Bad Dürkheim Geistlicher Gesang, barocke Erholung

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Eine französisch-pfälzische „Gemeinschaftsproduktion“ beim Musikfestival „Rheinischer Frühling“ war das Konzert am Samstag in der protestantischen Kirche von Weisenheim am Sand mit dem Meister auf der Barockvioline Francois Fernandez aus Paris und dem Vokal-Ensemble Cantus Palatinus aus der Pfalz.

Fernandez entschied sich schon als zwölfjähriger Geigenschüler dafür, seine Karriere ausschließlich der Barockvioline und der historischen Aufführungspraxis zu widmen. Neben seiner Konzerttätigkeit in Barockensembles in ganz Europa unterrichtet er heute am Pariser Konservatorium und hält europaweit Meisterkurse. Sein Hauptinstrument – er spielt daneben noch einige weitere barocke Streichinstrumente – ist etwas kleiner als die heute üblichen Violinen. Sie hat im Vergleich zu den modernen Geigen einen volleren, runderen, auch intimeren Klang. Cantus Palatinus eröffneten das Konzert mit vier geistlichen Liedern aus dem 16. und Beginn des 17. Jahrhunderts, einer Epoche, in der der mehrstimmige Gesang im Gottesdienst – Instrumente waren nicht erlaubt – einen Höhepunkt erlebte. Es wurde damals sogar gestritten, ob die Mehrstimmigkeit in der Kirche nicht allzu weltlich sei, bis der Römer Palestrina – dessen „Adoramus te, Christe“ die vier Sänger vortrugen – im Konzil von Trient den Auftrag erhielt, polyphone Messgesänge zu komponieren. Auch der Venezianer Giovanni Croce, dessen „Cantate Domino“ das Konzert eröffnete, und der Franziskaner Ludovico Viadana, dessen „Ave verum corpus“ zu hören war, waren jeweils Kapellmeister an den großen italienischen Kathedralkirchen. Vom spanischen Jesuiten Tomas Luis de Victoria stammte das letzte Werk dieses Programmteils, „Duo Seraphim clamabant“. Von Hans Oskar Koch, dem deutsche musikalischen Leiter des „Rheinischen Frühlings“, der hier durchs Programm führte, war auch zu erfahren, warum diese Gesänge so kurz waren: „Sie mussten „auf eine Kuhhaut gehen“, die in gegerbter Form als Schreibgrundlage verwendet wurde. Nach den ernsten geistlichen Gesängen sorgte Fernandez für heitere barocke Erholung mit den Variationen von Thomas Baltzar, einem nach England ausgewanderten, hochgerühmten deutschen Violinvirtuosen, über das Liedchen „John, come kiss me now“. Warum er so gerühmt wurde, machte das virtuose Spiel von Fernandez deutlich. Cantus Palatinus bewegten sich nun weiter durch die Musikgeschichte mit dem Zeitgenossen Mozarts, Haydns und Beethovens, Luigi Cherubini, und seinem „Dona pacem Domine“, mit dem Sanctus aus Franz Schuberts deutscher Messe und einem Sanctus von Friedrich Silcher. Zurück in die Zeit des Barock führte die „Passacaglia“ aus den Rosenkranz-Sonaten von Heinrich Ignaz Franz von Biber, einem hoch virtuosen Stück mit häufig mehrstimmigem Spiel für Solovioline von Francois Fernandez. Cantus Palatinus blieben im 19. Jahrhundert mit „Beati mortui“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, „Benedictus“ und „Agnus dei“ aus einer Messe von Charles Gounod und einem russischen Messgesang von Dmitrij Bortnianskij, der bei uns vor allem mit „Ich bete an die Macht der Liebe“ bekannt ist. Francois Fernandez beendete das offizielle Programm mit zwei Sätzen, Adagio und Fuga, aus Johann Sebastian Bachs Sonate Nr. 1 für Solo Violine, einer von sechs Sonaten, die die Mehrstimmigkeit auf der Geige zu einem Höhepunkt führten. Cantus Palatinus, die sich mit ihrem ausbalancierten Ensembleklang sehr gut präsentierten, heimsten zum Schluss noch „Bravo“-Rufe ein mit ihrer Zugabe: „Wir sind die Pfälzer Sänger“ auf die Melodie der Eurovisionsfanfare.

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