Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Handwerk: Der erhoffte Schub bleibt aus

Über zu wenig Arbeit konnten sich viele Handwerker in der Region in diesem Jahr nicht beschweren. Allerdings habe die temporäre
Über zu wenig Arbeit konnten sich viele Handwerker in der Region in diesem Jahr nicht beschweren. Allerdings habe die temporäre Mehrwertsteuersenkung dabei nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

Die Mehrwertsteuersenkung, mit der die Regierung die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abmildern wollte, läuft zum Jahresende aus. Unter anderem das Handwerk sollte damit unterstützt werden. Doch hat die Maßnahme den Handwerkern mehr Aufträge beschert?

„Wir hatten das ganze Jahr über eine starke Auslastung“, sagt Petra Dick-Walther von der Dachdeckerei Emil Walther und Söhne in Bad Dürkheim. Aber: Kein einziger Kunde habe ausdrücklich wegen der dreiprozentigen Ersparnis einen Auftrag erteilt. Allerdings gab es im zweiten Halbjahr vermehrt Anfragen, ob die Dachdecker ihren Auftrag noch vor Ablauf der Frist zum Ende des Jahres fertigstellen könnten, damit man in den Genuss der Ermäßigung komme. Den für sechs Monate geänderten Steuersatz organisatorisch zu bewältigen, sei schon sehr viel Aufwand gewesen, sagt Dick-Walther. Attraktiver hätte sie die Laufzeit von einem Jahr gefunden. „Aber der Staat braucht die Steuern“, sagt Dick-Walther, die für die FDP unter anderem im Dürkheimer Stadtrat sitzt und für den Landtag kandidiert.

Hauptsache wieder ein beständiger Satz

„Wenn überhaupt, dann hat uns die Absenkung ganz wenige zusätzliche Aufträge gebracht“, lautet die Einschätzung von Stephan Schäfer. Er betreibt eine Schreinerei in Gönnheim und erledigt auch Aufträge für den Innenausbau. Allerdings hätten die Kunden öfter darauf gedrängt, eine begonnene Maßnahme bis Ende des Jahres abzuschließen, um die drei Prozent „mitnehmen zu können“, berichtet Schäfer. Er ist froh, wenn der Mehrwertsteuersatz wieder „beständig ist“ – ob 16 oder 19 Prozent sei ihm egal, bekennt er. Hauptsache der aufwendige Wechsel höre auf.

Auch in der Freinsheimer Schreinerei von Petra Katz hat sich der Umsatz durch die Steuersenkung nicht merklich gesteigert. Nur laufende Aufträge hätten die Kunden dieses Jahr gerne erledigt, um von der Steuersenkung zu profitieren. Hinzu kommt bei der Schreinerei Katz, dass sie auch für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen arbeitet. Hier sei der Zutritt in den vergangenen Monaten nur sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich gewesen, sagt Katz. Zudem wolle wegen der Pandemie derzeit keine der Einrichtungen investieren.

„Richtig durchschlagend war das nicht“, meint auch Sybille Schwarz von der gleichnamigen Schreinerei in Wachenheim. Sie habe viele ältere Kunden. Diese hätten aus Angst vor Ansteckung kaum Aufträge vergeben, erzählt die Wachenheimerin. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Steuersenkung ein Jahr laufen zu lassen, sagt auch sie.

„Kein wirklich großer Posten“

„Es war das ganze Jahr viel los. Da kann es sein, dass da der eine oder andere dabei war, der die drei Prozent mitnehmen wollte“, berichtet Michael Köhler von Elektro-Köhler in Wachenheim. Der Handwerksbetrieb macht Elektroinstallationen und verkauft Haushaltsgeräte. Dass der Boom für Handwerker eingetroffen ist wie erhofft, wage er aber zu bezweifeln, sagt Köhler. Bei den drei Prozent handle es sich auch nicht um „einen wirklich großen Posten“. „Für mein Geschäft hat es nicht viel gebracht“, so sein Fazit.

Auch in seinem Handwerksbetrieb für Elektrotechnik in Weisenheim am Sand hat Peter Josy kaum Auswirkungen der Steuersenkung bemerkt. Er habe ohnehin das ganze Jahr über an der Belastungsgrenze gearbeitet, weil im Moment generell „viel gebaut und renoviert wird“. Mehr Aufträge hätte er deshalb kaum annehmen können.

Sowieso „gut ausgelastet“ war auch Thomas Kalbfuß, Heizung und Sanitär, Bad Dürkheim. Allerdings bäten ihn Kunden darum, seine Arbeiten noch in diesem Jahr abzuschließen, um von der Steuersenkung profitieren zu können. Das habe er in den letzten sechs, acht Wochen schon gemerkt, sagt der Firmenchef.

x