Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Feuerwehren hoffen auf mehr Alltag durch Impfungen

Mit Abstand möglich: Üben der Entnahme einer Windschutzscheibe an einem PKW.
Mit Abstand möglich: Üben der Entnahme einer Windschutzscheibe an einem PKW.

Die coronabedingten Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen haben die Feuerwehrleute in der Region stark eingeschränkt. So gibt es weniger Begegnungen mit den Kameraden, kaum noch Übungen und ausgefallene Jubiläumsfeiern. Den Kopf in den Sand stecken wollen die Wehren trotzdem nicht.

„Was am meisten fehlt, ist die Kameradschaft“, sagt Karlheinz Bayer, Wehrleiter der Feuerwehr Bad Dürkheim. Da stimmen ihm auch seine Kollegen aus Ellerstadt, Wachenheim und Freinsheim zu. „Der Klatsch und Tratsch ist eben weg, es fehlt das Soziale. Das drückt aufs Gemüt“, ergänzt Bodo Wenngatz, Pressesprecher der Feuerwehr Freinsheim. „Wir halten zwar über digitale Netzwerke, wie Whatsapp und Zoom, regelmäßig Kontakt, sehen uns dort auch per Videochat, aber es ist einfach nicht dasselbe. Die Kameradschaft leidet“, sagt dazu der Wehrleiter der Feuerwehr Wachenheim, Thomas Münch.

Der digitale Austausch sei seit Ausbruch der Pandemie sowieso zu einem großen Stützpfeiler geworden. Wie Kurt Rathgeber, der Wehrleiter der Feuerwehr Ellerstadt, erzählt, seien Übungen und sogar Lehrgänge der Landesfeuerwehrschule mittlerweile über diverse Plattformen möglich. Aber auch die Kreativität einiger Kameraden wurde durch die vielen digitalen Möglichkeiten angespornt.

Wie Bayer erzählt, haben einige der jüngeren in seiner Truppe sogenannte Tutorials gedreht, also Videos, in denen sie bestimmte Dinge erklären und demonstrieren. „Darunter auch, wie man das Feuerwehrfahrzeug richtig ausrüstet.“

„Wie bei einem Fußballer“

Viele Wehren haben in den vergangenen Monaten auch darauf zurückgegriffen, ihre Übungen online zu absolvieren. „Das war zwar in Ordnung, aber die praktischen Übungen kann man nicht ersetzen“, sagt Rathgeber. „Das ist wie bei einem Fußballer: Ohne Übung trifft er zwar den Ball, mit Übung trifft er auch das Tor“, erklärt Bayer, der seit 1984 bei der Feuerwehr ist. Zwischendurch haben vor allem die Wehren in Ellerstadt und Bad Dürkheim wieder praktische Übungen aufgenommen. In kleinen Gruppen von neun bis zwölf Teilnehmern, mit wöchentlichen Coronatests und unter Einhaltung der Hygienevorschriften.

Das tun aber nicht alle. In Freinsheim seien Übungsabende aufgrund der ansteigenden Inzidenzen wieder eingestellt worden, und auch in Wachenheim bleibt es bei Übungen vor dem Bildschirm. „Ich bin da vorsichtig. Schließlich ist es ja so: hat es ein Kamerad, haben es alle“, erklärt der 55-jährige Münch, der auf mittlerweile 37 Jahre Feuerwehr-Erfahrung zurückgreifen kann.

Doch der reguläre Einsatzbetrieb der Wehren geht seinen gewohnten Gang – zumindest fast. „Wir dürfen unsere Fahrzeuge nur noch mit der Hälfte an Personal ausrüsten. Bedeutet: Mehr Fahrzeuge für gleiches Personal“, erzählt der seit 1993 bei der Feuerwehr tätige Wenngatz. Das sei mit entsprechend hohem Aufwand verbunden. Er ergänzt mit einem Lachen: „Das Fahrzeug ist dann wie unser Wasserglas: eben nicht halb leer, sondern halb voll.“

Einen besonderen Anstieg oder Abfall der Einsätze verzeichnet allerdings keine der befragten Wehren. Nur in Freinsheim hat man das Gefühl, dass im Jahr 2020 die Feuerwehr zu weniger Einsätzen ausrücken musste. Das lasse sich aber noch nicht an Zahlen ablesen, da die Statistik noch nicht fertig sei.

„Für uns in Wachenheim war Anfang dieses Jahres viel zu tun. Besonders Menschen, die sich im Wald verlaufen oder verletzt haben“, meint Münch. „Wenn die Feuerwehr gebraucht wird, kommt sie. Ob das jetzt eher Missgeschicke zuhause sind oder unterwegs. Für uns macht das keinen Unterschied“, ergänzt Rathgeber. Der 46-Jährige ist seit 31 Jahren im Dienst der Feuerwehr.

Jubiläumsfeiern fallen aus

Schlecht steht es im Angesicht der Coronabestimmungen allerdings um die vielen Festivitäten, die die Feuerwehren im vergangenen und in diesem Jahr geplant hatten. Darunter das 200. Jubiläum der Dürkheimer Feuerwehr, das bereits 2020 mit einem Musikfestival, einer Feuerwehrolympiade und einer Oldtimershow gefeiert werden sollte. „Wir haben das alles jetzt mal auf diesen Sommer verschoben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden wir das aber nicht durchziehen können. Schade“, sagt Wehrleiter Bayer. Auch die Ellerstadter Feuerwehr wollte mehrere Jubiläen feiern. „Wir hätten 140-jähriges und die Jugendfeuerwehr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Das fällt nun leider alles flach – und wer weiß, wie lange“, ergänzt Rathgeber.

Die Wehren hoffen nun darauf, dass die Impfungen Erleichterung in den Feuerwehr-Alltag bringen können. In Ellerstadt seien mittlerweile ein Drittel der Kameraden geimpft. „Feuerwehrleute ab 16 Jahren dürfen sich ja jetzt gezielt zu Impfungen anmelden. Das bietet zum einen Sicherheit, zum anderen vielleicht auch wieder ein Stück weit Normalität“, hofft Wenngatz.

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