Bad Dürkheim
Gut gebrüllt, Löwe!
Lautes Löwengebrüll und zartes Hasengeflüster: Wie abwechslungsreich Geschichten klingen können, das haben am Mittwoch kleine und große Zuhörer im Mehrgenerationenhaus Bad Dürkheim erlebt. Selma Scheele bezauberte mit spannender Erzählkunst.
„Brüllende Löwen beißen nicht“, heißt das Programm, das die Erzählerin und Theaterpädagogin im Rahmen des achten internationalen Erzählfestes der Metropolregion Rhein-Neckar mitgebracht hat. Die Kinder der Salierschule sind im Handumdrehen gepackt: Schon wie Selma Scheele ihnen im Mehrgenerationenhaus „Guten Tag“ sagt, lässt aufhorchen: Erst etwas träge, dann munter und schließlich richtig lebhaft. Wie sie ins Publikum hinein ruft, so schallt es wieder heraus.
Die in Köln lebende Künstlerin hat sich vor zehn Jahren auf die Erzählkunst spezialisiert. Als großes Plus ihrer Darbietung erweist sich, dass sie besonderen Wert auf Austausch mit dem Publikum legt. Ihre Zuhörer lässt sie unmittelbar miterleben und sogar selbst mitmachen.
Sonne und Mond streiten sich
Wenn sie vom Geschichtensammler Kwaku Anansi berichtet, entstehen immer neue Bilder. Man sieht sie tatsächlich vor sich, die Szenen aus altüberlieferten Sagen und Mythen afrikanischer Länder, phantasievoll verändert und ergänzt. So erfahren die Zuhörer, wie Sonne und Mond in Streit geraten und dadurch Tag und Nacht entstehen, aber auch, wie sich beide halbwegs wieder versöhnen und manchmal zusammen am Himmel zu sehen sind.
Bei den lebendigen Schilderungen wird es mitunter mucksmäuschenstill im Raum, etwa wenn Sterne über dem Meer blinken und die Fische im Wasser glitzern. Dann geht es wieder lebhaft zu, und alle schwingen sich an Lianen durch einen Dschungel.
Wenn es spannend wird, grollt Donner
Viel Material braucht die Erzählerin nicht. Weder Verkleidung noch Bühnenzubehör, nur einige Instrumente wie Kalimba und Ukulele unterstreichen die atmosphärische Wirkung. Auch das Effektinstrument der Spring-Drum kommt zum Einsatz, wenn die Geschichte besonders spannend wird und hallender Donner grollt.
Ihre Worte verstärkt Scheele durch ausdrucksvolle Mimik und bewegte Körpersprache. Sie schlüpft in vielfältige Rollen, bringt mit wechselnden Stimmen zornige Bienen zum Summen, einen gestochenen Löwen zum Brüllen und einen schüchternen Hasen zum Flüstern. Liebliche bis geheimnisvolle Stimmungen fängt sie ein. Fast wie der Held Anansi, der Geschichten sammelt und in einen Kürbis sperrt. Eigentlich will dieser märchenhafte Spinnenmann die gesammelten Erzählungen alle für sich behalten. Doch zuletzt erleben die Zuhörer, wie sein Kürbis zerspringt, und der Wind die Geschichten in sämtliche Länder der Erde trägt. So muss es wohl gewesen sein, weil auch die Dürkheimer Kinder sie so hautnah erleben konnten.