Bad Dürkheim
Gesund kommen und gesund wieder gehen
Urlaub in einem denkmalgeschützten Anwesen, einem Weingut am Rande der historischen Altstadt von Freinsheim. Das ist idyllisch und beliebt bei Urlaubern. Doch ein denkmalgeschütztes Gebäude sorgt auch für Probleme, erklärt Barbara Reibold-Niederauer vom Wein- und Feriengut „Altes Landhaus“ in Freinsheim. Die Heizkosten seien katastrophal und sie könne keine neuen Fenster einbauen. Deshalb mache sie bei der Vermietung ohnehin eine längere Winterpause nach Silvester. In diesem Jahr kam die Corona-Pause hinzu. Finanziell sei das nicht mehr aufzuholen.
Und die Buchungen? „Wir waren seit vergangenem Jahr schon quasi ausgebucht. Wegen Corona kam dann das Chaos: Umbuchungen, Absagen. Ich war viel beschäftigt, ohne Einnahmen“, so Reibold-Niederauer. Und das Chaos ging weiter: Als klar war, dass sie wieder öffnen darf, gab es noch keine klaren Auflagen. „Darf ich zwei befreundete Paare in einer Wohnung unterbringen? Muss ich eine Pause zwischen den Gästen einplanen? Das wussten wir nicht und konnten deshalb keine Buchungen annehmen.“
Ferienwohnungen werden Hotels vorgezogen
Seit sie wieder geöffnet hat, merke sie, dass Ferien auf dem Land sehr gefragt sind. „Im Moment sind den Leuten Wohnungen lieber als Hotels“, sagt sie. Außerdem würden die Gäste eher länger bleiben, es gebe weniger Wochenend-Touristen.
Doch durch die Auflagen sei der Aufwand extrem gestiegen. „Ich mache das derzeit allein, um eine Wohnung wieder herzurichten brauche ich mindestens vier Stunden“, berichtet Reibold-Niederauer. Die Wohnungen müssten gereinigt, desinfiziert und die gesamte Küchenausstattung durchgespült werden. Um die Abstände zwischen den Gästen zu gewährleisten habe nun jede Wohnung einen eigenen Gartenplatz – vorher war der Garten offen und jeder konnte sich aussuchen, wo er sitzen möchte. „Das sorgt alles für mehr Aufwand und mehr Kosten, das muss man sagen.“
Doch sie habe den Anspruch, dass die Gäste gesund kommen, und gesund wieder gehen. Dafür nehme sie den Aufwand in Kauf. „Wir haben ja nicht nur junge Gäste, viele Ältere sind unter unseren Stammgästen. Die sind besonders gefährdet“, sagt Reibold-Niederauer. Und: „Das ist ein Familienbetrieb, da darf keiner ausfallen. Da bin ich mit 61 schon vorsichtiger, wie noch mit 30 Jahren.“ Die besprochene Weinprobe, die samstags am Wein- und Feriengut stattfindet, gebe es trotzdem, im Garten sei genug Platz. Die Nachfrage dafür sei derzeit ohnehin rückläufig und die Leute riefen vorher an. So könne der Abstand gut gewährleistet werden.
Kein Boom bei Nachfrage nach Ferienwohnungen
Kleinere Ferienwohnungen, wie die von Doris Wersching in Wachenheim trifft die Krise ebenfalls: Es habe viele Absagen gegeben, weil Veranstaltungen, wie Hochzeiten, ausgefallen seien, so Wersching. Von April bis Ende Mai seien keine Anfragen eingegangen, doch „das kommt jetzt wieder“. Es sei aber kein großer Boom. „Ich vermiete auch über Airbnb und habe einige ausländische Gäste. Im Herbst ist Hochsaison, da kommen viele aus Schweden oder Norwegen“, so Wersching. Da habe zum Glück noch keiner abgesagt. Mehr Aufwand habe sie wegen der Krise nicht unbedingt: „Mir ist es ohnehin sehr wichtig, nach einem Gast gut zu putzen. Nun wische ich alles mit Desinfektionsmittel im Wasser ab.“ Die Krise sei für sie zwar ein Einschnitt gewesen, doch da die Ferienwohnung nur ein zweites Standbein ist, könne sie das gut verkraften.