Blickpunkt
Helfer aus mobilen Impfteams berichten von ihrer Arbeit
Der Einsatz startet beim Impfzentrum in der Dürkheimer Salierhalle. Dort holt ein Team die abgezählte Menge an Impfstoff ab und packt alles Nötige an Material ein. Ein Impfteam besteht aus einem oder zwei Apothekern, einer Teamleitung, Sachbearbeitern für die Dokumentation, medizinischem Personal, das impfen darf, und einem Arzt, der Aufklärungsgespräche führt. Zusammen geht es in eine der Einrichtungen. Dort bereitet der Apotheker die Ampullen vor. „Aus einer Stechampulle werden sechs Impfdosen“, erklärt Samuel Obländer.
Seit vier Wochen sind die Teams „ziemlich geballt“ unterwegs, erzählt Dominik Decker. „Wir helfen, wie wir Zeit haben“, fügt er an. Die meisten der Termine gingen an Wochenenden über die Bühne, denn die Helfer sind alle berufstätig. Die Teams werden zusammengestellt, nachdem eine Einrichtung die hausinternen Termine geplant hat und klar ist, wie viel Personal dafür benötigt wird.
Erleichterung in Pflegeheimen ist groß
Die Erleichterung unter den Geimpften ist groß, da sind sich die Helfer einig. „Es ist egal, wo wir hinkommen, die Leute sind froh, dass wir da sind. Die Angst vor Corona war groß“, sagt David Flörsch. Das bestätigt Decker – noch deutlicher sei das in den stark von Corona betroffenen Einrichtungen geworden. „In Altenheimen, in denen viele Menschen gestorben sind, hat die Dankbarkeit noch mal eine andere Ebene erreicht“, sagt Decker. „Die Bewohner freuen sich auch, dass sie wieder Besuch bekommen dürfen“, fügt Obländer an, der im Hauptberuf Bildtechniker ist.
Mit Job ist Planung für Helfer nicht immer einfach
Gleich doppelt kann Lia Balzer die aktuelle Lage beurteilen. Vom DRK-Ortsverein Grünstadt aus hilft sie in den Impfteams, beruflich arbeitet sie im Bürgerspital in Wachenheim. Die Impfung gebe Hoffnung. „Es ist erfreulich, dass die Teams da sind, es ist ein erster Schritt zurück zu einem Stück mehr Normalität.“ Allerdings sei die Organisation der Impftermine nicht einfach. „Es wird geplant, dann ist wieder was fraglich, dann wird ein Termin verschoben – das ist auch für uns ehrenamtliche Helfer eher schwer“, erklärt Balzer. „Jeder von uns hat einen Job, da können wir nicht immer reagieren und umplanen“, beschreibt sie das Problem. Dennoch ist sie gerne im Impfteam. Das hat noch einen Grund: „Für uns alle war wichtig, mal wieder tätig zu werden“, denn durch die Pandemie seien Kameradschafts- und Ausbildungsabende oder der Sanitätsdienst weggefallen. „Es ist schön, die Gemeinschaft im DRK wieder erleben und zugleich wieder etwas tun zu können“, sagt Balzer.
Ärzte helfen, Bedenken auszuräumen
Dass auch die Mitarbeiter der Altenheime zur Prioritätengruppe 1 gehören, halten alle für richtig. „Keiner will die Bewohner in Gefahr und das Virus ins Heim bringen“, verdeutlicht Flörsch. Wobei Obländer auch von Sorgen berichtet, weil der Impfstoff neu ist. „Da fragt man sich schon, wo manche ihre Informationen herbekommen“, wundert er sich. Wie DRK-Kreisbereitschaftsleiter Kai Falke ergänzt, seien für solche Fragen die Ärzte im Impfteam zuständig, um Bedenken auszuräumen und aufzuklären.
Zwar haben die ehrenamtlichen Helfer bei der Impfung gar nicht viel Zeit, sich mit den Geimpften zu unterhalten, aber die eine oder andere Anekdote gibt es dennoch zu erzählen. „Da macht schon gerne mal jemand einen Witz“, meint Flörsch und erinnert sich an eine Bewohnerin, die im Scherz so getan hat, als würde die Spritze fürchterliche Schmerzen verursachen. „Sie wollte uns aber nur veralbern“, erzählt Flörsch. Decker berichtet von sarkastischen, von Lachen begleiteten Kommentaren zu den Nebenwirkungen: „Einer meinte zum Spaß, er wäre jetzt bereit für seinen dritten Arm.“ Während Balzer von der Bewohnerin erzählt, die nach der vorgeschriebenen 15-minütigen Wartezeit nach der Impfung nun bitte gern mit dem Taxi nach Hause gefahren werden wollte, fasst Obländer zusammen: „Mit vielen alten Leuten kann man sich auf einem guten Niveau unterhalten.“
Aus den ersten Einsätzen immer mehr gelernt
Dass Obländer und Decker, die beide Notfallsanitäter und deshalb in der ersten Prioritätengruppe sind, hat geholfen: „Wir wurden von Mitarbeitern gefragt, ob wir geimpft sind. Als wir ja gesagt haben, hat das die Skepsis gesenkt“, erzählt Obländer. Hilfreich war auch, was ein Einrichtungsleiter sich einfallen ließ, um den Angestellten und Bewohnern die Angst zu nehmen: „Er hat einen Stuhl vor die Wartenden gestellt, sich gesetzt und sich vor aller Augen impfen lassen“, erinnert sich Oberländer. Es sollte Mut machen und Bedenken zerstreuen.
Zwischen sechs und zehn Stunden dauert so ein Impfeinsatz, „je nach Größe und Organisation des Heims“, so Flörsch. Mit 206 Impfungen war das Bürgerspital in Wachenheim die größte Einrichtung, sagt Balzer, „das hat etwa sieben Stunden gedauert“. Nach und nach habe man bei jedem Termin gelernt, was man besser machen könnte, wie die Räume strukturiert oder wie die Unterlagen vorbereitet werden. „Wir haben auch schnell gemerkt, dass wir einen zweiten Apotheker im Team zum Vorbereiten der einzelnen Dosen brauchen. Das war am Anfang ein Nadelöhr“, erinnert sich Decker und Balzer ergänzt: „Das liegt aber nicht an den Apothekern, sondern daran, dass der Impfstoff so empfindlich ist.“
In ihrem Umfeld halten die vier Ehrenamtlichen die Impfbereitschaft für hoch, sie reden über ihre Arbeit, zeigen Aufklärungsbogen oder Artikel aus seriösen Quellen. „Aber für viele um uns herum ist das Thema noch weit weg“, sagt Flörsch. Denn viele seien erst in späten Priorisierungsgruppen. Und die Nebenwirkungen? „Eine Pflegerin hatte nach der Impfung Bauchschmerzen und Schwindel“, erinnert sich Obländer. Ansonsten kann keiner der vier Helfer von Nebenwirkungen berichten. „Und das bei 1300 Impfungen“, betont Falke. „Selbst Bewohner, die über 100 Jahre alt waren, haben die Impfung gut vertragen“, sagt Flörsch.
„Keine Angst vor Nebenwirkungen“
Was vorläufig von der Impfaktion bleibt? Erst freuen sich Obländer (Ortsverband Deidesheim) und Flörsch (Ortsverband Grünstadt) über die gut funktionierende, „grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, dann fordern sie alle Bürger dazu auf, sich impfen zu lassen, „und wenn man sich informiert, dann bei den richtigen Quellen“, so Flörsch – wie seriösen Medien, dem Bundesgesundheitsministerium, dem Robert-Koch-Institut oder der Corona-Seite des Landes. Decker ergänzt: „Man braucht wirklich keine Angst vor Nebenwirkungen zu haben.“ Und Balzer fügt an: „Wir lassen uns gegen alles mögliche impfen, nur um in Urlaub fahren zu können. Dann sollten wir uns auch jetzt impfen lassen, wo es wirklich wichtig für uns und alle um uns herum ist.“ Das sei auch essenziell, weil die Therapiemöglichkeiten bei Corona-Infektionen „sehr limitiert“ seien. Man könne nur begleitend Medikamente geben und hoffen, dass der Körper sich regeneriere. „Darum ist die Impfung die beste Chance, die wir gerade haben“, so Flörsch.