Handball
Gehörlosen-Nationalteam: Der Traum von Brasilien 2022
Sein Plan ist durchdacht. Nach dem ersten Lehrgang seit Beginn der Pandemie ruft Alexander Zimpelmann in den kommenden Tagen erneut seinen 16-köpfigen Kader zur nächsten Trainingsmaßnahme zusammen. Von Donnerstag, 26., bis Sonntag, 29. August, stehen für die besten gehörlosen Handballer Deutschlands wieder harte und schweißtreibende Einheiten in der Pfalzhalle in Haßloch auf dem Plan.
„Wir wollen nach dem ersten Lehrgang im vergangenen Juli jetzt den nächsten Schritt machen“, sagt Zimpelmann. Er will besonders das Angriffs- und Umschaltspiel forcieren. Es geht ihm weiter um die Abstimmung in den einzelnen Mannschaftsteilen. So wird es auch zwei Testpartien gegen den Pfalzligisten HSG Mutterstadt/Ruchheim und den badischen Verbandsligisten SV Waldhof Mannheim geben.
Der Vater einer 23 Jahre alten Tochter, der als Verwaltungsangestellter bei der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik in Mannheim tätig ist, ist selbst seit seiner Geburt hörgeschädigt. Zimmpelmann hat als Bundestrainer ehrgeizige Ziele. Der gebürtige Frankenthaler will mit seinem Team im kommenden Jahr zu den Deaflympics, den Olympischen Spielen der Gehörlosen, in Caxias Du Sol in Brasilien. Der Freinsheimer hofft, dass die Mannschaft dort auch um die Medaillen mitspielen kann.
Regelmäßige Lehrgänge zur Vorbereitung
Noch ist das ein weiter Weg. Aber Zimpelmanns Handschrift ist bereits erkennbar. Er hat seinen Trainerstab erweitert und führt jetzt regelmäßig Lehrgänge zur Vorbereitung auf den internationalen Höhepunkt durch. Nach den nun geplanten Trainingseinheiten Ende August steht auch schon die nächste Zusammenkunft im Herbst fest, dann im hohen Norden.
„Mein Wunsch ist es, dass wir mit einer gut eingespielten Mannschaft zu den Deaflympics im kommenden Jahr fahren, denn dies ist für jeden gehörlosen Sportler das absolute Highlight“, erklärt Zimpelmann. Dabei ist es eher ein Zufall, dass der 50-Jährige als Bundestrainer das Sagen hat. Als ihn im Sommer 2017 zwei Freunde ansprachen, sich als aktiver Handballer bei der Gehörlosen-Nationalmannschaft vorzustellen, zögerte Zimpelmann noch. „Ich bin ja nicht mehr der Jüngste“, meinte der Freinsheimer.
Aber das Thema Handball der Gehörlosen hat ihn motiviert, sich doch einmal mit dem Beauftragten des Deutschen Gehörlosensportverbandes, Norbert Hensen, in Verbindung zu setzen. Aus dem damaligen Gespräch wurde mehr. „Ein Engagement als Spieler kam für mich nicht in Frage, aber ich habe dem Verband angeboten, wenn Bedarf auf der Trainerebene bestehe, dass ich dann nicht abgeneigt sei“, erzählt Zimpelmann.
Kader mit acht neuen Spielern verjüngt
Nur wenige Wochen danach fiel die Entscheidung in den zuständigen Gremien, dass der Pfälzer vom 1. Januar 2018 an die Neustrukturierung im deutschen Gehörlosen-Handball vorantreiben soll. Und das tut er. „Als ich angefangen habe, dachte ich schon: Ob das was werden wird? Inzwischen bin ich optimistisch“, erzählt Zimpelmann. Er bewies viel Mut und Leidenschaft und ließ sich auch in der langen coronabedingten Pause nicht aus der Bahn werfen. Statt Hallentraining waren wöchentlich virtuelle Athletikeinheiten angesagt. „Es musste ja irgendwie weitergehen“, so Zimpelmann.Der Kader wurde verjüngt, acht neue Spieler sind dazugestoßen und die Trainingsinhalte sind klar strukturiert. Es ist keine einfache Aufgabe, eine Mannschaft zu formen, deren Spieler keine akustischen Signale und Worte im Spiel verstehen. Die Verständigung erfolgt ausschließlich per Handzeichen. Nur ganz wenige können die Gebärdensprache. Hörhilfen sind im Spielbetrieb verboten. „Das macht das Ganze nicht einfacher, deshalb brauchen wir möglichst viele gemeinsame Trainingseinheiten, um jede mögliche aufkommende Situation im Spiel üben zu können“, sagt Zimpelmann.
Seine Akteure scheinen gerne zu den Lehrgängen zu kommen. „Wenn jemand sagt, dass er in drei oder vier Tagen bei uns mehr lernt als im eigenen Verein, dann ist das für das Trainerteam ein schönes Kompliment“, freut sich Zimpelmann.