen Begegnung des kleinen Max Kirsch mit seinem prominenten Paten, der den Jungen „sehr huldvoll empfing“ und ihm ein ansehnliches Geschenk überreichte. „Diese schöne Handlung des Königs“, so ein Zeitungsbericht, „verfehlte nicht, in der armen Familie wie in dem ganzen Winzerstande, die lebhafteste Freude hervorzurufen“.

Zu einer weiteren persönlichen Begegnung kam es, als Max II. die Witwe von Johannes Walther, eines ehemaligen Bediensteten des Fürsten von Leiningen, zu sich kommen ließ, nachdem ihr betagter Ehemann drei Tage zuvor plötzlich verstorben war. Ein Besuch der Volksschulen war ebenfalls Teil des Programms, bei dem sich der König einen Überblick über den Kenntnisstand der Dürkheimer Schulkinder verschaffte. Dabei machten die „heiteren Pfälzergesichter auf den König den besten Eindruck“. Am Tag vor seiner Abreise zeichnete der Landesvater den Dürkheimer Bürgermeister Haffner für seine langjährigen Verdienste um die Stadt und ihre Bürger aus. Wie der König betonte, wollte er Haffner persönlich den St. Michaels-Orden 2. Klasse verleihen – eine Ehre, die noch dadurch gesteigert wurde, das der Bürgermeister zur Tafel des Königs geladen wurde, wo die Ordensverleihung ganz hoch offiziell stattfand.

Am 12. November 1860 verließ König Max schließlich – unter großer Teilnahme der Bevölkerung – die Stadt gegen 8.30 Uhr mit den Worten: „Ich muß von meinem lieben Dürkheim scheiden“. Der „Eilbote“ schrieb: „Geben uns diese Worte nicht die Versicherung, wie gerne der hohe Curgast hier geweilt hat? König Max hat durch seine Leutseligkeit, Wohltätigkeit und unbegrenzte Herzensgüte Eroberungen hier gemacht, die ihm Niemand mehr wird entreißen können“.

Der königliche Aufenthalt beeindruckte die Dürkheimer so sehr, dass sie für Max II. ein Gedicht verfassten. Es erschien zwei Tag
Der königliche Aufenthalt beeindruckte die Dürkheimer so sehr, dass sie für Max II. ein Gedicht verfassten. Es erschien zwei Tage vor seiner Abreise im »Unterhaltungsblatt der Neustadter Zeitung«.
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