Bad Dürkheim „Gottesdienst ist kein Zwang“

Julia Heller.
Julia Heller.

Julia Heller, bisher Pfarrerin in der Gemeinde Kirchheim-Kleinkarlbach, wird neue Pfarrerin in Wachenheim. Die 45-Jährige ist Nachfolgerin von Manfred Storck, der zum Schuljahresanfang in den Schuldienst in Kaiserslautern wechselte. Heller tritt ihre neue, volle Stelle voraussichtlich Anfang nächsten Jahres an, wie Dekan Stefan Kunz gestern auf Nachfrage informierte.

Julia Heller freut sich auf ihre neue Aufgabe weiter südlich an der Weinstraße. Es sei „großartig“, sagte sie gestern im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass so viele „Dinge zusammengekommen sind“, und sie den Zuschlag für Wachenheim bekommen habe. Bereits vergangene Woche wurde sie in nicht-öffentlicher Sitzung vom Presbyterium in Wachenheim als neue Pfarrerin gewählt, wie das Dekanat erst gestern mitteilte. Es habe einen Konkurrenten gegeben, mehr wollte Heller nicht zum Verfahren sagen. Sie habe sich nicht gegen ihre alte Gemeinde, die mit Kirchheim, Kleinkarlbach, Bissersheim und Battenberg vier Orte umfasst, entschieden, sondern für etwas Neues. Vier Gemeinden „unter einen Hut zu bringen mit zehn Gebäuden, darunter vier Kirchen – das ist schon eine Aufgabe“, so die Theologin. In dieser Hinsicht werde Wachenheim einfacher, wobei die Größe etwa gleich bleibe mit 1800 Mitgliedern. Sie freue sich auf eine „aktive, lebendige Gemeinde“. Wachenheim habe verschieden gestaltete Gottesdienste, etwa den „Go special“ mit Livemusik oder die Sommerkirche mit Gottesdiensten auf Weingütern oder auf der Burg. „Das wird spannend“, sagte Heller. Daneben sei ihr die Jugendarbeit und die Seelsorge wichtig. Schon in ihrer jetzigen Gemeinde habe sie einen Krabbelgottesdienst initiiert, bei Bibelwochen in den Herbstferien arbeiteten viele Jugendliche mit, die bereits konfirmiert seien, also freiwillig mitmachten. Ansonsten „komme ich nicht mit einem fertigen Konzept nach Wachenheim, ich schaue, was die Menschen sich wünschen, was möglich ist.“ Auf die Frage, wie sie es mit der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare halten will, reagierte Heller zurückhaltend. „Da werde ich drangehen, wenn ich die Leute kenne.“ Drängend sei das Thema ohnehin nicht. „Schwule und Lesben rennen uns nicht die Türen ein.“ Sie wolle das Presbyterium nicht zu etwas zwingen, bei dem sie selbst noch „nicht fertig“ sei. Andere Themen seien zudem viel wichtiger. Etwa Bauangelegenheiten, Geld, Gottesdienste oder Mitgliederzahlen. Heller hat zwei Töchter (15 und 13 Jahre alt) und einen Sohn (10). Für die Kinder ist der Jobwechsel ihrer Mutter nicht mit einem Schulwechsel verbunden: Sie sind bereits am Werner-Heisenberg-Gymnasium. Ihr Mann ist Förderlehrer an verschiedenen rheinland-pfälzischen Schulen. Ihre Kinder zwinge sie keineswegs zum Gottesdienst, sagte sie lachend. „Da hilft kein Zwang, das ist Beziehungsarbeit.“ Die 45-Jährige stammt aus Rülzheim und hat in Bayern und Heidelberg Theologie studiert. Als Pfarrerin arbeitete sie auch schon in Oggersheim, das Rebenland aber ist ihr Favorit. Bevor Heller mit Familie ins Pfarrhaus Wachenheim einzieht, wird es renoviert. Bis dahin hat der Deidesheimer Pfarrer Hans-Peter Jung die Vertretung.

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