Bad Dürkheim
Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu
Im Jahr 2020 hat die Polizei in der Stadt Bad Dürkheim sowie den Verbandsgemeinden Freinsheim und Wachenheim 2417 Straftaten erfasst. 2019 waren es 2395 Delikte. Das entspricht einem Anstieg von 0,9 Prozent. Im Land Rheinland-Pfalz wurde dagegen ein Rückgang von 4,6 Prozent verzeichnet. „Die Entwicklung wurde in vielen Deliktsbereichen sehr stark durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinflusst“, fasst der stellvertretende Inspektionsleiter Daniel Mischon die Statistik zusammen. Zum einen sei das öffentliche Leben mehrere Wochen heruntergefahren gewesen, zum anderen habe es keine Wein- oder Dorffeste gegeben, auf denen es immer wieder zu Delikten wie Körperverletzung oder Diebstahl komme. Auch der Wurstmarkt musste abgesagt werden.
Dass es sich in der Region vergleichsweise sicher lebt, zeigt ein Blick auf die sogenannte Häufigkeitszahl, die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner: Diese liegt für das Gebiet der Polizeiinspektion Bad Dürkheim bei 5496, im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Rheinpfalz beträgt sie 6354. 64 Prozent der Taten wurden rund um Dürkheim aufgeklärt.
Weniger Einbrüche
„Die Anzahl der Einbrüche ist 2020 exorbitant zurückgegangen“, erklärt Inspektionsleiter Thomas Jung. Waren es 2019 noch 62 Fälle, so sank die Anzahl 2020 auf 27 – ein Rückgang von rund 56 Prozent. Grund sei dafür vermutlich, dass die Menschen wegen der Corona-Beschränkungen öfter zu Hause waren, so Mischon. Von den 27 Fällen scheiterten zwölf bereits im Versuchsstadium. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von 32,3 auf 48,1 Prozent. „Unsere Ermittlungsgruppe Wohnung, die in Neustadt sitzt, macht gute Arbeit“, lobt Jung.
Ebenfalls einen Rückgang gab es bei den Eigentumsdelikten: von 680 im Jahr 2019 auf 611 im vergangenen Jahr. Diesem Bereich werden traditionell die meisten Straftaten zugeordnet. 2020 machten sie rund 25 Prozent aller Delikte aus. In diese Kategorie fallen beispielsweise Laden- oder Taschendiebstähle ebenso wie Einbruchdiebstähle.
Ein anderer beachtlicher Teil der Straftaten entfällt auf Körperverletzungsdelikte: Hier registrierten die Beamten – auch bedingt durch die Absage von Festen – einen Rückgang um 34 Taten auf 293.
Mehr Gewalt in engen sozialen Beziehungen?
Diebstähle oder Körperverletzungen sind Straftaten, die sich häufig im öffentlichen Raum abspielen und daher der Straßenkriminalität zugerechnet werden. „Solche Taten beeinflussen das objektive Sicherheitsgefühl der Bürger besonders stark“, erklärt Jung. Bei der Straßenkriminalität insgesamt verzeichneten die Beamten 2020 ebenfalls einen Rückgang: von 530 Delikten im Jahr 2019 auf 465 Taten im Jahr 2020.
Dass es wegen der Corona-Beschränkungen zu einem Anstieg von Gewalt in engen sozialen Beziehungen kommt, war eine Befürchtung, die in den vergangenen Monaten häufig geäußert wurde. Durch die Kriminalstatistik der Dürkheimer Polizeiinspektion belegen lässt sich diese aber nicht. 2020 verzeichnete die Polizei 105 Delikte, im Jahr zuvor waren es noch 113. Die Leidtragenden waren in mehr als 70 Prozent der Fälle Frauen. Möglicherweise habe weiteren Opfern aufgrund von Homeoffice, Kurzarbeit und Beschränkungen des öffentlichen Lebens aber die Möglichkeit gefehlt, Hilfe zu holen, gibt Jung zu bedenken. Doch wie lässt sich der Zuwachs bei der Anzahl der Straftaten erklären? Den prozentual höchsten Anstieg verzeichnete die Dürkheimer Inspektion bei der Gewalt gegen Polizeibeamte. Dazu zählen nicht nur Widerstand gegen die Staatsgewalt, sondern auch Beleidigungen, Körperverletzungen und Bedrohungen. Die Anzahl der Fälle erhöhte sich von 22 im Jahr 2019 auf 49 im vergangenen Jahr. „Die Tatverdächtigen haben nicht nur Beleidigungen ausgesprochen, sondern auch geschlagen, getreten und gestoßen“, heißt es dazu in der Kriminalstatistik. Verletzt wurde aber kein Polizist. 18 Fälle gingen auf das Konto eines einzelnen Verdächtigen. „Dazu sind etliche Verfahren bei der Staatsanwaltschaft anhängig“, sagt Jung. Die Anzahl der Beleidigungen stieg insgesamt um 106 Fälle auf 244.
Mehr Sachbeschädigungen
Einen Zuwachs von 256 auf 299 Delikte weist die Statistik auch bei den Sachbeschädigungen aus. Wie Mischon erklärte, konnte weder ein örtlicher noch ein zeitlicher Schwerpunkt ermittelt werden. Ausnahme: Schmierereien von „Fußballfans“ in Ellerstadt und Weisenheim am Berg.