Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Halloween: Unheimliches in Bad Dürkheim und in der Region

Um das Kloster Limburg rankt sich die Sage um den Teufelsstein.
Um das Kloster Limburg rankt sich die Sage um den Teufelsstein.

Weiße Frauen, Raubritter, Geister, Hexen und mehr: Die Pfalz hat auch ihre dunklen Seiten. Um viele Orte ranken sich schaurige Sagen und Legenden. Von diesen erzählt der Bildband „Spukorte in der Pfalz“ von Ulrich Magin und Peter Kauert. Auch von einigen Plätzen in Bad Dürkheim und der Umgebung wird Unheimliches berichtet ...

„Die Geister der Vergangenheit sind die unheimlichsten Bewohner der Pfälzer Burgen und Klöster“, heißt es in dem kürzlich vom Agiro Verlag herausgegebenen Bildband „Spukorte in der Pfalz“. Darin können Sie die Pfalz einmal von ihrer dunklen Seite kennen lernen, festgehalten in schaurigen schwarz-weiß Fotos vom Ludwigshafener Fotograf Peter Kauert. Ergänzt werden die atmosphärischen Aufnahmen von Ulrich Magin, der sich als Journalist und Autor viel mit Sagen, alten Chroniken und Augenzeugenberichten rund um die Pfalz beschäftigt. Passend zu Halloween gibt ein kleiner Auszug aus dem Buch einen Überblick über die Gruselorte in Bad Dürkheim und der Umgebung.

Der Ungeheuersee bei Weisenheim am Berg: Liegt tief unten ein Zauberschloss?
Der Ungeheuersee bei Weisenheim am Berg: Liegt tief unten ein Zauberschloss?

Der Ungeheuersee

Allein schon wegen seines Namens hat der Ungeheuersee einiges an Grusel-Potenzial. Und auch die Geschichten, die sich um den Regenmoorteich im Leininger Sporn ranken, sorgen für Gänsehaut. So sollen dort laut mündlichen Überlieferungen unheimliche Waldgeister um Mitternacht ihr Unwesen treiben und nächtliche Besucher gefangen nehmen. Vor langer Zeit hat zudem, so erzählt man sich, eine böse Waldfee kleine Kinder geraubt und sie in die Tiefe des Sees zu sich in ihr Zauberschloss gezogen. Doch nicht nur ein Schloss soll sich am Grunde des ungeheuerlichen Sees befinden. Wird einer weiteren Sage Glauben geschenkt, sind während des Dreißigjährigen Krieges auch die Kirchenglocken der Protestantischen Kirche von Weisenheim am Berg an der tiefsten Stelle des Sees versenkt worden, um sie vor dem Feind zu retten. Dort befinden sie sich wohl noch bis heute, denn keiner der Augenzeugen überlebten den fürchterlichen Krieg.

Die Wachtenburg: Der Weiße Peter hat sich hier fast zu Tode gefürchtet.
Die Wachtenburg: Der Weiße Peter hat sich hier fast zu Tode gefürchtet.

Die Wachtenburg

Während in vielen anderen Spukorten der Pfalz eine weiße Frau gesehen worden sein will, ist es in Wachenheim ein Weißer Herr, dessen tragische Geschichte einen das Fürchten lehrt. Der Weiße Peter wurde er genannt, weil seine blonde Haarpracht über Nacht schlohweiß wurde – aus lauter Schreck vor dem, was ihm in der Wachtenburg passiert ist. Als er sich eines Nachts in die alte Burg schlich, um den Burgschatz zu stehlen und so seiner Armut ein Ende zu bereiten, stieß er im finsteren Keller auf ein buckliges, graues Männchen. Das verriet ihm, wie er an den Schatz kommt, warnte aber zugleich davor, dass das Gold von einem Höllenhund bewacht wird, der nur durch das Zauberwort „Zufriedenheit“ besänftigt werden kann. Andernfalls würden die Ritter, die schlaftrunken ihre Schwerter und Schilder neben sich, im großen Saal saßen, durch das Bellen des Hundes erwachen und ihn töten. So zog Peter los, immer das Wort „Zufriedenheit“ murmelnd. Doch davon blieb beim Anblick des zähnefletschenden Hundes nicht mehr viel übrig. Er vergaß das Wort und rannte voller Panik die halb eingefallenen Gänge entlang. Verfolgt von den erwachten Rittern und dem wilden Tier schaffte er es mit letzter Kraft aus der Burg. Als er am nächsten Tag vor der Wachtenburg gefunden wurde, war er kaum wieder zu erkennen: Es heißt, er war über Nacht „ein altes Männlein mit weißem Schopfe“ geworden, dem der Schreck für immer ins Gesicht geschrieben stand.

Der Hexenstein: Er erinnert an die „Hexenkäth“.
Der Hexenstein: Er erinnert an die »Hexenkäth«.

Der Hexenstein

Von der Wachtenburg erzählt man sich eine weitere finstere Geschichte. Es geht um die Sage von der tapferen „Hexenkäth“, die im schicksalsträchtigen Jahr 1689 versucht haben soll, Wachenheim vor der Zerstörung durch die französischen Besatzer zu bewahren. Leider ist ihr das nicht gelungen, stattdessen ging die unten liegende Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg in Flammen auf. Der Legende nach soll die Käth das Verbrechen zwar gerächt haben, starb jedoch trotzdem durch einen Verfolger während ihrer Flucht auf jenem Berg, der damals als „Hexenplatz“ bekannt war. Erzählungen zufolge sollen dort allerlei heidnische Rituale vollzogen worden sein. 1981 wurde dort dann der Hexenstein vom Wachenheimer Pfälzerwald Verein aufgestellt. In ihn ist vom Bildhauer Walter Vogt ein Sandstein-Relief der „Hexenkäth“ gemeißelt, als Erinnerung an die Sage um das Schicksal des Mädchens.

Das Schwarze Kreuz: Im Volksmund gilt es als Sühnezeichen für einen Mord.
Das Schwarze Kreuz: Im Volksmund gilt es als Sühnezeichen für einen Mord.

Das Schwarze Kreuz

Als das Schwarze Kreuz von Freinsheim, von dem die umliegenden Weinlagen ihren Namen haben, um 1430 entstanden ist, sah es noch deutlich freundlicher aus als heute. Es war noch nicht schwarz von der Witterung, sondern aus hellem Sandstein gehauen – und noch nicht beschädigt. Das Flurdenkmal zeigt eine Kreuzigungsszene, unter dem Kruzifix sind vier Heilige dargestellt. Es wird vermutet, dass es sich dabei um Maria und Johannes und Katharina und Barbara handelt.

Doch sicher sein kann man da nicht, denn: Allen Figuren sind die Köpfe abgeschlagen worden. Höchstwahrscheinlich ist dem Kreuz sein unheimliches Merkmal während der Französischen Revolution beigebracht worden. Im Volksmund wird das Kreuz außerdem als Sühnezeichen für einen Mord gedeutet. Der breite Sockel des Kreuzes soll noch bis ins 19. Jahrhundert hinein als Opferstein gedient haben, auf dem alle Wanderer, die vorbeikamen, eine Münze für die Armen niedergelegt haben.

Der Teufelsstein

Ein weiteres sagenumwobenes Gemäuer in der Pfalz ist das Kloster Limburg, dessen beeindruckende Ruine bis heute über Bad Dürkheim thront. Als das mächtige Gebäude im 11. Jahrhundert gebaut wurde, soll sogar der Teufel vorbei geschaut haben. „Ein Wirtshaus wird hier gebaut“, wurde ihm gesagt und er zog zufrieden von dannen. Als er bemerkte, dass statt der sündigen Schänke ein Kloster auf dem Berg errichtet worden ist, schleuderte er der Sage nach voller Wut einen großen Felsklotz auf das Gotteshaus. Der Felsbrocken wurde in seinen Händen durch das fromme Kirchengeläut jedoch weich wie Butter und die Abtei blieb verschont, heißt es weiter. Bis heute könne man die Abdrücke seiner Krallen im Teufelsstein sehen.

Früher sollen auf dem Gipfelplateau an dem gut zweieinhalb Meter hohen und vier Meter breiten Stein auch Opferzeremonien abgehalten worden sein. Wer genau hinsieht, kann runische Zeichen, römische Buchstaben und Zahlen sowie Steinmetzzeichen erkennen, für die es verschiedene Deutungsansätze gibt.

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