Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Grandios“: CDU feiert Merz, bleibt bei Trump-Besuch aber skeptisch

Ein „Revoluzzer“ für den Kanzler: Generalsekretär Johannes Steiniger überreicht Bundeskanzler Friedrich Merz ein Weinpräsent.
Ein »Revoluzzer« für den Kanzler: Generalsekretär Johannes Steiniger überreicht Bundeskanzler Friedrich Merz ein Weinpräsent.

Europa in der Hauptrolle, Trump als Nebendarsteller: Friedrich Merz hat in Bad Dürkheim den weltpolitischen Bogen gespannt – und kam am US-Präsidenten nicht vorbei.

Zwischen Standing Ovations und nachdenklichen Momenten: Friedrich Merz hat am Freitagabend in Bad Dürkheim eine Rede gehalten, die von europäischer Einheit, sicherheitspolitischen Herausforderungen und einem Seitenhieb auf den US-Präsidenten geprägt war. Die anwesenden Christdemokraten aus der Region lassen durchblicken, wie sie zum Kurs ihres Vorsitzenden stehen – und für wie wahrscheinlich sie einen Trump-Besuch in der Heimat seines Großvaters halten.

Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt nutzt den Kanzler-Besuch, bei dem sie Merz zum ersten Mal direkt getroffen hat und ihm die Hand schütteln konnte, auch für ein Treffen mit CDU-Bekannten aus der Region. „Das ist wie ein Familientreffen“, sagt sie kurz nach Merz’ Abreise umringt von Parteikollegen vor der Bühne. Es sei ihr eine Ehre gewesen, den Kanzler in der Kurstadt willkommen zu heißen. „Das ist schon etwas Besonderes gewesen und alles andere als alltäglich“, weiß Bauernschmitt. Die freie Rede des Kanzlers hat sie beeindruckt: „Toll fand ich, wie er in seiner Grundsatzrede mehrfach den Bogen zu Stadt und Region spannte und sowohl die knappe Bürgermeisterwahl als auch den eigenen Wurstmarktbesuch vor 50 Jahren angesprochen hat.“

Oliver Pallasch, Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU) Bad Dürkheim, hatte Merz schon einmal bei einem Parteitreffen gesehen, das war allerdings vor seiner Zeit als Kanzler. „Beim Einlaufen konnte ich ihm die Hand schütteln“, freut sich Pallasch. „Er hat schon Ausstrahlung, die Rede war fesselnd.“ Das staatsmännische Auftreten und die Kombination aus ernsten Themen und gut platzierten Lachern haben seine Erwartungen übertroffen.

Probleme, genügend junge Menschen als Ordner für den Wahlkampfabschluss zu finden, hatte der 23-jährige angehende Volkswirt nicht: Rund 50 Unterstützer der JU Bad Dürkheim, aus Neustadt sowie vom Landesverband und der Schülerunion hatten für Stimmung gesorgt. Dass der US-Präsident allerdings tatsächlich zum Wurstmarkt kommt, kann sich Pallasch nur schwer vorstellen: „Das wäre wohl ein zu großer Aufwand für den Secret Service.“

Nicht vorstellen kann sich das auch Fred Krebs, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Freinsheim. Aber: „Wir werden auch das schaffen“, zitiert mit einem Augenzwinkern den Kallstadter Bürgermeister Thomas Jaworek, der seit Jahren die Möglichkeit eines Trump-Besuchs kommentieren muss.

Europa als Basis

Von der Merz-Rede zeigt sich Krebs begeistert. „Superstark“ fand er die gut 45-minütige Ansprache. Besonders in Erinnerung wird er die klare Ausrichtung auf Europa im Gedächtnis behalten, sagt der Freinsheimer. Diese sei für die CDU die Basis für alles Weitere. Es war nicht das erste Mal, dass er Merz erlebt habe. Vor 20 Jahren sei der heutige Kanzler in Freinsheim im Von-Busch-Hof zu Gast gewesen. Schon damals sei er eloquent gewesen, erinnert sich Krebs, aber noch nicht so staatsmännisch wie heute.

Weiter vorne in der Halle in der Halle konnte der Wachenheimer Verbandsbürgermeister, Torsten Bechtel, die Merz-Rede verfolgen. Diese sei „grandios“ gewesen. Es gelinge dem Kanzler, auf dem großen Parkett zu agieren und dabei viele Herzen zu berühren. Im Zusammenhang mit Trump habe der Kanzler den richtigen Ton getroffen, die amerikanische Freundschaft betont, die gebotene Ernsthaftigkeit aufgezeigt, seine Rede aber auch mit einer „Prise Humor“ gewürzt, findet Bechtel.

Besonders eindringlich findet der Wachenheimer Bürgermeister das Merz’sche Plädoyer für Europa. Das sieht auch Sven Hoffmann so, Erster Beigeordneter des Landkreises Bad Dürkheim, der die Rede als „herausragend“ lobt.

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