Bad Dürkheim Flötentöne wie Vogelsang

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„Frühling lässt sein blaues Band…“ versprach das Konzert zugunsten der Turm- und Glockensanierung der Protestantischen Kirche in Wachenheim am Sonntagabend. Tatsächlich gelang es dem Ensemble „Flautando – musica barocca“ am Ende eines doch sehr trüben Frühlingstags mit seiner Musik und hervorragenden Darbietung Sonne in die Herzen der zahlreichen Besucher zu zaubern.

„Flautando – musica barocca“ hat sich, wie es der Zusatz betont, die Barockmusik als Schwerpunkt gesetzt. Das Ohrenmerk ist dabei im allgemeinen auf den Flötisten Benjamin Saile gerichtet. Neben vielen anderen Preisen ist er 2009 als 20-Jähriger mit einem Preis beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ ausgezeichnet worden. So manchem Zuhörer dürfte er bereits als Solist bei der Wachenheimer Serenade und dem Dürkheimer Schlosskonzert bekannt gewesen sein. Auch am Samstagabend brillierte er mit verschiedenen Blockflöten, spielte ebenso wie Rebecca Wahl (Oboe und Blockflöte), Sylvia Würtz (Violine), Sarah Kirschner (Violoncello) und Delia Stegarescu (Cembalo) scheinbar mühelos, obwohl die kühlen Temperaturen in der Kirche der Stimmung der empfindlichen Instrumenten nicht unbedingt zuträglich gewesen sein dürfte. Beim Spielen war davon nichts zu merken. Schon mit dem ersten Stück, einem „Tambourin en Rondeau“, einem Tanz aus der Ballettoper „Les fêtes d’Hébé“ des bekannten französischen Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau, blies Saile mit der Sopranblockflöte mit ihren schnellen, ausgefeilten Tonfolgen und Klangspielen alle grauen Gedanken fort und malte ein musikalisches Bild von orientalischer Farbenpracht und lichter Helligkeit. Clemens Kirschner, der das Ensemble bei diesem Auftakt mit einer Handtrommel begleitete, betonte den leicht archaischen, von arabischen und mittelalterlichen Elementen geprägten Charakter des Tanzes zusätzlich. Wie Vogelsang setzte die Flöte beim Allegro von Vivaldis Konzert in D-Dur (RV 84) für Violine, Flöte und basso continuo ein, einem von drei „Concerti da camera“, die das Ensemble an diesem Abend spielte und ein wunderbares Beispiel für die Bedeutung der Flöte in der Musik des Barock. Sie war in dieser Epoche so beliebt, dass sogar Streicher die Anweisung erhielten, ihr Instrument „flautando“ zu spielen, so dass es möglichst nah an den Klang von Flöten herankam. „Glatter“ als das Allegro, das Saile mit vielen teils hauchfeinen und sehr schnellen Verzierungen spielte, folgte das Andante. Ruhig dahinfließend erinnerte es an einen geruhsamen Spaziergang am Bach, bevor das Allegro des dritten Satzes wieder an Tempo gewann. Zwar stand die Flöte im Mittelpunkt, doch so unaufdringlich, dass sie nie auch ansatzweise die anderen Instrumente dominierte. Delia Stegarescu erweckte mit einem Cembalo-Solo bei Bachs Gavotte I-II aus der englischen Suite No. 3 in g-Moll eine galante Hofgesellschaft zum Leben, doch ein Lieblingslied des Publikums war – dem kräftigen Applaus und verhaltenen Bravo-Rufen nach zu urteilen – „Engels Nachtegaeltje“ aus der Liedersammlung „Der Fluyten Lusthof“ des niederländischen Flötisten Jacob van Eyck, der beliebte Lieder seiner Zeit sammelte und diese zum Teil auch sehr kunstvoll variierte. So auch „Engels Nachtegaeltje“, das mit einer ergreifend schlichten Melodie einsetzte, um sich darauf zu einem wahren Vogelkonzert an einem Frühlingsmorgen zu entwickeln. Wie der Frühling sich statt mit Klängen mit Worten beschreiben lässt, zeigte Dagmar Paqué-Lemmert . Sie rezitierte zwischen den einzelnen Stücken Frühlingsgedichte aus den verschiedensten Epochen und Stilrichtungen von Johann Wolfgang von Goethe bis Joachim Ringelnatz.

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