Gegenüber RHEINPFALZ Plus Artikel Farhoud Bolourchi: Heiler und Hobby-Autobastler

Farhoud Bolourchi
Farhoud Bolourchi

Wer dauerhaft Schmerzen hat, dem hilft es mitunter schon, wenn der Arzt nett und humorvoll ist. Diese Voraussetzung erfüllt Farhoud Bolourchi. Seit Dezember kümmert er sich als Oberarzt im Evangelischen Krankenhaus in Bad Dürkheim um Patienten mit chronischen Schmerzen.

Mit seiner Qualifikation als Schmerztherapeut möchte Farhoud Bolourchi den Betreffenden sowohl stationär helfen als auch in einem ambulanten Schmerztherapiezentrum. „Es war schon immer mein Wunsch, Arzt zu werden“, erzählt der 48-Jährige. Das war nicht leicht. Denn als Bolourchi, der im Iran geboren wurde, im Alter von zwölf Jahren mit seiner Familie nach Deutschland kam, konnte er kein Deutsch. Er habe „alles daran gesetzt, die Sprache zu lernen, gute schulische Leistungen zu bringen und ein gutes Abitur zu schaffen“, um seinen Berufswunsch verwirklichen zu können. Nachdem Abitur in Mainz begann er dort mit dem Medizinstudium, von dem er eineinhalb Jahre in der lettischen Hauptstadt Riga verbrachte. „Das hat sich durch eine Freundin ergeben“, verrät er.

Früh klar war hingegen, dass Bolourchi Orthopäde und Unfallchirurg werden möchte. „Ich schraube schon immer leidenschaftlich gern an Autos herum, beim Operieren ist es wie beim Autoreparieren: Man muss schauen, dass alles zusammenpasst“, sagt er und lacht.

Zusatzqualifikation „Spezielle Schmerztherapie“

An seine erste Stelle als Arzt an einem Krankenhaus in Rüsselsheim sei er zufällig gekommen. Die nächste am Klinikum in Landau habe er angenommen, „weil die so nett waren“, erklärt Bolourchi in seiner offenen Art. Im Landauer Klinikum lernte er seinen späteren Chef im Sankt Vincentius Krankenhaus in Speyer kennen. „Er hat mich überzeugt, über den Tellerrand zu schauen, einen ganzheitlichen Blick zu entwickeln und nicht immer alles zu operieren“, schildert Bolourchi, wie sein Interesse an der Schmerztherapie geweckt wurde.

So wechselte er denn auch in die Schmerzklinik in Bad Mergentheim und erwarb eine Zusatzqualifikation in Spezieller Schmerztherapie. Aus familiären Gründen wollte Bolourchi, der mit seiner Partnerin in Landau lebt, in die Pfalz zurück. Wiederum „weil sie so nett waren“ habe er sich für die Stelle als Oberarzt der Abteilung Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin am Dürkheimer Krankenhaus entschieden.

Chefarzt nennt Bolourchi „einen Glücksgriff“

Markus Alb, Chefarzt der Abteilung, hat eine etwas andere Erklärung: Bolourchi habe sich für das Evangelische Krankenhaus entschieden, „weil ich ihm die Chance gegeben habe, hier die Schmerztherapie wieder auf- und auszubauen und zu etablieren“, sagt er. Schmerztherapie werde hier zwar schon seit einigen Jahren praktiziert, sei aber etwas in den Hintergrund getreten. Bolourchi sei „ein Glücksgriff“, um das zu ändern, weil er Erfahrung als Orthopäde und Unfallchirurg und die zusätzliche Qualifikation in Spezieller Schmerztherapie habe.

Operieren gehört vorerst aber nicht mehr zu Bolourchis Aufgaben, auch zum Herumschrauben an Autos kommt er erst mal nicht mehr. „Ich habe einen zehn Monate alten Sohn, seitdem habe ich für nichts mehr Zeit“, erläutert er. Daher liegen auch alle anderen Hobbys, zu denen unter anderem Sport gehört, derzeit auf Eis.

Behandlung chronischer Schmerzpatienten gewinnt an Bedeutung

Die Anzahl der Patienten mit chronischen Schmerzen habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, berichtet derweil Alb. Oft seien dies Schmerzen im orthopädischen Bereich, doch auch Kopfschmerzen, Migräne, Neuralgien, Schmerzen nach einer Amputation oder durch einen Tumor seien häufig chronisch. Während Schmerztherapie früher kaum ein Thema gewesen sei, gewinne die Behandlung dieser Patienten zunehmend an Bedeutung, sagen Alb und Bolourchi.

In der Orthopädie wisse man inzwischen, dass Operationen nicht immer angebracht sind, etwa weil die Belastung für den Patienten zu groß wäre oder aufgrund von Vorerkrankungen, erklärt Bolourchi. Bei anderen chronischen Schmerzen, etwa Migräne, sei eine Operation nicht machbar oder nicht sinnvoll, etwa bei Tumorerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium.

Viele Behandlungsmöglichkeiten

Die Schmerztherapie könne das Schmerzempfinden des Patienten verringern, ihm Möglichkeiten zeigen, mit dem Schmerz zu leben. Bolourchi nennt viele Behandlungsmöglichkeiten. Dazu gehören Akupunktur, manuelle Therapie und Hypnose, aber auch Injektionen von Medikamenten ins Gewebe, Infusionen oder Behandlungen mit Botox. „Botox kann bei chronischer Migräne in der Stirn helfen, Falten gehen bei unserer Behandlung aber nicht weg“, sagt Bolourchi. Neuraltherapie, also die Behandlung mit einem Lokalanästhetikum, und Gloa – die zeitweise Blockade von Nervengeflechten im Kopf und im Hals – sind einige weitere Behandlungsformen, die er anwendet.

Bolourchi arbeitet beim Behandeln der Schmerzpatienten mit anderen Ärzten, mit Psycho- und Physiotherapeuten zusammen. Die Schmerztherapie wird für Patienten aller Stationen des Dürkheimer Krankenhauses angeboten. Auch ambulant sollen Patienten mit chronischen Schmerzen behandelt werden. Bisher ist das nur bei Privatpatienten möglich. Eine Zulassung bei den gesetzlichen Krankenkassen sei jedoch beantragt und es sei davon auszugehen, dass sie bewilligt wird, sagt Alb.

Immer mehr Menschen leiden unter ständigen Schmerzen.
Immer mehr Menschen leiden unter ständigen Schmerzen.
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