Bad Dürkheim Frauenkörper in Serie

Ausschließlich weiblich: Künstlerin Gabriele Köbler mit der Figur „Schwimmerin“.
Ausschließlich weiblich: Künstlerin Gabriele Köbler mit der Figur »Schwimmerin«.

Zwei gegensätzliche Künstlerpersönlichkeiten vereint die aktuelle Ausstellung des Kulturvereins Wachenheim: Werner Korb und Gabriele Köbler. Er, der nachdenklich philosophische Grafiker – sie, die weiblich betonte Plastikerin. Beide fordern auf ihre Art die Aufmerksamkeit des Betrachters heraus.

Der im Laufe seines Lebens mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Werner Korb ist auch Mitglied der „Pfälzischen Sezession“ und war zuletzt mit seinen zeitkritischen Zeichnungen in einer Ausstellung im Mußbacher Herrenhof zu sehen. Einige davon zeigt er jetzt in Wachenheim. Sie stehen im Kontrast zu den farbigen Frauenplastiken von Gabriele Köbler. Doch es ist gerade diese Gegenüberstellung, die die Ausstellung so besonders macht. Dem 80-jährigen Korb lässt die aktuelle politische Lage keine Ruhe. Er bezieht in seinen großformatigen Zeichnungen Stellung zu den Ereignissen des Syrienkrieges und dessen Verursachern. Seine Collagen zeigen die Auswirkungen: Menschen auf der Flucht, Machthaber Assad, der mit Totenschädeln ein makabres Spiel aufführt. Die „Unheilvollen Vier“ – Trump, Kim Jong-un, Putin, Erdogan – werden in einer großformatigen Collage mit Zeitungskommentaren charakterisiert. Aber auch „Gegen das Vergessen 1938“, eine Collage, die die Verbrennung einer israelischen Flagge vor dem Hintergrund einer brennenden Synagoge zeigt, erhält durch einen Zeitungsartikel mit der Kritik des Bundespräsidenten aktuellen Bezug. Beachtenswert sind auch Korbs Radierungen wie die Serie „Nature Morte“, eine melancholisch wirkende Sicht von 1988 auf die tote Natur, ausgehend von „Heiße Phase – Nature Morte“ von 1986, die den Reaktorunfall von Tschernobyl zeigt. Auch mehrere Stillleben vermitteln eine morbide Stimmung. Selbst seine Landschaftsbilder, in Graphit, Bleistift, Farbstift ausgeführt, greifen diesen Eindruck auf, strahlen Distanz und Unwirklichkeit aus. Eine andere Weltsicht zeigen die ausschließlich weiblichen Plastiken von Gabriele Köbler. Sie ist in diesem Jahr mit dem Herrenhof-Kunstpreis ausgezeichnet worden. Die porträthafte Büste „Frida, die Schmerzensfrau“ zeigt unverkennbar Züge der Malerin Frida Kahlo. Die Mexikanerin brachte in ihren Bildern immer ihre seelischen und körperlichen Qualen zum Ausdruck. Den Zyklus „Hommage an Frida Kahlo“ komplettieren die Büsten „Die stolze Mexikanerin“ und „Die maskuline Frau“. Auch die übrigen Frauenbüsten wie Aurelie, Louisa und Patricia haben den gleichen unnahbaren Gesichtsausdruck, lediglich durch Kleinigkeiten unterscheiden sie sich. Sie scheinen sich am Weltgeschehen um sie herum nicht zu stören. Sie verweisen so auf die moderne Gesellschaft in ihrer Gleichgültigkeit. Die bemalten Feinbetonplastiken sind als Unikate gefertigt. Wenn die Form nicht zerstört wird, sind sie reproduzierbar. Gabriele Köbler formt ihre Damenwelt aber auch als Großplastik wie die stehende „Schwimmerin“ oder als „Sitzende“. Kleine Bronze-Plastiken runden die Schau ihrer Werke ab. INFO Ausstellungseröffnung ist am 28. Oktober, 11.15 Uhr, in der Ludwigskapelle Wachenheim. Die Schau ist bis 18. November zu sehen. Immer freitags, 17 bis 19 Uhr, samstags, 15 bis 18 Uhr, sonntags und am 1. November, 11 bis 18 Uhr.

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