Bad Dürkheim / Wachenheim
Gasversorgung: Bange Blicke auf den Winter
„Die Gaspreise gehen täglich ’rauf. Das ist enorm“, sagt Peter Kistenmacher, Chef der Dürkheimer Stadtwerke. Seitdem nur noch 40 Prozent der Gasmenge durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 fließen, habe sich die Entwicklung noch verschärft. „Die Preise auf dem Gasmarkt sind seitdem um 50 Prozent nach oben gegangen. Dabei waren wir vorher schon auf einem sehr hohen Niveau. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Preise versiebenfacht“, erläutert Kistenmacher. Da kaum noch Gas verkauft werde, könne man bei Angeboten nicht lange überlegen. Hauptsächlich kaufen die Stadtwerke bei der Sachsen Energie (Enso) aus Dresden Gas ein. Ein paar offene Mengen haben die Stadtwerke noch für den kommenden Winter. „Da werden wir uns möglichst bald eindecken.“
„Abschlagszahlungen erhöhen“
Man sei wegen der hohen Preise in den vergangenen Wochen deutlich in Vorleistung getreten. Die Diskrepanz in der Geschäftsbilanz wirke sich jeden Monat stärker aus. Dadurch sei es erforderlich, die Gaspreise zum 1. September deutlich anzuheben. Nach den eher moderaten Erhöhungen zum 1. Januar und zum 1. April müssten die Kunden nun eine starke Anhebung um 60 Prozent verkraften. Dies bedeutet, dass der Preis von jetzt 9,38 Cent brutto auf 15,6 Cent pro Kilowattstunde (kWh) steigt. „Wir werden in unserem Anschreiben, das in der zweiten Juliwoche hinausgeht, die Kunden bitten, die Abschlagszahlungen zu erhöhen. Sonst müssen sie alles auf einen Schlag zahlen“, so Kistenmacher. Ziel sei es, den Preis dann bis zum Jahresende zu halten.
Der Gaspreis sei das eine Problem, hinzu komme aber noch die drohende Gefahr eines Lieferengpasses sowie die drohende Ausrufung der Notfallstufe, gibt Kistenmacher zu bedenken. Dann müssten die Bundesregierung und die Netzagentur die Gasverteilung übernehmen. Jedoch hängen am Gasnetz in Bad Dürkheim hauptsächlich schützenswerte Haushalte und nur wenige Großbetriebe. Bei der Notfallstufe kann es zu außervertraglichen Preisanpassungen kommen. Dies sei notwendig, damit die großen Versorger nicht insolvent gehen und dadurch die gesamte Gaslieferkette zusammenbreche. Ob dieses Szenario tatsächlich eintritt, vermag der Stadtwerke-Chef nicht zu sagen: „Es kann vieles passieren. Das Ganze zeigt jedenfalls, wie wertvoll Energie ist, und dass wir sehr sorgfältig damit umgehen sollten.“
Starke Reaktion auf politische Entwicklungen
In Wachenheim haben die Stadtwerke eine Verdopplung der Gaspreise zum 1. Juli bereits im März beschlossen. Der Bruttopreis liegt jetzt bei 15,26 Cent pro kWh. Ohne Erhöhung, so Werkleiter Dieter Panzer, hätte ein Millionendefizit gedroht. Mit der geplanten Dürkheimer Erhöhung im September hat sich das Gaspreisniveau beider Werke fast angeglichen. Ein weiterer Anstieg in Wachenheim ist in diesem Jahr nicht geplant. „Wir hoffen, dass wir damit klarkommen bis zum Jahresende“, sagt Panzer.
Der Werkleiter ist immer wieder überrascht, wie der Gasmarkt auf politische Entwicklungen reagiert: „Als die Nato bekannt gab, dass sie ihre Ostflanke verstärken will, gingen die Preise wieder ein Stück nach oben.“ Es sei für die Werke wichtig, nicht zu viel auf dem Spotmarkt einzukaufen. Hier ändert sich der Handelspreis täglich und wird von Angebot und Nachfrage gesteuert. Langfristige Lieferverträge habe man mit Enovos abgeschlossen.
„Winter wird eine Herausforderung“
„Der Winter wird eine Herausforderung“, ist Panzer überzeugt. Er hofft, dass es nicht gleich im Oktober und November zu kalt wird. „Je weniger wir alle verbrauchen, umso besser.“ Auch die Wachenheimer Werke haben nur sogenannte schützenswerte Verbraucher als Kunden. Sondervertragskunden, deren Gasliefermenge bei einem Notfallplan gedrosselt werden könnte, gibt es laut Panzer nicht. „Grundsätzlich müssen also unsere Verbraucher keine Angst haben. Nur wenn gar kein Gast ankommt, können wir nichts verteilen“, so Panzer, der hofft, dass das nicht passieren wird. Derzeit sei zu beobachten, dass viele Eigenheimbesitzer, die vor der Entscheidung stehen, ihre alte Gasheizung zu ersetzen, auf eine Wärmepumpe umsteigen – möglichst auch in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage sowie eines Stromspeichers, so Panzer.