Wachenheim
Herbstspaziergang: Lebende und steinerne Säulen auf dem Weg
Gut beschildert führt der Römer-Rundweg zu der Anlage nordöstlich von Wachenheim. Auch gibt es vor Ort Parkmöglichkeiten an der B 271. Derzeit kommen nur wenige Besucher in den sehenswerten Gutshof, dessen Entstehung zwei Jahrtausende weit zurückgeht. Entdeckt wurde er bei einer Flurbereinigung. Das Landesamt für archäologische Denkmalpflege Speyer führte in den 1980er-Jahren die Ausgrabungen durch. Wichtige bauliche Zeugnisse wurden damals restauriert und überkront. Seit rund 30 Jahren engagiert sich der „Förderkreis Villa rustica Wachenheim“ ehrenamtlich für das bedeutende Kulturdenkmal.
Laubhölze zeigen ihr kahles Geäst
Wer zur Herbstzeit hierher kommt, mag angesichts der spätantiken Sarkophage an das Vergängliche und Veränderliche des Daseins denken, während die letzten Blätter der Bäume ringsum zu Boden fallen. Die meisten Laubgehölze zeigen nun ihr kahles Geäst. Doch man sieht zwischen den Mauerzügen auch immergrüne Pflanzen: Das ganze Jahr über trägt die Pinie in ihrer gewölbten Krone ein dichtes Nadelkleid. Auffallend sind auch die schlanken Zypressen: Wie lebende Säulen ragen sie empor. Wegen ihrer Langlebigkeit gelten diese Bäume als Sinnbilder für Dauer und Ewigkeit.
Jupitersäule zu Ehren des Hauptgottes
Sie wachsen nahe des einstigen Herrenhauses. Mit langer Front und Seitenflügeln war es der Hauptbau des Landguts. Heute zeugen noch niedrige Mauern von seinem Grundriss. Vorgelagert war ein langer Wandelgang, gesäumt von Säulen. Von ihnen sieht der Spaziergänger wenige Reste. Nicht weit entfernt steht ein dickeres und längeres Säulenstück. Es soll sich dabei um eine Jupitersäule gehandelt haben, aufgestellt zu Ehren des römischen Hauptgottes. Was an wieder erstellten Grundmauern zu sehen ist, wird weitgehend ins vierte Jahrhundert datiert. Ursprünglich waren die Bauten in Holz errichtet worden. Erst später arbeitete man mit Stein. Den großzügigen Ausbau zeigen Reste des Haupttrakts mit Wohnräumen, Wirtschaftsraum und Backofen, sowie der Vorratskeller. Des weiteren gibt es Badeanlagen zu besichtigen, eine für die Herrschaft, eine weitere für Dienstleute. Alles wird informativ beschildert.
Besucher lernen beim Rundgang viele Dinge
Beim beschaulichen Rundgang lernt der Besucher auch die römische Gartenkultur mit dem Anbau von Nutz-, Heil- und Färbepflanzen kennen. Die Mustergärtchen liegen von Buchsbaumhecken umrahmt, die leider kahl gefressen wurden von der Raupe des Buchsbaumzünslers. Zu sehen ist auf dem Gelände außerdem die Rebkultur im sogenannten Kammertbau. Immerhin war die Villa rustica knapp 500 Jahre besiedelt, danach begann ihr Verfall. Auch von zwei Grabmälern blieb wenig erhalten. Eine kraftvolle Löwenpranke bezeugt, dass die steinerne Raubkatze hier einst über die Toten und ihre Gräber wachte.