Bad Dürkheim Freiheitszeichen für französische Freunde
Mit einer besonderen Geste hat Heiko Strasser vergangenes Jahr etwas für die deutsch-französische Freundschaft getan. Unter dem Eindruck der Terrorwelle des vergangenen Sommers schenkte er der Freinsheimer Partnergemeinde Marcigny eine Holzskulptur. Ihr schlichter Titel: Freiheit. Im kleinen Ort im Burgund hat das viele Menschen berührt. Nun hat er eine Ehrenmedaille bekommen (wir berichteten).
Heiko Strasser war 2016 zur Kunstbiennale in Marcigny eingeladen worden. Der Freinsheimer präsentierte seine Holzskulpturen, die er in seiner Freizeit herstellt, mit 40 anderen Künstlern in Freinsheims Partnergemeinde. 15 seiner Stücke hatte er mit ins Nachbarland gebracht. Eines davon blieb. „Kurz vorher war der Anschlag in Nizza“, erinnert sich Strasser, auch der Angriff auf einen Priester in dessen Kirche sei in diese Zeit gefallen. Da habe er zu seiner Frau eines Tages beim Frühstück gesagt, die Skulptur „Freiheit“ werde er den Franzosen schenken. Die nahmen nicht nur die Skulptur dankend an, sie stellten das pechschwarze Objekt sogar im Rathaus aus. Zusammen mit dem Text, den Heiko Strasser damals bei der Überreichung vorgetragen hatte. „Ich fühle mich der Stadt Marcigny sehr verbunden, sie hat ihr eigenes Flair, freundliche und herzliche Menschen. Wegen der schwierigen Situation in Europa, ganz speziell in Frankreich und Deutschland, ist es wichtig, dass wir noch enger zusammenhalten“, hatte Strasser damals gesagt. Freiheit für alle Bürger sei eine Errungenschaft der Französischen Revolution und die „wichtigste Errungenschaft für uns Menschen“: „Darum ist es mir wichtig, dass gerade die Skulptur ,Freiheit’ ihren Platz in Marcigny bekommt. Nirgendwo sonst hat die Skulptur so viel Bedeutung.“ Er hoffe, schließt Strasser, „dass bald wieder Ruhe und Frieden in Europa einkehrt“. Wenn die Menschen in Frankreich diesen Text lesen, weinen sie, habe Strasser erfahren. Und das wiederum rührt den 58-Jährigen, der hauptberuflich in der BASF arbeitet und dessen Leidenschaft seit 35 Jahren der Kunst gilt. Auch Marcignys Bürgermeister Louis Poncet habe sich bei der Verleihung der Medaille bewegt gezeigt. Unter den Opfern des Terroranschlags in Nizza sei auch ein Bürger seiner Gemeinde gewesen. „Marcigny wurde menschlich und emotional durch diesen Fanatismus getroffen, der unsere europäischen Länder heimsucht.“ „Sie, Herr Heiko Strasser, waren auch durch diese Tragödie ergriffen und verletzt und Sie haben den Wunsch gehabt, Ihr Werk mit dem Namen ,Freiheit’ der Gemeinde Marcigny zu schenken, begleitet von einem sehr bewegenden Text.“ Bei der Skulptur dürfte es sich um ein Freundschaftssymbol für die Ewigkeit handeln. Mooreiche ist das Material. Laut Strasser ist das Holz „minimum 1000 Jahre“ alt. Das Holz sehe zwar verkohlt aus, sei aber durch die Huminsäure im Moor über die Jahrhunderte entsprechend gefärbt worden. Strasser, der das Holz bearbeitet hat, sieht in dem Stück die „unheimliche Kraft der Freiheit mit ihren flügelhaften Bewegungen der Leichtigkeit“. Dass er nun die Ehrenmedaille bekommen habe, das habe ihn stolz gemacht. Freinsheims Bürgermeister Matthias Weber war natürlich eingeweiht, als Strasser am Wochenende „sehr überrascht“ die Auszeichnung in Empfang nahm. 41 Jahre besteht nun die Partnerschaft mit Marcigny. Heiko Strasser hat neben Liberté auch noch Fraternité bewiesen.