Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Umfrage zu Reform des Kinderfußballs

Mehr Ballkontakte, mehr Spaß am Fußball: Das soll das neue Konzept bringen.
Mehr Ballkontakte, mehr Spaß am Fußball: Das soll das neue Konzept bringen. Foto: loc

Der Deutsche Fußball-Bund plant beim Kinderfußball eine umfassende Reform. Das Ziel ist, den Kindern in G-, F- und E-Jugend mehr Ballaktionen und somit mehr Spaß am Fußball zu verschaffen. Nicht alle sind davon überzeugt, wie unsere Umfrage zeigt.

Teil des Konzepts ist es, dass mit weniger Spielern gespielt werden soll, also beispielsweise drei gegen drei oder fünf gegen fünf. Und die Jüngsten auf kleineren Feldern kicken. Teilweise wird auf einen Torwart verzichten, teilweise wird in Turnierform und auf vier Tore gespielt.

„Die Anzahl der Spieler zu reduzieren macht Sinn. Ich weiß aber nicht, ob jemand, der nicht so begabt ist, dadurch mehr Ballkontakte hat“, ist Michael Acker, der Coach des TuS Wachenheim skeptisch. Er befürchtet, dass bei kleineren Mannschaften, etwa fünf gegen fünf, die herausragenden Spieler noch weniger Gegenwehr zu erwarten haben und sich nur wenig ändert. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass man Kinder mit vier Toren überfordert“, erklärt Acker. Besonders bei den G-Junioren, den sogenannten Bambini, gebe es einen Knäuel, weil jeder dem Ball hinterherrenne. „So ganz überzeugt mich der Plan nicht“, sagt der Wachenheimer Übungsleiter.

Weisenheimer Coach befürwortet Reform

Ein absoluter Befürworter der Reform ist hingegen der Trainer des SV Weisenheim, Sebastian Dumont. „Fußballerische Fertigkeiten lassen sich auf einem kleinen Feld besser erlernen. Auf engem Raum ist eine bessere individuelle Entwicklung möglich“, betont Dumont. Auch ohne Torhüter zu agieren, begrüßt der Coach: „Da werden Kinder nicht zu früh in eine Rolle gedrängt. Viele Positionen zu spielen, bedeutet ein breiteres Entwicklungsspektrum.“ Mit vier kleinen Toren könne man den Spieltrieb fördern. „Neue Reize und Impulse zu setzen ist, generell positiv. Bei vier Toren sei das Kind kognitiv gefordert“, unterstreicht Dumont, der als Grundschullehrer Erfahrung im Umgang mit kleinen Kindern hat.

Roland Beck, der Übungsleiter von Rot-Weiss Seebach, hält sich bedeckt. „Von dem Thema bin ich zu weit weg. Deshalb will ich mir kein Urteil erlauben und die Veränderungen nicht bewerten“, betont Beck. Er bewundere die Menschen, die sich um die kleinsten Kicker kümmern. „Das ist oft wie ein Bienenschwarm. Zudem reden die Eltern mit rein. Für den Trainer ist dies eine ganz schwierige Gemengelage“, glaubt der Seebacher Coach. Prinzipiell müsse laut Beck das Hauptziel sein, Nachwuchsfußballer in diesem Alter spielerisch an die Sportart heranzuführen, wobei der Spaß im Vordergrund stehen müsse und Ergebnisse keine Rolle spielen dürften.

Ohne Torwart spielen? „Gewöhnungsbedürftig“

Zwiegespalten ist Christian Schäfer, der Coach des FV Freinsheim. „Ich bin kein Gegner von Neuerungen, aber man sollte es damit auch nicht übertreiben“, sagt der Trainer. Positiv sei, dass mit kleinen Mannschaftsgrößen das Eins-gegen-eins gefördert werde, das bei den Erwachsen oftmals verkümmert sei. Kleine Gruppen, keine taktischen Zwänge, schulen der Koordination und spielnahes Training müssten Ziele sein, die man sich setzen sollte. „Was ist aber, wenn ich 20 Kinder habe und kann nur Dreier- oder Fünfermannschaften bilden?“, fragt Schäfer. Auch ohne Torwart zu spielen, sei zumindest gewöhnungsbedürftig.

„Der Ansatz gefällt mir. Auch ich lasse meine Spieler im Training oft in Kleingruppen agieren“, spricht sich Riccardo Coppola, der Trainer des TV Ellerstadt, für das neue Konzept aus. Den Typ Straßenfußballer wiederzubeleben, weniger auf Athletik, dafür mehr auf Technik Wert zu legen, dies sei einen Versuch wert. „Aufmerksam sein, schnell reagieren und viele Ballkontakte haben, sind Aspekte, die für die Entwicklung im Kopf wichtig sind“, nennt Coppola Punkt, die für die Reform sprächen. Ohne Torwart zu spielen sei mutig. „Auf der anderen Seite findet eine Spezialisierung oft erst später statt“, räumt der Coach ein. Coppola hatte vor Jahren F-Junioren trainiert.

x