Freinsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gesperrte Bahnbrücke: Bahn und LBM rechtfertigen sich vor den Bürgern

Züge dürfen fahren: die für Autos und Fußgänger gesperrte Bahnüberführung in Freinsheim.
Züge dürfen fahren: die für Autos und Fußgänger gesperrte Bahnüberführung in Freinsheim.

Das in Ost und West geteilte Freinsheim war am Mittwoch bei der Infoveranstaltung zur Bahnüberführung wieder vereint. Vertreter der Bahn und des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Speyer standen den rund 150 Bürgern im Von-Busch-Hof Rede und Antwort .

Risse, Hohlstellen, Nässe, Ausbrüche, abgeplatzte Elemente: Philipp Schirra, Projektleiter bei der DB Netz AG, zeichnete ein düsteres Zustandsbild der Bahnbrücke in Freinsheim. Für das Bauwerk aus dem Jahr 1911 haben eigentlich die letzten Stunden geschlagen. Vorher muss aber noch aufwendig saniert werden, denn für den Neubau braucht es Baurecht durch ein Planfeststellungsverfahren.

Der Antrag auf Einleitung des Verfahrens ist laut Simon Müller (LBM) vor eineinhalb Wochen gestellt worden. Das Verfahren selbst wird geleitet vom LBM in Koblenz. Unter der Voraussetzung, dass es ohne größere Einwendungen zügig zu Ende gebracht wird, könnte ab Januar 2026 das Neubau-Projekt starten, das auch eine Tieferlegung der Landesstraße 455 (Bahnhofstraße) um 50 Zentimeter in diesem Bereich bedeuten wird. Warum man das Verfahren nicht schon früher eingeleitet habe?, wollte ein Bürger wissen. Dies wurde mit den Vorplanungen und längeren Abstimmungsprozessen zwischen LBM und Bahn begründet.

Mehr zum Thema

Der voll besetzte Von-Busch-Hof in Freinsheim am Mittwochabend.
Kommentar

Bahnbrücke: Sachlich diskutiert

Mitte Juni sollen Arbeiten starten

Zunächst ging es aber um die Sanierung der Brücke, die bereits seit Januar für den Verkehr gesperrt ist. Die Überführung soll so abgestützt werden, dass der Straßenverkehr anschließend bis 2026 weiter möglich ist. Mitte Juni sollen die Arbeiten aufgenommen und Ende Juli abgeschlossen werden, informierte Projektleiter Schirra. Der Überbau wird mit einer Stützenreihe unterhalb der vorhandenen Träger gesichert. Derzeit werden die Stützen hergestellt. Sie werden dann in den Boden eingebaut. Deshalb sei man zuvor auf die Leitungseigentümer zugegangen, um zu klären, „wo genau die Kabel liegen“.

Mit dem LBM habe man sich darauf geeinigt, dass die Leitungen wie Strom, Wasser oder Gas so tief verlegt werden, damit sie 2026 nicht erneut angepasst werden müssen. Ausgebaggert wird der Untergrund deshalb ab Mitte Juni bis zu einer Tiefe von einem Meter. Außerdem werden die vorhandenen Brückenkappen durch den Einbau einer Längsunterstützung gesichert. Der Einbau eines Gerüsts zur Sicherung der Brücke hätte zwar eine schnellere und günstigere Lösung bedeutet, doch dann wäre bis 2026 keine Durchfahrt für den Verkehr mehr möglich gewesen, erklärte Schirra. Auf die Frage des Beigeordneten Willi Simon (FDP), warum man das Bauwerk nicht innerhalb von zwei Tagen einfach verschalt habe, um die Durchfahrt des Verkehrs auf diese Weise schnell wieder sicherzustellen, sagte Jörg Schmidt von der DB Netz, dass man eine Holzverschalung nicht „einfach so“ machen könne. Man unterliege als Bahnbetrieb anderen Regeln und Vorgaben.

Brücke wird auf Bahnhofsparkplatz gebaut

Breiten Raum in der Infoveranstaltung nahm dann die Planung für das Neubauprojekt ein. Laut Schirra wird die neue Brücke auf dem Parkplatz des Bahnhofs gebaut. Vom Parkplatz aus werde man das fertige Teil ähnlich wie zuvor in Erpolzheim zunächst auf die Straße schieben und dann einfügen. Dafür muss die Bahnstrecke in den Sommerferien 2026 für zwei Wochen gesperrt werden. Danach wird der LBM die Straße ausbauen und tiefer legen. Wie lange dies dauern wird, konnte LBM-Leiter Martin Schafft noch nicht genau sagen. Gesperrt werden müsse die Bahnhofstraße aber voraussichtlich ein halbes Jahr.

Unter der neuen Brücke soll künftig Platz sein für 5,50 Meter breite Fahrspuren sowie unterschiedlich breite Gehwege auf beiden Seiten (ein und 1,60 Meter). Mit einer Durchfahrtshöhe von 4,50 Meter könne die Bahnhofstraße dann auch von Lieferverkehr passiert werden. Doch gerade das machte den anwesenden Bürgern Sorgen. Viele wollten statt einer weiteren Autofahrspur lieber einen Fahrradstreifen unter der Brücke.

LBM teilt Befürchtungen nicht

Mit Verweis auf Verkehrsgutachten sagte Schafft, dass er die Befürchtungen einer Verkehrszunahme nicht teilen könne. Schließlich befinde man sich mit den künftigen Ausmaßen noch unterhalb der eigentlich üblichen Regelbreite. Durch Freinsheim fahre kein Transit-, sondern Lieferverkehr, dem man das Befahren einer Landesstraße ermöglichen müsse. Jedoch könne man über die Möglichkeiten einer Fußgängerquerung in der Bahnhofstraße noch mit der Verbandsgemeinde besprechen.

Stadtbeigeordneter Jochen Weisbrod (CDU) stellte klar, dass die Stadt nichts gegen den Neubau der Brücke habe. Es sei ihr immer um Temporeduzierungen und Fußgängerquerungen gegangen. „Wir wollen nicht, dass wir danach noch mehr Probleme haben.“ Beigeordneter Simon nutzte an dieser Stelle die Gelegenheit, um auf die Dringlichkeit einer Westumfahrung von Freinsheim hinzuweisen. Ein Bürger meinte unterstützend dazu, dass es günstiger gewesen wäre, die Westumgehung zu bauen statt eine aufgeweitete Brücke.

Westumfahrung genießt keine Priorität beim Land

„Das sind ganz unterschiedliche Töpfe“, wehrte Schafft ab. Der Neubau von Umgehungen sei stark reglementiert. Derzeit gäbe es eine Landesliste mit 17 Straßen, die dafür Priorität genießen. Freinsheim sei jedoch nicht darunter. „Es ist auch nicht absehbar, dass hier eine Änderung erfolgt.“ Sowieso hätte man an der Brücke etwas ändern müssen, betonte Schafft.

Wegen des Geh- und Radwegs unter der Brücke meinte Schafft, dass er dies an dieser Stelle nicht als sinnvoll ansehe. Denn man könne den Weg nicht vernünftig fortsetzen. Sowieso würde ein kombinierter Geh- und Radweg innerorts nicht funktionieren, da sich Radler und Fußgänger hier nur gegenseitig in die Querung kommen würden. Besser sei ein Mischverkehr auf der normalen Straße. „Wir haben die Westumgehung noch nicht ganz aufgegeben“, betonte Bürgermeister Matthias Weber (FWG) in seinem Schlusswort.

x