Bad Dürkheim Ganzkörpereinsatz am Flügel

Im Wachenheimer Badehaisel gab der Jazzpianist und Komponist Christoph Spendel eines seiner nur drei Solokonzerte in diesem Jahr
Im Wachenheimer Badehaisel gab der Jazzpianist und Komponist Christoph Spendel eines seiner nur drei Solokonzerte in diesem Jahr.

Es ist immer wieder erstaunlich, welch große Namen das Badehaisel nach Wachenheim holt. Am Samstag spielte Christoph Spendel, einer der bedeutendsten deutschen Jazz-Keyboarder und Komponisten, absolut mitreißend in der bestens gefüllten kleinen Kneipe am ehemaligen Badeweiher.

Für Spendel ist es das erste von nur drei Solokonzerten in diesem Jahr, und sicher das in der kleinsten Spielstätte. „Herzlich willkommen zu diesem Wohnzimmerkonzert“, begrüßt er die rund 40 Zuhörer in Anspielung auf die Intimität der Veranstaltung. Vor 35 Jahren, als das Badehaisel sein Musikprogramm startete, gehörte Spendel zu den Ersten, die hier auftraten. Schon damals dabei war das Instrument des Abends. „Ich freue mich, dass ich auf dem frisch renovierten Flügel von damals spielen kann. Ich hoffe, ich mache ihn nicht gleich wieder kaputt“, sagt Spendel und legt los. In „Night and Day“ von Cole Porter zeigt er auf, wie viele musikalische Farben den Abend zu einem Erlebnis machen werden. Für Gelegenheitskonsumenten sehr erfrischend: Harmonien, die ihnen von Keith Jarrett vertraut sein könnten, holen sie in „Night and Day“ ab und nehmen sie mit in ruppige Ragtime-Teile und rasante Improvisationen. Oft schließt Spendel beim Spielen die Augen − wie ein Teil der Zuhörer. Denen entgeht dabei allerdings seine Ganzkörperdynamik wie in Jobims „Chega de Saudade“. Er pendelt mit dem Oberkörper, unter dem Flügel sind die Beine in Dauerbewegung, in einigen Passagen singt Spendel mit, und Arme und Hände zeichnen über den Tasten Melodiebögen in die Luft. „Meinen Zettel mit Titeln für heute Abend kriegen wir nicht durch“, leitet Spendel in seine Eigenkompositionen „Morton Island“ und das melancholische „After the Eclipse“ ein. Nach dem Standard „Someday My Prince Will Come“ geht es mit seinem „Cardenaz“ karibisch-rhythmisch in die Pause. Danach rückt New York in den Mittelpunkt, wo der Frankfurter Musiker in den 90er Jahren lebte, bis er 2001 in seiner Heimatstadt Musik und darstellende Kunst zu unterrichten begann. In Earle Hagens „Harlem Nocturne“ finden auch die Gelegenheitsjazzfreunde Anknüpfungspunkte, die nach Gershwin klingen. „Ich habe in meiner Zeit in New York auch die ruhigen Seiten der sonst hektischen Stadt kennengelernt“, sagt Spendel sein „An Evening In New York“ an. Die Geburt seines Sohnes inspirierte ihn zu „Luca By Sunlight“. Mit „My Romance“ von seiner CD mit Standards und seinem Bossa-Nova-Feuerwerk „Bosque Negro“ leitet Spendel das Ende des Abends ein. Schon vor der enthusiastisch geforderten Zugabe dankt er den Zuhörern im Badehaisel: „Das Publikum ist so eine Art Mitmusiker, heute Abend war es eine wunderbare Kooperation.“

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