Wachenheim
Falken fühlen sich auf der Wachtenburg wohl
Schon seit 1984 beobachtet Dieter Weilacher Jahr für Jahr, dass sich Turmfalken zum Nisten in den fünf extra dafür vorgesehenen etwa 30 Zentimeter tiefen Bruthöhlen an der Burg niederlassen. „Im letzten Jahr haben die Vögel sogar zweimal gebrütet. Nach dem Frühjahr wurde im Spätsommer wieder ein paar Jungtiere aufgezogen“, berichtet der Vorsitzende des Förderkreises zur Erhaltung der Ruine Wachtenburg.
Weil der Turmfalke häufig die Nähe menschlicher Siedlungen sucht und auch in Kirchtürmen oder alten Gebäuden nistet, ist vielen Menschen der kleine Greifvogel, den man an seinen lauten, langgezogenen Schreien erkennen kann, sehr vertraut. Die Vögel können bis zu 38 Zentimeter groß und bis zu 15 Jahre alt werden. Sie besitzen eine Flügelspannweite von gut 75 Zentimetern. Normalerweise ziehen die Turmfalken ihren vier- bis fünfköpfigen Nachwuchs nur in der Zeit von April bis Juni auf. Die Brutzeit beträgt circa 30, die Nestlingsdauer 33 Tage.
Großes Nahrungsangebot in Wald und Wingert
Dass die Tiere im Herbst noch einmal Nachwuchs bekommen haben, deutet darauf hin, dass sich die Greifvögel, die etwa 300 Gramm wiegen, auf dem Burggelände pudelwohl fühlen. Sie werden kaum von Burgbesuchern gestört, und den Turm mit seinem Treppenaufgang haben die gefiederten Gesellen als idealen Spiel- und Aufenthaltsort entdeckt.
Die umliegenden Weinberge und der nahe gelegene Waldrand bieten ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Auf dem Speiseplan des Turmfalken, der 2007 Vogel des Jahres war, stehen die Wühlmäuse an erster Stelle, aber auch Insekten, Regenwürmer und Käfer und sogar kleine Vögel wie Finken und Blaumeisen werden verspeist. „Ich habe beobachtet, dass sich im Moment drei Paare in den Nisthöhlen befinden“, berichtet Weilacher, der vermutet, dass es sich um dieselben Tiere handelt, die auch im vergangenen Jahr zu Gast waren.
„Wir müssen bald mal wieder hochsteigen und den Treppenaufgang mit dem Dampfstrahler von den Hinterlassenschaften der Vögel reinigen“, berichtet der Vorsitzende und ergänzt, dass auch die Nistplätze alle fünf bis sechs Jahre gereinigt werden. Förderkreismitglied Ingo Bischoff seilt sich dafür in voller Klettermontur vom Turm ab und übernimmt diese nicht ganz ungefährliche Arbeit.
Wie bei den Menschen auch
Dieter Weilacher beobachtet die Vögel immer wieder gern und hat dabei auch schon witzige Szenen gesehen. „Wenn die Nestsitzzeit beendet ist, müssen die Jungvögel ihren ersten Flugversuch unternehmen. Einmal traute sich ein junger Falke nicht und saß minutenlang oben auf dem Geländer der Aussichtsplattform des Turmes. Dann kamen die Eltern und haben ihn immer mehr an den Rand des Geländers gedrängt, bis er sich endlich in die Tiefe stürzte und ohne Probleme geflogen ist“, erinnert sich Weilacher schmunzelnd und zieht dabei Parallelen zu unserem Leben: „Wenn man sich erst einmal überwunden hat, etwas zu machen, klappt es dann meistens ganz vorzüglich“.