Blickpunkt Wirtschaft
Glasklar spült wieder zu Hause
„Wir haben gerade fast 400.000 Euro in unseren Flaschenspülbetrieb in Wachenheim investiert und wollen uns hier weiter engagieren, es ist fast wie ein Neustart“, sagt der 57-jährige Firmenchef Stefan Fey zum Umzug. Noch vor gut einem Jahr war eigentlich das Verlegen des Wachenheimer Betriebs an den neuen Standort in Offenbach an der Queich geplant gewesen, dann habe sich im Frühjahr 2020 Corona mit allen negativen Auswirkungen gezeigt.
Zurück Am Alten Galgen
Wie berichtet, hatte sich die von Fey vor 28 Jahren gegründete Kurpfalz GmbH Anfang 2017 bei einem Spülbetrieb in Offenbach eingemietet. „Wir haben den Mietvertrag mit den alten Eigentümern einvernehmlich zum 15. September 2020 aufgelöst.“ Danach habe Glasklar den alten Standort modernisiert und „seit 1. Januar spülen wir wieder voll hier in Wachenheim“, sagt Stefan Fey.
Konzentrieren wolle sich der Betrieb künftig auf Eigenproduzenten, vor allem auf Genossenschaften und Kellereien. .„Nachdem wir vor vier Jahren zunächst unsere Kapazitäten, gerade im großgewerblichen Bereich mit Ein-Liter-Mehrwegflaschen in Offenbach deutlich erweitert hatten, waren wir nun aufgrund der massiv veränderten Marktsituation gehalten, unsere betriebliche Ausrichtung zu überprüfen“, betont Fey. Der unabsehbare Ausfall von Großveranstaltungen, den Wein- und Hoffesten, den Weihnachtsmärkten sowie massiver Absatzrückgang im Gastronomiebereich habe dabei eine entscheidende Rolle gespielt. In Offenbach hatte der Betrieb schon gut 50.000 Flaschen täglich gespült, in Wachenheim rund 25.000, also über 75.000 am Tag in beiden Werken. 36 Mitarbeiter beschäftigte der Betrieb an beiden Standorten. Und jetzt?
Gestiegener Platzbedarf
22 feste Mitarbeiter – früher 18 – stemmen inzwischen die Arbeit, die ausschließlich am alten Standort in Wachenheim abgewickelt wird. Zwei Lkw-Fahrer seien eingestellt worden. „Wir haben unser Stammwerk in Wachenheim natürlich nie aus den Augen verloren“, ergänzt der Firmenchef. Unterstützung wegen des gesteigerten Raumbedarfs habe der Mittelständler inzwischen von der Verbandsgemeinde Wachenheim erhalten. Glasklar könne angrenzende Pachtflächen des Bauhofs nutzen, außerdem habe der Betrieb eine Fläche in Bad Dürkheim angemietet. Das Firmenareal sei so um gut 800 auf rund 3000 Quadratmeter gewachsen. „Der Platzbedarf war ja damals der Grund für den Weggang.“
Künftig will Glasklar auch mehr Flaschen spülen als vor dem Umzug, bis zu 40.000 Flaschen täglich seien anvisiert. Momentan seien es rund 150.000 in der Woche. Und in gut zwei Jahren strebe er einen Jahresumsatz von 1,3 bis zu etwa 1,5 Millionen Euro an. „Aber das genaue Volumen kann ich natürlich noch nicht vorhersagen. Es ist sehr viel positive Bewegung hier“, so Fey.
Zum Einsatz komme die bewährte und sehr flexible Flaschenspülanlage aus Edelstahl, die unter anderem mit neuen Transportbändern ausgestattet worden sei. Investiert wird in eine neue Heizungsanlage, eine kombinierte Gas-Blockheizkraftanlage und eine Kapselabschneidemaschine. Ein neuer Edelstahlsammeltisch werde wohl bis Ende Februar installiert.
„Durch die stetige Weiterentwicklung in verbesserte Prozesse und Investitionen in die neueste Generation der Energieerzeugung sind am Standort Wachenheim leistungsstarke Spülkonzepte vorhanden“, sagt Fey. Mit der neuen Heizung spare der Betrieb zudem jährlich künftig 600 Tonnen CO 2 ein. Eine bei Glasklar in Wachenheim gespülte Mehrwegflasche erzeuge nur etwa 11 Gramm CO 2 , rechnet Fey vor. Eine im Altglascontainer eingeworfene Flasche werde zu fast 85 Prozent recycelt. Doch der Energieaufwand zum Sammeln, Sortieren, Brechen, Aufschmelzen und zur Neu-Flaschen–Formung benötige rund 380 Gramm CO 2 .
Etwa 550 Kunden in Kartei
Mit der neuen Technik habe er auch neue Kunden überzeugen können, so habe er auch Winzer aus der Südpfalz mitgenommen: „Die sind uns treu geblieben.“ Glasklar habe weiterhin auch an der Unterhaardt sowie im Rheinhessischen Neukunden gewinnen können. Zahlreiche kleine Flaschenspülbetriebe hätten in der Vergangenheit ihre Aktivitäten eingestellt. „Die Flaschen werden mit unserer eigenen Logistik direkt beim Kunden abgeholt, in Wachenheim sortiert, gereinigt, palettiert, wie Neuglas verpackt und wieder an unsere Kunden zurückgeliefert“, erklärt Fey
In seiner Kundenkartei fänden sich inzwischen rund 550 Namen und die Auftragsbücher seien zur Zeit gut gefüllt: Die Frage, ob dieser Umzug an den alten Standort Am Alten Galgen 6 A samt Investitionen ein „klares Bekenntnis zu Wachenheim“ sei, beantwortet Stefan Fey mit einem klaren „Ja“.