Friedelsheim
Heimatblätter: Der Neuanfang nach Krieg und NS-Herrschaft
Verfasser ist Ernst Bedau, der bereits mehrere Aufsätze zu geschichtlichen Themen geschrieben hat. Wie er bei der Vorstellung sagte, ging es ihm nicht nur um die Erinnerung an die Jahre der Not in vielen Bereichen. Genauso wichtig war dem Autor, an die Friedelsheimer Persönlichkeiten zu erinnern, die nach dem Zusammenbruch des faschistischen NS-Regimes in Zeiten großer Rechtsunsicherheit Einzigartiges geleistet haben. Pfarrer i. R. Helmut Meinhardt referierte bei der Vorstellung über die Nachkriegsjahre in Gönnheim.
In den Dokumenten aus den Jahren 1945 bis 1948 sei er überwiegend Männern begegnet, deren Handeln ihn mit Hochachtung erfüllt habe, schreibt Bedau im Vorwort, man dürfe sie durchaus als Helden ansehen. Der erste Teil der Heimatblätter befasst sich mit der letzten NS-Gemeinderatssitzung im März 1944 und den Bürgerratssitzungen von 1945 und 46. Im März 1945 marschierten die Amerikaner in Friedelsheim ein. Beherzte Einwohner hatten dafür gesorgt, dass alle Panzersperren offen blieben.
Auf Amerikaner gewartet
Einer der noch lebenden Friedelsheimer Zeitzeugen, Claus Bletzer, erinnert sich, dass die Einwohner seinerzeit ängstlich auf das Eintreffen der Amerikaner gewartet hatten. Der mennonitische Pastor Foth sorgte damals unter Lebensgefahr dafür, dass auf dem Burgturm eine weiße Fahne aufgezogen wurde. Nach dem Einmarsch trauten sich die Friedelsheimer erst langsam wieder aus ihren Häusern.
In den Städten herrschte die Sorge um die nackte Existenz, auf dem Land drückten die Ablieferungsverpflichtungen. Dieses Ungleichverhältnis von Stadt- zu Landbewohnern hatte einen Diebstahltourismus zur Folge, der das an der Rhein-Haardtbahnstrecke gelegene Friedelsheim besonders hart traf.
Mit Feldschützen-Patrouillen versuchten sich die Bewohner zu schützen. In der französischen Besatzungszone, zu der die Pfalz gehörte, war die Versorgung schlechter als in der amerikanischen und britischen. Hinzu kam die ständige Rechtsunsicherheit: Waren die Vorschriften aus der NS-Zeit automatisch außer Kraft gesetzt, was sollte mit Angestellten mit NS-Funktion passieren, welche NS-Vergangenheit war hinnehmbar, welche nicht?
Die Männer der ersten Nachkriegsstunde
Der von der Besatzungsmacht eingesetzte Nachkriegsbürgermeister war Ökonomierat Georg Friedrich Beck. „Die richtige Person am richtigen Platz“ – zu dem Schluss kam Bedau bei seinen Recherchen. Ihm sei es zu verdanken gewesen, dass die „richtigen Leute“ für den Wiederaufbau demokratischer Strukturen im Ort berufen wurden, darunter der Beigeordnete August Messing, als einer der wichtigsten. Entnazifizierungsakte und der Lebenslauf von Beck sind im Heft abgedruckt.
Er war nach der Machtübernahme der Nazis aus sämtlichen öffentlichen und ehrenamtlichen Funktionen entlassen worden. Bedau stellt die „Männer der ersten Stunde“ ausführlich vor. Am 22. September 1946 fand die konstituierende Sitzung des ersten, in freien demokratischen Wahlen legitimierten Gemeinderats statt, Beck wurde zum Bürgermeister gewählt, August Messing zum Beigeordneten. Etwa die Hälfte der Gemeinderäte trugen Namen, die es bis heute in Friedelsheim gibt.
Erste Überlegungen zum Wiederaufbau
In den Gemeinderatsprotokollen wird ersichtlich, welche Themen das Gremium umtrieben. Zum Beispiel bat die Stadt Bad Dürkheim die Nachbargemeinden um Unterstützung bei der Schuttbeseitigung der zerstören Häuser. Der Friedelsheimer Rat bewilligte 15 Gespanne für vier Tage. Oberbaurat Gräbner stellte Pläne zum Bau eines Spritzenhauses und von Abortanlagen am Schulhaus vor. Wie sollten Nichtfuhrwerksbesitzer ihr Holz nach Hause bekommen? Eine Kommission von drei Ratsmitgliedern bekam den Auftrag, Fuhrwerksbesitzer zu verpflichten.
Ein anderes Thema, heute so aktuell wie damals, war die Erweiterung oder Neugestaltung des nordwestlichen Teils des Friedhofes. Man entschied sich für die Neugestaltung, aber die notwendige Entfernung der Baumallee schmerzte. Als Maßnahme der „politischen Reinigung“ verfügte das Oberregierungspräsidium, dass alle Gemeinderatsmitglieder die Angaben des Bürgermeisters und Adjunkten (Beigeordneten) zu ihrer Stellung im NS-Staat unter persönlicher Haftung bestätigen und verbürgen müssten. Das erachteten die Ratsmitglieder als unbilliges Verlangen und lehnten eine persönliche Bürgschaftsleistung einstimmig ab.
Für die zu erwartenden Ostflüchtlinge sollte die Wohnungskommission „Quartier machen lassen.“ Die meisten Fragen drehten sich jedoch weiterhin um die zu leistenden Abgaben und die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Brennholz. Zu all dem schmälerte der trockene Sommer 1947 die Ernte. Mit einem kurzen Ausblick auf die Zeit nach der zweiten Nachkriegswahl im November 1948 enden die zehnten Heimatblätter.
Heimatblätter
Zu beziehen sind die Heimatblätter bei Peter Fleischer, Telefon 0172 6100342, oder Ernst Bedau, 06322 9898955, für 10 Euro. Der Erlös kommt vollständig der Otmar-Fischer-Stiftung zugute.