Bad Dürkheim Gefühl der Dankbarkeit nach Brand bei Familie Herch
Nachgehakt: Sieben Monate nachdem das Wachenheimer Wohnhaus von Familie Herch in Flammen gestanden hat, richtet sich der Blick auf den Wiederaufbau. Das Wichtigste für die Familie: Dem kleinen Elias geht es gut.
Das Gefühl der Dankbarkeit überwiegt immer noch, wenn das Wachenheimer Ehepaar Herch auf den 18. Mai dieses Jahres zurückblickt. Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich sein, schließlich ist an diesem Tag ihr ganzes Haus ausgebrannt, das sie vor 33 Jahren gebaut haben. Doch da bei diesem Unglück ihr vier Jahre alter Enkel Elias durch den Polizisten Michael Lantz aus den Flammen gerettet wurde, sehen sie diesen Tag auch als zweiten Geburtstag ihres Enkels an. „Diesen Tag wollen wir von jetzt an auch gebührend feiern“, erzählen Ruth und Karl-Heinz Herch. Sie wissen auch genau, wie sie diesen Tag im nächsten Jahr begehen werden. „Mit einem Grillfest, hier auf der Terrasse“, kommt die spontane Antwort. Karl-Heinz Herch kann gar nicht verstehen, wenn er mit dieser Ankündigung Erstaunen auslöst. „Das Haus ist doch schließlich schon abgebrannt“, sagt er ohne mit der Wimper zu zucken und offenbart damit seinen trockenen Humor, mit dem er die Zeit seit dem 18. Mai 2016 recht gut überstanden hat. Und so kann er wie seine Ehefrau beinahe mühelos durch das mittlerweile entkernte Haus am Wachenheimer Hauenstein gehen und die neuralgischen Punkte des Brandes vorzeigen: Die Küche zum Beispiel, in der das Feuer begann, weil die kleine Enkelin, so erzählt es Ruth Herch, unbemerkt an den Herdknöpfen gedreht hatte, als sie die Einkäufe hereintrug. Ausgerechnet stand auf der eingeschalteten Herdplatte die neue Kaffeemaschine, die ihr Mann an diesem Tag dort provisorisch abgestellt hatte. Die Kaffeemaschine fing Feuer, als die Oma nach dem Auto-Ausladen mit ihrer 18 Monate alten Enkelin schnell zum Nachbarn gegangen war, um Enkel Elias nicht zu stören, der im Wohnzimmer eingeschlafen war. In den wenigen Minuten fraß sich das Feuer schnell voran, angetrieben durch einen Sogeffekt des Treppenhauses und des Stockwerks unterm Dach. Als Ruth Herch wenige Minuten später zurückkam und das brennende Haus sah, war auch schon eine Polizeistreife vorgefahren, die gerade zufällig in Wachenheim unterwegs war. Polizist Michael Lantz schlug die Scheibe der Terrassentür ein und trotz des Qualms gelang es ihm, den Jungen auf der Couch zu packen und ins Freie zu tragen (wir berichteten). „Über die Eingangstür konnte schon niemand mehr ins Haus, so verqualmt war schon alles“, erinnert sich Ruth Herch beim Gang durch ihr Haus. Unterm Dach hat das Feuer besonders schlimm gewütet. Schwarze Dachbalken bestimmen die schaurige Szenerie. „Das Stockwerk wird ganz abgerissen, inklusive Deckenboden“, erläutert sie. Wiederaufgebaut wird das Stockwerk aber wieder. „Vielleicht machen wir da mal eine Ferienwohnung rein, mal sehen.“ Wo das Feuer nicht gewütet hat, hat das Löschwasser ganze Arbeit geleistet. An den Wänden sind überall Risse. Noch immer laufen im Keller die Trocknungsgeräte. Keine Probleme hatte das Ehepaar mit der Versicherung. „Wir bekommen den Neuwert ersetzt“, erzählen sie erleichtert. Das Ehepaar hadert jedoch damit, dass der Architekt nicht so zügig vorankommt wie gedacht. Mit dem Gedanken, dass vor Januar in ihrem Haus gar nichts mehr passieren wird, hätten sie sich erst einmal anfreunden müssen. „Das war nicht leicht.“ Die Arbeiten stehen nach der Entkernungsprozedur erst einmal still. „Die Genehmigungen haben sehr lange gedauert, obwohl wir sie wohl gar nicht gebraucht hätten. Das war alles ein großes Hin und Her mit den Behörden“, erzählt Karl-Heinz Herch. Sommer- und Herbstferien führten ebenfalls dazu, dass am Hauenstein nicht viel zusammenlief. Auch vor Weihnachten ist nicht an Fortschritt zu denken. Jetzt hofft das Ehepaar, dass wie geplant im Januar mit dem Abriss des Dachstuhls begonnen werden kann. Seit dem Brand wohnt das Ehepaar bei der 86-jährigen Mutter von Karl-Heinz Herch in der Wachenheimer Burgstraße. Tochter Wiebke, die mit Mann und Kindern im Obergeschoss des abgebrannten Hauses wohnte, kam zunächst bei ihren Schwiegereltern unter. Ende August war ihr neu gebautes Haus in Tiefenthal bezugsfertig. Gerade ist Wiebke Kochenburger von einer Mutter-Kind-Kur zurückgekommen, mit deren Hilfe sie sich von den Folgen des Feuers erholen wollte. „So eine Rauchvergiftung ist schließlich nicht so einfach für die Lunge“, erzählt Ruth Herch. Jedoch gehe es dem kleinen Elias wieder sehr gut. Seine Vorliebe für Feuerwehrautos, die er nach dem Brand entwickelte, hat er immer noch. „Ins Haus hinein will er aber nicht“, erzählt sein Opa. Er hofft, dass er mit seiner Frau in einem Jahr wieder am Hauenstein wohnen kann. Seinen 60. Geburtstag will Karl-Heinz heute aber auf jeden Fall gebührend feiern. Im Luginsland sind Tische reserviert. „Schließlich ist schon die Feier zum 50. ausgefallen“, meint er. Und es gebe neben der Familie auch alte Fußball-Kameraden und Mitglieder des Burg-Fördervereins, mit denen er gerne feiern wolle. Sehr dankbar ist das Ehepaar auch über die Spenden, die über das von der VG-Verwaltung eingerichtete Konto eingegangen sind. „Spender, die eine Quittung wollten, bekommen von uns einen Dankesbrief. Es gibt aber auch viele, deren Namen wir nicht wissen“, berichten sie. „Wir sind allen sehr dankbar, auch allen Rettungskräften und der Feuerwehr“, betont das Ehepaar. Bei Michael Lantz hat sich die ganze Familie zwar schon persönlich bedankt, aber damit will es die Familie nicht bewenden lassen. Schließlich bestehe jetzt eine besondere Verbindung zu dem Polizisten. „Er kommt auf jeden Fall am 18. Mai zum Grillfest“, erzählt Karl-Heinz Herch.